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Gewusst wie Steuern sind ein leidiges Übel. Keiner mag sie, aber jeder muss zahlen. Doch wer Bescheid weiß, zahlt nicht mehr als er muss. Mehr
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| 22.05.2007 11:09 |
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| Lex Zertifikate: Abgeltungsteuer bringt Zertifikate in Bedrängnis |
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Bei der geplanten Abgeltungsteuer zieht Bundesfinanzminister Peer Steinbrück die Daumenschrauben an: Zertifikatekäufer und Lebensversicherungs-Kunden sollen besonders stark bluten. |
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Steuerpläne treffen Zertifikate besonders hart
Schlechte Nachrichten für Zertifikatekäufer und alle, die ihre Kapitallebensversicherung vorzeitig via Zweitmarkt veräußern wollen. Sie sind die großen Verlierer der geplanten Abgeltungsteuer. Zumindest dann, wenn sich der Bundesrat mit seinen Änderungswünschen bei der Steuerreform durchsetzt.
Besonders für Zertifikate sieht es schlecht aus, heißt es aus dem Finanzausschuss des Bundestags. Denn die Zertifikatebranche wird ohnehin von Politikern aller Couleur eher kritisch gesehen.
Diese Stimmung verschlechterte sich in Berlin offenbar noch, als erste Infos zu gemanagten Endloszertifikaten in der Presse kursierten, mit denen sich Anleger ewige Steuerfreiheit bei Veräußerungsgewinnen gesichert hätten, wenn nur die Papiere vor 2009 im Depot gewesen wären.
Lex Zertifikate: Bestandsschutz nur bis zum 30. Juni 2009?
Dem will der Bundesrat jetzt mit einer Sonderregelung für Zertifikate einen Riegel vorschieben: Anders als bei Aktien und Fonds sollen Anleger, die vor Inkrafttreten der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 Zertifikate gekauft haben, diese Papiere nur noch bis 30. Juni 2009 steuerfrei veräußern können, wenn sie die Titel mindestens zwölf Monate im Depot hatten.
Aus Sicht des Bundesrats haben Anleger von dieser Übergangsregelung keine Nachteile: "Zertifikate mit einer durchschnittlichen Haltedauer von rund 18 Monaten könnten dann bei Erwerb in zeitlicher Nähe zur Verabschiedung der Unternehmenssteuerreform noch steuerfrei veräußert werden", heißt es wörtlich in der Empfehlung der Länderkammer zum Gesetzesentwurf der Bundesregierung.
Und: "Für die Veräußerung länger gehaltener Zertifikate stünde dem Steuerpflichtigen ein Zeitraum von zwei Jahren ab der Verabschiedung der Reform zur Verfügung." Nun müssen die Beamten von Finanzminister Peer Steinbrück den Vorschlag prüfen.
In der Zertifikatebranche schrillen die Alarmglocken
Große Nachteile sieht dagegen schon jetzt die Zertifikatebranche. Dort schrillen die Alarmglocken. Denn sollten die Regelungen so kommen wie jetzt geplant, würde das für diesen boomenden Markt einen herben Rückschlag bedeuten.
"Für die nächsten eineinhalb Jahre wäre das sehr schlecht", meint Stefan Armbruster, bei der Deutschen Bank für Vertrieb und Marketing der Zertifikate zuständig. "Bis Ende 2008 würde sicher weniger Geld in Zertifikate fließen. Der Kauf eines Deutschlands-Fonds wäre dann steuerlich viel attraktiver als etwa der Kauf eines DAX-Zertifikats."
Fonds versus Zertifikate: Es droht Steuernachteil für Zertifikate
Ein Vergleich des Derivate Forums zeigt die Nachteile für Zertifikate auf: Im ersten Fall hat ein Anleger im Jahr 2003 bei einem DAX-Stand von 3000 Punkten einen börsengehandelten Indexfonds auf den DAX zu 30 Euro gekauft. Verkauft er das Papier im Jahr 2010 bei einem DAX-Stand von 7000 Punkten für 70 Euro, ist die Spekulationsfrist für Altpapiere abgelaufen, und er kann auch die 40 Euro Gewinn steuerfrei einstreichen.
