"Wir rechnen auch weiterhin damit, dass die Konzerne die Markterwartungen in
der Mehrzahl erfüllen oder übertreffen können", hieß es seitens der Experten der
Landesbank Berlin. Ob davon allerdings noch nennenswerte Impulse für den
Gesamtmarkt ausgehen, erscheint ihnen nach den bisherigen Reaktionen aber mehr
als fraglich. Die Börsenweisheit "Sell on good news" drohe sich daher wieder zu
bewahrheiten. "Es wird derzeit offenbar immer schwieriger, die hochgespannten
Erwartungen zu übertreffen", pflichtete dem auch Stabel bei. KONJUNKTUR ALS RISIKOFAKTOR Der größte Risikofaktor für die Aktienmärkte sei derzeit die Sorge vor einem
erneuten Konjunktureinbruch, urteilte Chefvolkswirt Jörg Krämer von der
Commerzbank. Der Markt schieße sich dabei aber zu stark auf das Sorgenkind
US-Wirtschaft ein, meinte sein Kollege Bernd Weidensteiner. "Trotz der jüngsten
Enttäuschungen stehen die USA besser da als der Euroraum", ergänzte er und
klammerte dabei einzig die deutsche Wirtschaft aus. Zum einen verwies er darauf,
dass die amerikanische Wirtschaft einen größeren Teil des Absturzes bereits
wieder wett gemacht habe. Zum anderen sei die Korrektur des Immobilienbooms
mittlerweile abgeschlossen und der Arbeitsmarkt habe gedreht. "Die US-Wirtschaft
dürfte 2010 und 2011 doppelt so stark wachsen wie die Wirtschaft im Euroraum",
weshalb die US-Notenbank Fed ihre Zinsen möglicherweise schon vor der
Europäischen Zentralbank erhöhen werde. Auf die Probe gestellt wird dies in der kommenden Woche mit einigen
wichtigen Wirtschaftsindikatoren aus den USA. Mit dem ISM-Index am Montag und
dem monatlichen US-Arbeitsmarktbericht am Freitag stehen gleich mehrere
Highlights auf dem Programm. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende
Gewerbe dürfte nach Auffassung der Commerzbank-Experten leicht gesunken sein und
damit ein langsameres Expansionstempo signalisieren. Einen erneuten Rückschlag
für die US-Konjunktur halten sie jedoch für sehr unwahrscheinlich, da der
private Sektor wohl auch im Juli per Saldo wieder Stellen geschaffen haben
dürfte. ZAHLENFLUT AUS DEM DAX Schon am kommenden Montag setzt sich die Berichtssaison in Deutschland mit
vollem Tempo fort. Zum Wochenauftakt präsentieren Linde und der
Handelskonzern Metro ihre jüngsten Ergebnisse. Klaus Stabel von ICF
rechnet im Falle des Gaseherstellers mit einem höheren Ergebnis als im ersten
Quartal, während bei Metro der Konzernumbau im Vordergrund stehen dürfte. Am
Dienstag berichten mit BMW , der Deutschen Post und Fresenius
nebst der Tochter Fresenius Medical Care vier weitere
Dax-Unternehmen. Experte Christian Obst von Unicredit traut der Post angesichts
bereits vermeldeter Zahlen von US-Konkurrenten eine starke operative Entwicklung
zu. Bei Fresenius verweist Unicredit auf den jüngst erhöhten Ausblick und
bereits bekannte Eckdaten. Am Mittwoch sind Henkel , Adidas , die Postbank
und Munich Re an der Reihe. Während Adidas schon vorab über höhere
Ergebnisse berichtet habe, könnten Naturkatastrophen den Münchner
Rückversicherer zu einer Reduzierung der Prognose zwingen, sagte Klaus Stabel.
Am Donnerstag folgen Beiersdorf , die Commerzbank und die
Deutsche Telekom . Zum Wochenabschluss kommt dann am Freitag noch die
Allianz mit Zahlen. Dann werden neben den 14 der Auftaktwoche weitere
13 der insgesamt 30 Dax-Unternehmen ihre Ergebnisse vorgelegt haben. |