24.09.2013 | 17:20

Ist der DAX konservativ?

von Christoph Lang, €uro Advisor Services GmbH

Betrachtet man die Wertentwicklung des DAX-Index und seiner Vorgänger seit den 60er Jahren zu Wahlzeiten, dann stehen die Vorzeichen unter einer CDU-geführten Regierung für die kommenden Monate gut.

Hätte man jeden Monatsanfang für drei Monate in den DAX (und seine Vorgängerindizes) investiert, so hätte man historisch sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielen können; die Extrema liegen bei +30% bzw. -30%. Die durchschnittliche Wertentwicklung im Betrachtungszeitraum liegt jedoch bei 1,96%. (Das entspricht einer p.a.-Rendite von gut 8%.)

DAX und seine Vorgänger: Rollierende dreimonatliche Wertentwicklungen seit 1959
DAX-Wertentwicklung: 3-Monats-Zeitraum rollierend
Quelle: FINANZEN FundAnalyzer (FVBS)

Am Sonntag wurden in Deutschland die politischen Machtverhältnisse neu geordnet. Demnach kommt der CDU die Führungsposition bei der Bildung einer neuen Regierung zu. Das führt zur Frage, wie der Dax in Wahlzeiten gelaufen ist, wenn die Konservativen die Regierung gestellt haben. Könnte sich vielleicht bis Ende des Jahres auf dem Kurszettel ein "CDU-Effekt" bemerkbar machen?

Nimmt man sich von den Dreimonats-Perioden nur diejenigen heraus, die in den Wahlmonat einer Bundestagswahl und die zwei darauf folgenden Monate fallen, kann man prüfen, ob zu „Wahlzeiten“ eine CDU-geführte Regierung im Gegensatz zu einer SPD-geführten Regierung signifikante unterschiedliche Durchschnittsrenditen aufgewiesen hat. Das Ende des Wahlkampfes, die Wahl, die Phase der Koalitionsbildung und der Start der neuen Regierung stehen somit in dem jeweils betrachteten Ausschnitt zu einer Bundestagswahl im Fokus.

Die Grundgesamtheit dieser Auswertung ist zwar sehr klein, dennoch zeigt sich ein Bild, das man so vielleicht erwartet hätte…

CDU vs. SPD: Rollierende dreimonatliche Wertentwicklungen zum Wahlmonat
DAX-Wertentwicklung: CDU vs. SPD
Quelle: Eigene Berechnungen; alle Bundestagswahlen seit 09/1961 bis 09/2009. FINANZEN FundAnalyzer (FVBS).

Dass man bei der Interpretation solcher statistischen Spielereien aufpassen muss, versteht sich von selbst. Außerdem gilt: Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Die Erklärung von Aktienrenditen ist im Regelfall ein multifaktorielles Problem bei denen sich politische Veränderungen direkt meist nur sehr kurz auswirken („Politische Börsen haben kurze Beine.“). Bei der klassischen Anwendung von Multi-Faktormodellen (APT, FAMA-FRENCH,…) zur Erklärung von Aktienrenditen spielt die Politik keine Rolle. Die politischen Rahmenbedingungen stellen aber eine notwendige Bedingung dafür dar, dass sich die Wirtschaft und damit auch die Kurse mittel- bis langfristig gut entwickeln können. Als ein echter kurzfristiger Treiber erweist sich dagegen gerade die FED mit ihrer Geldpolitik. Stabile politische Verhältnisse in Zeiten außerordentlicher Liquidität sollten so gesehen dem DAX ceteris paribus wenig schaden …

Disclaimer: Die im Blog zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen sind die persönliche Meinung des Autors und spiegeln nicht in jedem Fall die Meinung der FondsConsult Research AG oder der €uro Advisor Services GmbH wider.

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Christoph Lang

Christoph Lang

Dipl.-Kfm. Christoph Lang studierte BWL an der LMU-München mit den Schwerpunkten Unternehmensbewertung, Kapitalmarkttheorie, Informatik und stand auf der Dean´s List der Fakultät. Bei der €uro Advisor Services GmbH verantwortet er die Produktbereiche Software u. Research.

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