Anders, wenn der Anleger 2003 statt des Fonds ein Indexzertifikat auf den DAX zu 30 Euro gekauft hat. Verkauft er 2010 ebenfalls zu 70 Euro, träfe ihn die neue Strafregel: Da die Übergangsfrist am 30. Juni 2009 abgelaufen ist, fallen auf den Gewinn von 40 Euro 25 Prozent Abgeltungsteuer an. Unterm Strich blieben ihm nur noch 30 Euro.
Haben die Politiker in Berlin keine Ahnung von Zertifikaten?
Dass es so weit kommen konnte, hat nach Ansicht der Zertifikatebranche zwei Gründe: Zum einen die relativ schwache eigene Lobbyarbeit, die gegen die gestandenen Interessenvertretungen der etablierten Fonds- und Versicherungsindustrie nur schwer ankomme.
Zum anderen wird gemutmaßt, dass den Finanzexperten in Berlin die Tragweite ihres Vorschlags möglicherweise gar nicht bewusst war. "Man hat manchmal den Eindruck, als würden die sich mit Zertifikaten nicht besonders gut auskennen", so ein Frankfurter Zertifikatekenner.
Das Deutsche Derivate Institut schlägt indirekt in dieselbe Kerbe, wenn es in einer Mitteilung darauf hinweist, dass die Produktvarianten, die zur Begründung der Sonderregelung angeführt seien, "nur einen marginalen Teil des in Zertifikate investierten Volumens" repräsentierten. Deswegen jedoch das gesamte Marktsegment zu diskriminieren, schieße weit über das Ziel hinaus.
Steht ein Aktien-Crash bevor?
Kein Wunder, dass die Zertifikatelobby versucht, das Schlimmste, die Sonderbehandlung, noch zu verhindern. In Briefen an wichtige Politiker warnt etwa Siegfried Piel, Vorstandsvorsitzender des Derivate Forums, vor einem "massiven Einbruch des Aktienmarkts".
Und: "Falls das Gesetz so verabschiedet wird, erwarten wir, dass die Privatanleger durch die sechsmonatige Übergangsfrist motiviert werden, vor dem Stichtag ihre Zertifikatebestände großteils zu veräußern, um ihre Erträge steuerfrei vereinnahmen zu können."
Da sich 87 Prozent aller Derivate auf Basiswerte wie Aktienindizes, Einzelaktien oder Aktienkörbe beziehen, seien große Verluste am Aktienmarkt vorgezeichnet, warnt Piel. Noch hat die Branche nicht aufgegeben: "Ich hoffe, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist", sagt Deutsche-Bank-Experte Armbruster.
Der 14. März 2007 könnte zum wichtigen Datum werden
Wie die Börsenzeitung heute berichtet, will der Gesetzgeber – entgegen der bisherigen Formulierung – den Begriff "Alt-Zertifikate" definieren. Demnach sollen Kursgewinne aus dem Verkauf von Zertifikaten, die vor dem Kabinettsbeschluss am 14. März 2007 gekauft wurden, steuerfrei bleiben, wenn sie nach der derzeit gültigen Zwölfmonatsfrist verkauft werden.
Steuerfrei sollen auch die Gewinne aus Zertifikaten sein, die nach dem 14. März gekauft wurden und nach Ablauf der Zwölfmonatsfrist, aber vor dem Stichtag am 1. Juli 2009 veräußert werden.
Kursgewinne aus Zertifikaten unterliegen demnach nur noch der Besteuerung, wenn sie nach dem 14. März 2007 gekauft wurden und nach dem 30. Juni 2009 veräußert werden. Dennoch würden Zertifikate gegenüber Fonds weiter steuerlich benachteiligt.
