26.10.2015 | 08:29

Ist es sinnvoll einen Fonds über 5 Jahre zu beurteilen?

von Stephan Schrödl, FondsConsult Research AG

Ein Blick auf die Konjunkturzyklen in den USA seit 1854 verrät (Link), dass ein Zyklus im Durchschnitt ca. 56 Monate umfasst. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Vormachtstellung der USA als führende Wirtschaftsmacht der Welt endgültig zementiert wurde, liegt der Durchschnitt bei ca. 70 Monaten. Insofern passen die in der Fondsselektion regelmäßig verwendeten 5 Jahre für den Performancevergleich eigentlich noch ganz gut. Die Aussage, dass sich ein Fonds erstmal über einen vollen Konjunkturzyklus beweisen sollte, deckt aber die Tücken einer Durchschnittsbetrachtung auf. Wie sagte schon Fußball-Kommentator Werner Hansch während eines Bundesligaspiels: „Nach der Statistik ist jeder vierte Mensch ein Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit“.

Denn auf den zweiten Blick wird relativ schnell klar, dass Konjunkturzyklen eine große Streuung um den Mittelwert aufweisen. Unter Umständen müssen sich Fondsinvestoren also deutlich länger als 5 Jahre gedulden, um einen fairen Vergleich ziehen zu können. Ein weiteres Problem besteht darin, dass kaum ein Zyklus dem anderen gleicht. Eigentlich müsste man also mindestens zwei oder drei Zyklen in die Betrachtung mit einbeziehen. Aber wer bringt diese Geduld schon auf?

Disclaimer: Die im Blog zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen sind die persönliche Meinung des Autors und spiegeln nicht in jedem Fall die Meinung der FondsConsult Research AG oder der €uro Advisor Services GmbH wider.

2015-10-27 15:22

Kommentar #1

Peter Lange

Liebe FundResearch-Experten, genau das ist meine Rede schon seit mehr als 25 Jahren. Ich meide Fonds, welche erst seit 3 Jahren auf dem Markt sind. Ich schaue mir immer im FVBS-Programm von Finanzen die längste mögliche Laufzeit an und entscheide dann, welchen Fonds ich nehme. Hier kann man relativ gut erkennen, wie sich der Manager oder das Management in der Vergangenheit geschlagen hat. In der Regel sind auch einige Wechsel darin enthalten. Ich berate meine Kunden dahingehend, daß ein Fonds eine langfristige Angelegenheit ist und kann im Gegenzug nicht mit 1, 3 oder 5 Jahren laut "Rennliste" argumentieren. Wir sind hier nicht in der Politik, wo grundsätzlich nur in Legislaturperioden gedacht wird. Und - das sind alles Investmentfonds, keine Spekulatiusfonds, mit denen in kurzer Zeit Gewinne realisiert werden können. Wie heißt es so schön: die Streuung der Anlage ist das Wichtigste. So ist ein Ausgleich innerhalb des Depots immer gegeben - auch 2001, 2008 und 2011! Auch haben alle meine Sparplankunden dies verstanden und freuen sich heute, daß sie z.B. einen Technologiefonds von 1999 nicht gekündigt haben!!! Freundliche Grüße Peter Lange

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Stephan Schrödl

Stephan Schrödl

Stephan Schrödl ist Dipl.-Volkswirt und hat an der Universität Regensburg studiert. Bei der FondsConsult Research AG ist er als Senior Analyst für die Selektion von Investmentfonds verantwortlich. Zu seinen Spezialgebieten zählen u.a. Alternative Investments.

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