29.08.2017 | 09:27

ETFs sind in der Theorie keine blöde Idee

von Stephan Schrödl, FondsConsult Research AG

Warum ist das Argument, dass massive Zuflüsse in marktkapitalisierungsgewichtete ETFs auf Kosten des aktiven Managements zunehmend zu Marktverzerrungen („Blasen“) führen, falsch?

Weil die Gesamtheit der aktiven Manager eben keine Value-Investoren sind. Vielmehr ist es sogar eine mathematische Gewissheit, dass die Summe der aktiven Manager genau das gleiche Portfolio hält wie der Markt. Was passiert, wenn Investoren von aktiven Investmentfonds in ETFs umschichten, ist in Summe nichts weiter als eine Verschiebung von Anteilen. Der ETF managt in der Folge die Assets genauso wie das Aggregat der aktiven Manager.

Trifft man zusätzlich die Annahmen:

-dass, erstens, Anleger größtenteils die Underperformer unter ihren aktiven Fonds verkaufen,

-diese Underperformer zweitens nicht vor allem deshalb schlecht sind, weil der Investmentstil des Managers gerade vom Markt nicht wertgeschätzt wird, sondern weil die Fonds einfach zu teuer sind und die meisten Manager ohnehin kein Alpha generieren können,

-sowie drittens, Anleger ihre Assets in der Regel von den Underperformern in die Outperformer der letzten 3 bis 5 Jahre bzw. den neuesten Trend allokieren,

dann ist das Umschichten in marktkapitalisierungsgewichtete Standard-ETFs für viele Anleger mit nur begrenzten Ressourcen bzw. Kompetenzen in der Fondsselektion aus folgenden Gründen sinnvoll – und für den Markt in Gänze auch effizienter:

1. Die Marktrendite ist das, was der durchschnittliche Manager vor Kosten erwirtschaftet und die meisten Manager performen unterdurchschnittlich – also schlechter als der Index;

2. Selbst wenn alle verkauften Underperformer unterbewerte Value-Fonds wären (mit einem sehr großen Fragezeichen!), dann ist der Kauf des Marktes in der Regel langfristig immer noch das kleinere Übel verglichen mit dem Kauf der Outperformer über die letzten 3 bis 5 Jahre. Diese werden nämlich erfahrungsgemäß zu den zukünftigen Underperformern.

Die angeführten Punkte greifen bewusst nicht die sehr realen Liquiditäts- oder Preisfeststellungsproblematiken bei ETFs auf (vor allem in engen Märkten), sondern sind rein grundsätzlicher Natur. Zudem ist es faktisch so, dass die Umschlagshäufigkeit bei ETFs wesentlich höher ist als bei klassischen aktiv gemanagten Fonds, da ETFs leider vermehrt als „Trading-Vehikel“ genutzt werden. Die durch den Einsatz von ETFs entstandenen Vorteile (wie auch Kostenvorteile) werden somit regelmäßig nivelliert.

Disclaimer: Die im Blog zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen sind die persönliche Meinung des Autors und spiegeln nicht in jedem Fall die Meinung der FondsConsult Research AG oder der €uro Advisor Services GmbH wider.

Sagen Sie uns Ihre Meinung und diskutieren Sie mit den FundResearch-Experten.

Stephan Schrödl

Stephan Schrödl

Stephan Schrödl ist Dipl.-Volkswirt und hat an der Universität Regensburg studiert. Bei der FondsConsult Research AG ist er als Senior Analyst für die Selektion von Investmentfonds verantwortlich. Zu seinen Spezialgebieten zählen u.a. Alternative Investments.

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