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23.07.2010 10:58
Nachhaltigkeit gefragt, Sicherheit geht vor
YouGovPsychonomics-Studie zeigt die Herausforderung für Berater: Hoher Aufklärungsbedarf bei Anlegern zu nachhaltigen Investments
Das Thema Sicherheit steht für die Deutschen bei der Geldanlage mit weitem Abstand an erster Stelle. Für immer mehr Anleger gewinnt aber auch die Nachhaltigkeit von Anlagen an Bedeutung. Dies zeigen die Ergebnisse der aktuellen Studie "Das optimale Geldanlageprodukt" des Marktforschungsinstituts YouGovPsychonomics, für die über 1.000 Bundesbürger repräsentativ befragt wurden.

Die grundsätzliche Offenheit gegenüber nachhaltigen Produkten sei da. Es hapere auf Kundenseite aber am Vertrauen in attraktive Renditemöglichkeiten und vor allem an einer ausreichenden Grundkenntnis über nachhaltige Produkte. Dies stelle eine Herausforderung für die Berater dar, so Studienleiterin Jennifer Crynnen: "Dementsprechend viel Aufklärungsarbeit über die zum Teil höchst erfreulichen Renditeerwartungen nachhaltigen Anlageprodukts muss der Berate, aller Offenheit zum Trotz leisten, um Kunden von diesen Produkten zu überzeugen."

Mehr als drei Viertel aller Befragten nennen den Aspekt Sicherheit als entscheidend bei der Auswahl der für sie optimalen Geldanlage. Hohe Renditemöglichkeiten rangieren auf Rang zwei, sind aktuell aber nur für etwas mehr als jeden Dritten entscheidend, gefolgt von der Liquidität. Bereits für jeden fünften Befragten ist das Thema Nachhaltig eines Geldanlageprodukts entscheidend.

Noch größer fällt die grundsätzliche Bereitschaft aus, ein nachhaltiges Anlageprodukt abzuschließen. Für mehr als jeden Zweiten kommt eine derartige Anlage derzeit bereits in Frage, nur 14 Prozent schließen dies aus. "Die große Offenheit gegenüber diesen Anlageprodukten basiert allerdings lediglich auf der positiven Aufladung des Begriffs Nachhaltigkeit. Konkrete Kenntnisse über Definitionen oder Siegel zur Nachhaltigkeit bei Finanzprodukten liegen nur selten vor", kommentiert Oliver Gaedeke, Vorstand und Leiter der Finanzdienstleistungsmarktforschung der YouGovPsychonomcis.

Annähernd zwei Drittel aller Befragten geben aktuell an, keine Vorstellung davon zu haben, was unter einer nachhaltigen Geldanlage tatsächlich zu verstehen ist. Selbst zwei Drittel der vermeintlich informierte Geldanleger, konnten einen entsprechenden Wissenstest nicht bestehen.  Ein dementsprechend unbekanntes Dasein fristen aktuell bestehende, auf Nachhaltigkeit setzende Anlageprodukten wie beispielsweise der Best-in-Class-Ansatz oder der noch strengere Natur-Aktien-Index (NAI). Gleichwohl würden mehr als ein Drittel aller Befragten – nach vorheriger Erläuterung des Produkts – beispielsweise in den NAI investieren. Eine ablehnende Haltung gegenüber einem solchem Produkt fußt in erster Linie auf einer generellen Abneigung gegen Aktienbesitz, in einer zu geringen Sicherheit und dem Zweifel an der Wahrhaftigkeit der Renditeerwartungen.
Berater seien daher gut beraten, dem Kunden im Gespräch nachhaltige Anlageprodukte anzubieten, heißt es in der Auswertung der Studie. Dabei sei eine solide Vertrauensbasis zwischen Kunde und Berater entscheidend.

Positive Nachricht für die Berater: Die teils negativen Erfahrungen der Banken- und Finanzkrise haben auf Kundenseite keine nachhaltige Erosion des Vertrauens in den Berater bewirkt. 57 Prozent geben aktuell an, ihrer Bank weiterhin zu vertrauen. Von den übrigen Befragten berichten lediglich etwa ein Drittel von einem durch negative Erfahrungen gestörten Vertrauensverhältnis. Die übrigen Skeptiker begründen ihre Haltung mit einem Misstrauen allgemeiner Natur, das mit der Finanzkrise nichts zu tun hat und durch kompetente Beratung überwunden werden kann. Damit könnten sich die Berater, so Crynnen, beruhigt auf die Kompetenz ihres Beratungsgesprächs konzentrieren.

(kju)
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