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10.07.2007 14:37
Dachfonds als Steuerspar-Investments?
Deutschlands Fondsbranche rüstet sich für den großen Steuerschlussverkauf. Besonders Dachfonds dürften verstärkt beworben werden. Allerdings sind sie nicht für alle Anleger die optimale Lösung. "Anleger sollten nicht auf die Marketingkampagnen für Dachfonds hereinfallen", warnt etwa Oliver Morath, Vertriebschef von Nordea. Er fürchtet, dass Anleger ab 2009 höhere laufende Gebühren für Dachfonds zahlen müssen. Wenngleich dies auch bei anderen Fonds der Fall sein könnte.
Stichtag 1. Januar 2009

Der Sommerschlussverkauf ist schon seit einiger Zeit Geschichte. Auch steuerfreie Kursgewinne werden demnächst in die Annalen eingehen. Vorher rüstet sich die Finanzbranche aber für den großen Steuerschlussverkauf.

Denn: Wer vor dem 1. Januar 2009 in einen Fonds investiert, soll die Kursgewinne auch weiterhin steuerfrei einstreichen können. Ab 2009 sind bei Neuinvestments dann pauschal 25 Prozent plus Soli und Kirchensteuer an den Fiskus zu zahlen.

Der Charme der Flexibilität

Die gesamte Branche arbeitet daran, die Anleger mit vermeintlich optimalen Produkten für die geänderten Steuergesetze zu versorgen. Besonders Dachfonds dürften ein Verkaufsschlager werden.

"Bei Dachfonds können die Fondsmanager weiterhin eine aktive Vermögensaufteilung ohne Steuernachteile betreiben. Dies gilt insbesondere bei Produkten mit offenen Konzepten, deren Investmentexperten ohne Einschränkungen auf dem gesamten Fondsmarkt nach aussichtsreichen Anlagezielen suchen", sagt Andreas Schmid, Fondsexperte bei Fidelity.

"Dachfonds sind daher eine interessante Alternative für Anleger, die auch in Zukunft eine flexible Anpassung ihrer Anlagen an Marktentwicklungen wünschen."

Existieren Fonds ewig?

Oliver Morath, Vertriebschef bei Nordea, hält Dachfonds ebenfalls für ein Top-Produkt im Umfeld der Abgeltungssteuer. Er warnt Anleger jedoch davor, blindlings in einen beliebigen Dachfonds umzuschichten oder nur Produkte einer Fondsgesellschaft zu kaufen. Besser sei es, über mehrere Fondsanbieter zu streuen.

Anleger sollten beim Thema Dachfonds in nächster Zeit zudem wachsam sein, rät Morath. Denn er rechnet damit, dass speziell freie Vermittler den Markt mit neuen Dachfonds überfluten werden. "Ab fünf Millionen Euro Volumen kann man schon Fonds auflegen. Bei solchen Minifonds werden die Kosten allerdings sehr hoch sein und wer weiß, wie lange diese Fonds überhaupt existieren", sagt Morath. Überhaupt vermutet der Nordea-Mann, dass die Fondsgesellschaften, wenn sie die Anleger einmal geködert haben, an der Kostenschraube drehen könnten.

Hin und Her macht Taschen leer – oder höhere Gebühren

"Nach 2009 wird kaum jemand verkaufen wollen, die Anleger sind dann gefangen. Da ist es ein Leichtes, die Gebühren ordentlich zu erhöhen", sagt Morath. "Entsprechende Gerüchte hört man schon in der Branche. Denn bislang lebt der Vertrieb vom häufigen Hin und Her. Diese Möglichkeit fällt dann aber weg."

Er warnt daher eindringlich davor, nur aus vermeintlichen Steuervorteilen in ein Produkt zu investieren. "Wohin das führen kann, haben Anfang der 90er-Jahre viele Anleger mit steuersparenden Immobilien schmerzhaft zu spüren gekriegt."

Lieber Klassiker als nur Dachfonds kaufen

Morath hält es nicht für sinnvoll, sein ganzes Geld in nur ein Produkt einer Fondsgesellschaft zu stecken. Er rät den Anlegern, ihr Portfolio besser selbst zusammenzustellen und breit gestreut in bewährte Fonds renommierter Gesellschaften zu investieren. Dazu können aus seiner Sicht auch gut gemanagte Dachfonds gehören.

"Klassiker wie Templeton Growth, M&G Global Basics oder Nordea European Value sind aber ebenfalls steuerschonende Lösungen. Und wenn sich die persönliche Risikobereitschaft ändert, muss man immer nur einen Teil des Portfolios verkaufen", sagt er.

Es gibt keine optimale Lösung

"Wer heute ein Portfolio aus jeweils 50 Prozent Renten und Aktien möchte, kann in ein paar Jahren vielleicht eine 20/80-Ausrichtung benötigen", ergänzt Morath. In diesem Fall ließe sich das individuelle Depot sehr leicht anpassen. "Dieses Problem kann ein Dachfonds nicht lösen. Und auch Life-Cycle-Fonds sind hier keine Optimallösung", sagt Morath. Aber die gibt es für den Nordea-Mann ohnehin nicht.

Fazit: Für die Abgeltungssteuer sind Dachfonds keine schlechte Lösung. Allerdings könnten steigende Gebühren den vermeintlichen Steuervorteil schnell auffressen, warnt Nordea-Vertriebs-Chef Oliver Morath. Zudem weiß man nicht, ob der Staat das Schlupfloch für Dachfonds nicht doch noch schließt. Zertifikate-Anleger haben dies schon zu spüren bekommen. Daher muss man zügig, aber genau überlegen, wie man sich aufstellt.



Dachfonds versus Aktienfonds-Klassiker

Dachfonds (100% Aktienfonds): Eine Auswahl der Besten

Fonds: Performance 5 Jahre (in %)
1. Sauren Global Opportunities: 110.8
2. Gerling R & R TOP Select: 105.9
3. C-Quadrat ARTS Best Mom. T: 105.7
4. carmignac Profil Reactif 100: 93.5
5. Acatis 5 Sterne-Universal: 88.6

Zum Vergleich: Aktienfonds-Klassiker

Fonds: Performance 5 Jahre (in %)
1. M&G Global Basics A: 156.2
2. Nordea European Val. BP EUR: 92.0
3. Templ. Growth Fund Inc.: 41.9

Quelle: *FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 30.06.2007.



Weitere Infos:

www.nordea.de

www.finanzen.net/go/GB0030932676

www.finanzen.net/go/LU0064319337

www.finanzen.net/go/US8801991048
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