21.01.2014 | 13:12

Kann ein Aktienfonds antifragil sein?

von Stephan Schrödl, FondsConsult Research AG

Folgt man der Definition von Nassim Taleb, sollte eine antifragile Investitionsstrategie von Stress profitieren. Im Fondsbereich wird dies u.a. durch Investitionen in Volatilität oder Trendfolger versucht. Auf deren Problematik haben wir bereits hier („Amundi Vola-Fonds: Performance- oder Sinnkrise” und „Sind Trendfolger am Ende”) hingewiesen.

Vielleicht ist es auch gar nicht zielführend zu versuchen, mit komplexen und kostspieligen Absicherungsstrategien ein Portfolio „robuster“ zu machen. Eine elegantere Lösung wäre eventuell die breite Streuung über diszipliniert gemanagte Bottom-up Investmentansätze.

So sollte beispielsweise ein Value-Aktienfondsmanager grundsätzlich von Stress profitieren, also Antifragilität aufweisen. Denn nur in stark fallenden Märkten bietet sich in der Regel die Möglichkeit, großartige Unternehmen zu Schnäppchenpreisen einzusammeln. Voraussetzung dafür ist aber die Verfügbarkeit von Cash. Der „normale“ Value-Manager kann nun mal nicht den „free float“ von Warren Buffett, den dieser kontinuierlich über sein Versicherungsgeschäft vereinnahmt, anzapfen. Zuflüsse besitzen in einem Ausverkauf ebenfalls Seltenheitswert. Deshalb gilt: die Investitionsquote muss aktiv gesteuert werden! Der Aufbau von Cash sollte natürlich bestenfalls bereits in der Übertreibungsphase eines Marktes passieren.

James Montier weist darauf in seinem Paper „No Silver Bullets in Investing“ aktuell hin. Demnach gilt: „no asset (or strategy) is so good that you should invest irrespective of the price paid”.

Auch ein altbackener Value-Fonds kann demnach antifragil sein.

Disclaimer: Die im Blog zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen sind die persönliche Meinung des Autors und spiegeln nicht in jedem Fall die Meinung der FondsConsult Research AG oder der €uro Advisor Services GmbH wider.

2014-01-23 16:08

Kommentar #1

Jörg Lange

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem ausgezeichneten Kommentar einschließlich des Verweises auf James Montier. Letzten Endes bietet nur der Einkauf mit hoher Sicherheitsmarge den Schutz vor dauerhaftem Kapitalverlust und unterscheidet die Investition von einer leider viel zu sehr verbreiteten Spekulation. Weiterhin sprechen Sie ein weiteres Erfordernis an: Die Verfügbarkeit von Cash!!! Daher stelle ich jedem Value-Fondsmanager die Frage, was er denn tue, wenn er nicht genügend hinreichend unterbewertete Aktien findet? Leider trauen sich nur ganz wenige Fondsmanager wie z.B. Ole Nielsen vom Nielsen - Global Value (LU0394131592) konsequent Cash (derzeit über 42 %!!!) aufzubauen, sondern bleiben lieber nahezu voll investiert (.z.B. der Templeton Growth Fund, der noch unter Murdo Murchison aktive Kassenhaltung betrieb). Während der Value-Ansatz beim Platzen der TMT-Blase durch den Verzicht auf diese Sektoren deutlichen Mehrwert generieren konnte, h alf der Ansatz in der Subprime- und anschließenden Lehman-Krise (2008) nicht, als der Markt in Angst und Panik nicht mehr differenzierte. Nur Value-Investoren, die angesichts der sich abzeichnenden fatalen Entwicklungen Cash aufgebaut hatten, konnten ihre Anleger vor hohen Verlusten schützen. Fazit: Sie haben also den Nagel auf den Kopf (Cash) getroffen - nur leider bietet die Fondsindustrie kaum Produkte mit diesen Eigenschaften...

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Stephan Schrödl

Stephan Schrödl

Stephan Schrödl ist Dipl.-Volkswirt und hat an der Universität Regensburg studiert. Bei der FondsConsult Research AG ist er als Senior Analyst für die Selektion von Investmentfonds verantwortlich. Zu seinen Spezialgebieten zählen u.a. Alternative Investments.

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