18.07.2017 | 08:25

Rentenmarkt: Short-ETFs als letzte Rettung?

von Jan Richter, FondsConsult Research AG

Ein beliebtes Instrument mit einem Volumen von über 800 Mio. EUR stellt offenbar der Bund-Future Short ETF von ComStage dar. Das hohe und relativ stetig wachsende Volumen deutet darauf hin, dass viele Investoren einen derartigen ETF als dauerhaften Depotbaustein betrachten, um gegen den vermeintlich jederzeit nahenden „Renten-Crash“ gewappnet zu sein. Von Short-ETFs als Dauerinvestition ist jedoch dringend abzuraten. Ein Blick in den Rückspiegel verrät recht schnell, wie sich die negative Pfadabhängigkeit zu Lasten des Investors bemerkbar macht:

iShares ebb.rexx Gov Germany vs. ComStage CoBa Bund-Future Short ETF

Quelle: FVBS professional

Da sich Märkte unter Schwankungen entwickeln, gewinnt der Investor mit seinem Short-ETF in der Regel weniger als die Indexentwicklung vermuten lassen würde. Im Gegenzug sind die Verluste bei rückläufigen Zinsniveaus, d.h. steigenden Anleihekursen, jedoch überdurchschnittlich – in Summe eine Lose-Lose-Situation für den Investor.

Temporäre Kursgewinne im ETF aufgrund von Zinssteigerungen fallen bei längeren Haltedauern letztlich gar nicht mehr ins Gewicht. Hinzu kommen beim Shorten des Bund-Futures eine Reihe von (impliziten) Kosten, die alle gegen den Investor laufen, u.a. Leihkosten, negativer Carry, negative Rollkosten usw.

Jenseits von kurzfristigen, taktischen Engagements sinkt die Wahrscheinlichkeit positiver Renditen demnach beträchtlich. Und was die Timingfähigkeiten von taktischen Engagements mit negativer Duration anbelangt, sei noch folgende Anmerkung erlaubt: Fondsmanager, die mit negativen Durationswetten auf Dauer Geld verdient haben, sind uns leider nicht bekannt.

Disclaimer: Die im Blog zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen sind die persönliche Meinung des Autors und spiegeln nicht in jedem Fall die Meinung der FondsConsult Research AG oder der €uro Advisor Services GmbH wider.

2017-08-02 16:03

Kommentar #1

Uwe Siebert, SINEUS

Da ist Herr Richter wohl selbst vom Pfad abgekommen. Die ComStage Fonds bieten eine Partizipation am Bund Future EUR. Der iShares eb.rexx Gov. Germany hat ein ganz anderes Laufzeitsegment. Ansatzweise dient zu einem fairen Vergleich der REX 10-years (TR) Index, der vom 01.07.2012 bis 30.06.2017 eine Wertentwicklung von +22,73 % hatte. Der entsprechende ComStage Coba Bund Future Short ETF hatte im gleichen Zeitraum eine negative Wertentwicklung von -23,63 %. (Der Long-ETF hatte ein Plus von +24,85 %). Im Ergebnis ermöglichen diese ETFs eine Partizipation an den Zinsentwicklungen von 10-jährigen Bundesanleihen - den Chart stelle ich gerne zur Verfügung. Beste Grüße sendet Uwe Siebert

2017-08-02 16:07

Antwort

Jan Richter, FondsConsult Research

Sehr geehrter Herr Siebert,

vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Grundsätzlich haben Sie Recht. Für einen korrekten Vergleich sollte dem Bund-Future Short ETF der entsprechende Long ETF gegenübergestellt werden. Dies ändert jedoch nichts an der eigentlichen Aussage des Artikels. Die Pfadabhängigkeit in Short und gehebelten ETFs wird sich immer negativ zu Lasten des Investors bemerkbar machen. Der Nachteil für den Investor wird dabei größer, je stärker die Volatilität im Betrachtungszeitraum war. Im Umfeld eines relativ stabil steigenden Bund-Futures halten sich die Abweichungen in der Vergangenheit daher in Grenzen. Schaut man sich aber bspw. das lfd. Jahr an, weist der ComStage Coba Bund Future ETF zwar einen Verlust von 1,04% auf. Der ComStage Coba Bund Future Short ETF konnte allerdings nur einen Zuwachs von 0,02% erzielen (Zeitraum: 1.1. – 30.7.17). Genau auf dies Art von Performanceunterschied bezog sich letztlich der Artikel. Der Short-ETF liefert dem Investor auf Dauer eine intuitiv nicht nachvollziehbare Wertentwicklung. ComStage selbst geht im verlinkten Dokument (https://www.comstage.de/SiteContent/4/1/2/315/30/ShortETFsOnStageETF_Q2_...) ebenfalls auf die Thematik ein. Bei den dort diskutierten Aktien-Short-ETFs ist die Problematik auf Grund der größeren Ausschläge nochmal akuter.


Mit freundlichen Grüßen

Jan Richter

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Jan Richter

Jan Richter

Jan Richter ist Dipl.-Kaufmann und hat an der TU Chemnitz studiert. Bei der FondsConsult Research AG ist er als Senior Analyst für die Selektion von Investmentfonds verantwortlich. Zu seinen Spezialgebieten zählen u.a. die Emerging Markets. Jan Richter ist CFA-Charterholder.

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