Ungemach droht auch beim Zweitmarkt für Lebensversicherungen
Doch Ungemach droht nicht nur Zertifikateinhabern. Betroffen von Verschärfungsvorschlägen des Bundesrats ist auch der boomende Zweitmarkt für Lebensversicherungen.
Der Entwurf von Finanzminister Steinbrück sah vor, dass steuerpflichtige Lebensversicherungen, die nach dem 31.12.2004 abgeschlossen wurden, bei vorzeitigem Verkauf – also weniger als zwölf Jahren Laufzeit und Auszahlung vor dem 60. Lebensjahr – der Abgeltungsteuer unterliegen sollen.
Verkauf auf dem Zweitmarkt würde unattraktiver als bisher
Jetzt möchte der Bundesrat, dass auch steuerpflichtige Verträge, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, in die Neuregelung mit einbezogen werden. Dies beträfe dann Altverträge mit weniger als zwölf Jahren Laufzeit, weniger als fünf Jahren Beitragszahlung oder wo der Todesfallschutz weniger als 60 Prozent der insgesamt zu zahlenden Beiräge umfasst.
Damit würde der vorzeitige Verkauf auf dem Zweitmarkt natürlich wesentlich unattraktiver als bisher. Profitieren würden von dieser Regelung Lebensversicherer – die möglicherweise auch der Ideengeber für die Länderkammer waren. Hatte doch bei einer Expertenanhörung der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft darauf hingewiesen, dass die Einbeziehung der Altverträge Mehreinnahmen von bis zu 100 Millionen Euro bringen könne.
Exkurs: Steuerlast sinkt, Unternehmen werden mehr Gewinn ausweisen
Die Diskussionen um die Abgeltungsteuer hängen eng mit der Unternehmenssteuerreform im kommenden Jahr zusammen. Die damit verbundenen Mindereinnahmen will die Regierungskoalition durch Mehreinnahmen im Rahmen der Abgeltungsteuer zum Teil ausgleichen. Durch die Steuerreform wird die durchschnittliche Steuerquote von 38,65 auf 29,83 Prozent sinken. Die Bundesregierung will dadurch im europäischen Steuerwettbewerb Boden gutmachen. Seit 1996 fiel die Steuerbelastung in der Staatengemeinschaft von 38 auf 25,8 Prozent.
Experten gehen davon aus, dass die Reform dem deutschen Aktienmarkt einen kräftigen Schub verleihen wird. Schließlich werden die Gewinne der Unternehmen durch die geringere Steuerbelastung automatisch steigen. Den Makel, dass dahinter kein fundamental begründetes Gewinnwachstum steckt, düften die Börsianer schnell vergessen.
Vor allem Firmen, die den Hauptanteil ihrer Gewinne in Deutschland versteuern, werden von der Reform profitieren. Im DAX zählt die US-Investmentbank JP Morgan folgende Unternehmen dazu: BMW, Lufthansa, SAP, Münchener Rück, VW, Infineon, Continental, Deutsche Telekom, Allianz und Daimler.
Gewinner sind auch viele Nebenwerte wie Gerry Weber, Fielmann oder Douglas. HSBC Trinkaus & Burkhardt hat die potenziellen Profiteure in einem Basketzertifikat mit 13 Aktien aus der zweiten Reihe zusammengefasst (ISIN: DE 000 TB0 PAQ 9).
Weitere Infos:
www.ddi.de
www.derivate-forum.de
http://www.bundesfinanzministerium.de/cln_02/lang_de/nn_3790/DE/Aktuelles/046__b,templateId=raw,property=publicationFile.pdf
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BVI Bundesverband Investment und Assetmanagement e.V.: Hier finden Sie Gesetzes-Texte und gesetzliche Rahmenbedingungen rund um das Thema Investmentfonds. Mehr
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