22.07.2013 | 09:53

Dividendenfonds: Aktiv oder passiv?

von Stephan Schrödl, FondsConsult Research AG

Die Verfügbarkeit unzähliger ETFs für alle nur erdenklichen Anlageklassen hat den angenehmen Effekt, dass sich aktive Manager mittlerweile an allen Fronten bzgl. der Daseinsberechtigung ihres Ansatzes hinterfragen lassen müssen. Ein Vergleich von „Aktiv vs. Passiv“ bietet allerdings einige Herausforderungen, da ETF eben nicht gleich ETF ist. Als Vertreter der aktiven Seite dient uns mit dem DWS Top Dividende der Flaggschifffonds für Dividendeninvestments.

Eine vergleichsweise einfache, rein quantitativ getriebene, passive Dividendenstrategie verfolgt der db x-trackers Stoxx Global Select Dividend 100 UCITS ETF (ISIN: LU0292096186), in dem er systematisch vor allem in die Unternehmen mit der höchsten Dividendenrendite in Europa, Amerika und Asien investiert (zuzüglich Nebenbedingungen wie der Payout Ratio). Die beiden Charts über die letzten 5 Jahre zeigen den ETF im Vergleich zum DWS Top Dividende (ISIN: DE0009848119). Dieser berücksichtigt neben quantitativen Kriterien wie der Dividendenrendite, der Payout Ratio und dem Dividendenwachstum (siehe auch: Im Rausch der Dividendenrenditen) auch qualitative Kriterien wie die Qualität des Managements, die Margenentwicklung oder die Cash Flows.

dx x-trackers Stock Global Select Dividend 100: Erfolgreiche passive Dividenenstrategie

Quelle: Morningstar Direct

Relative Wertentwicklung ETF zum DWS Top Dividende in Prozent

Quelle: Morningstar Direct

Mit einem vergleichsweise simplen Ansatz konnte der ETF über die letzten 5 Jahre eine deutliche Outperformance zum DWS Top Dividende erzielen. Insbesondere der zweite Chart macht aber deutlich, dass Anleger dafür auch einen signifikanten Drawdown in der Finanzkrise aushalten mussten. Dieser war nicht zuletzt dem hohen Exposure zum Finanzsektor geschuldet. Auch aktuell weist der ETF eine Gewichtung von 32% in diesem Sektor auf. Dazu kommen noch 18% Versorger (Klumpenrisiken).

Für Anleger die sowohl eine deutlich höhere Volatilität als auch deutlich größere Drawdowns aushalten können, kann ein einfacher Dividendenrenditen-Ansatz also durchaus Charme besitzen. Hat man diese Risikobereitschaft nicht, bieten aktive Anbieter eine Vielzahl an Optionen.

Disclaimer: Die im Blog zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen sind die persönliche Meinung des Autors und spiegeln nicht in jedem Fall die Meinung der FondsConsult Research AG oder der €uro Advisor Services GmbH wider.

2013-07-23 09:58

Kommentar #1

Peter Weber

Sehr interessanter Bericht. Es fehlt lediglich noch der Hinweis auf das Verlustrisiko der Anleger, da die genannten Fonds die Wertpapierleihe betreiben. Da werden dann Staatsanleihen und teilweise sogar Zertifikate als Sicherheiten akzeptiert. Angesichts des sehr geringen Mehrertrags für die Anleger ist das doch realistisch vorhandene Risiko (LEHMANN!!!) nicht zu unterschätzen. Einziger Profiteur ist die jeweilige Fondsgesellschaft, welche kein Risiko eingeht und trotzdem von den Leihprämien profitiert.

Nach langen Recherchen und Telefonaten fand ich heraus, daß einzig die irischen SPDR-Fonds die Indizes physisch abbilden und keine Wertpapierleihe betreiben! Daher sind diese ETFs für mich die erste und einzige Wahl. Ich sehe nicht ein, daß Fondsgesellschaften meine Aktien (Sondervermögen!) an mir nicht bekannte Gesellschaften zu mir nicht bekannten Sicherheiten zu mir unbekannten Konditionen verleihen, den Großteil der Prämien selbst vereinnahmen und ich das volle Risiko trage!!!

Mit freundlichen Grüßen

Peter Weber

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Stephan Schrödl

Stephan Schrödl

Stephan Schrödl ist Dipl.-Volkswirt und hat an der Universität Regensburg studiert. Bei der FondsConsult Research AG ist er als Senior Analyst für die Selektion von Investmentfonds verantwortlich. Zu seinen Spezialgebieten zählen u.a. Alternative Investments.

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