16.01.2017 | 10:00

ETFs sind super, aktive Fonds schlecht. Wir haben es alle verstanden.

von Stephan Schrödl, FondsConsult Research AG

Insbesondere in den letzten Jahren haben mehr und mehr Investoren das scheinbar sinkende Schiff „Aktives Management“ verlassen und sich bereitwillig dem neuen Heilsbringer ETF angeschlossen. Ein Trend, der sich sogar noch massiv zu beschleunigen scheint. Die Argumente sind ja auch unschlagbar gut und brauchen an dieser Stelle nicht zum x-ten Mal wiederholt werden. Dennoch sollten Anleger achtsam sein: Wann immer am Markt große Einigkeit bzgl. eines Themas herrscht, ist große Vorsicht geboten.

Im Grunde verkaufen sich ETFs vor allem aus einem Grund so gut: Sie hatten über die letzten 10 Jahre eine deutlich bessere Wertentwicklung als das Gros der aktiven Manager. Und damit unterscheidet sich dieser neue „Megatrend“ in keiner Weise von allen anderen zuvor. Die Masse der Anleger bevorzugt nun mal, was in den letzten Jahren besonders gut gelaufen ist. Umso besser, wenn die „Story“ dann noch mit logischen und für jedermann nachvollziehbaren Argumenten unterfüttert wird. Das Problem dabei ist nur, dass dies bei allen anderen „Megatrends“ – bei denen die meisten Anleger den optimalen Einstiegszeitpunkt um ca. 5 Jahre verpasst hatten - auch der Fall war. Warum sollte es diesmal anders sein?

Anfang der 90-iger Jahre zeigten die Schwellenländer bereits seit einiger Zeit eine sehr dynamische Wirtschaftsentwicklung, was sich schließlich auch in stark steigenden Aktienkursen niederschlug. Es erschien nur logisch und nachvollziehbar, dass sich dieser Aufholprozess über viele Dekaden strecken würde und EM-Aktien deshalb ein vielversprechendes Investment sein müssten. Folglich wurde Mitte er 90-iger Jahre eine Vielzahl von Fonds aufgelegt, die dann auch mit entsprechenden Zuflüssen belohnt wurden. Im März 1997 begann dann die Asienkrise.

Aus heutiger Sicht wären EM-Aktien natürlich immer noch ein lohnendes Investment gewesen. Leider hatten aber die wenigsten Anleger das nötige Durchhaltevermögen. Schließlich wartete ja auch schon der nächste „Megatrend“. Denn Ende der 90-iger Jahre hatten sich Technologieaktien hervorragend entwickelt, weshalb die meisten Anleger um die Jahrtausendwende ihre Investments lieber in diesen neuen, noch dynamischeren Wachstumsmarkt umschichteten. Dann platzte die Technologieblase.

Wer nach dem Platzen der Blase einfach stoisch im Sektor investiert geblieben wäre, hätte in der Tat bis zum Jahresende 2016 sogar eine Outperformance von ca. 100% zum MSCI World erzielt. Leider hatten aber wieder die wenigsten Anleger das nötige Durchhaltevermögen. Schließlich wartete ja auch schon der nächste „Megatrend“. In den letzten Jahren hatten sich Rohstoffe hervorragend entwickelt, weshalb viele Anleger Mitte der 2000er Jahre in den Rohstoff-Superzyklus umschichteten. Der Argumente für einen Ölpreis von dauerhaft über 100 USD waren ja auch logisch und nachvollziehbar. Dann implodierte der Sektor in der Finanzkrise.

In den letzten drei Jahren fiel dann immer mehr Anlegern auf, dass sich defensive und schwankungsarme Aktien nicht nur in der Finanzkrise, sondern auch in den Jahren danach hervorragend geschlagen hatten. Die „Low Volatility“ Anomalie ist ja auch logisch und gut nachvollziehbar. Bei der Stilrotation in 2016 zeigten sich dann schon die ersten Risse.

Ähnliches gilt auch für „Hedgefondsstrategien im UCITS-Mantel“. Logisch und nachvollziehbar, dass in einem Negativzinsumfeld nur „Relative Value“ für den risikoaversen Investor Rendite generieren kann. Aus heutiger Sicht muss die Frage erlaubt sein, ob L/S-Equity und Global Macro als Anlageklassen nicht 2016 zu Grabe getragen wurden. Übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass Anleger nach wie vor bereit sind sogar unverschämt hohe Gebühren zu zahlen, wenn nur das Performance-Versprechen stimmt.

Lange Rede kurzer Sinn: Es ist doch schwer vorstellbar, dass der „Megatrend“ ETFs eine Ausnahme darstellen könnte. Daraus folgt natürlich nicht, dass ein ETF für den langfristig denkenden Retail-Anleger mit vergleichsweise wenig Kompetenz bei der Fondsselektion, kein sinnvolles Investment wäre oder ETFs bzw. den Märkten zwangsläufig der große Crash bevorsteht. Die große Aufgabe wird aber darin bestehen, auch in Phasen der signifikanten Outperformance von aktiven Managern – und ja, auch diese Zeiten werden wieder kommen – an seinem Investment festzuhalten und nicht wieder mit einer Zeitverzögerung von einigen Jahren dem „Megatrend“ von gestern hinterherzulaufen.

Disclaimer: Die im Blog zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen sind die persönliche Meinung des Autors und spiegeln nicht in jedem Fall die Meinung der FondsConsult Research AG oder der €uro Advisor Services GmbH wider.

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Stephan Schrödl

Stephan Schrödl

Stephan Schrödl ist Dipl.-Volkswirt und hat an der Universität Regensburg studiert. Bei der FondsConsult Research AG ist er als Senior Analyst für die Selektion von Investmentfonds verantwortlich. Zu seinen Spezialgebieten zählen u.a. Alternative Investments.

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