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28.04.2010 15:47
Keine Zinserhöhung vor Herbst
Die Strategen der Banken geben Entwarnung: Aus unterschiedlichsten Gründen rechnen sie damit, dass die Zinsen vorerst niedrig bleiben
Wann beginnen die Notenbanken der Industrieländer damit, die Geldmenge durch Zinserhöhungen zu begrenzen?

"Bei den Leitzinsen der Euro-Zentralbanken und der US-Fed dürfte über den Sommer hinweg noch wenig passieren", meint Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarkt-Analyse bei Allianz Global Investor. "Erst zum Jahresende hin ist mit ersten Zinserhöhungen zu rechnen." Naumer rechnet allerdings damit, dass wachsende Inflationsängste und der steigende Refinanzierungsbedarf der Länder die Diskussion um die Zinsen weiter verschärft und möglicherweise zu einzelnen Aktionen führen könnte.

Sein Kollege Thomas Steinemann begründet die ausbleibenden Zinserhöhungen gerade mit der Verschuldung von Staaten und auf Privatseite. Jetzt, so argumentiert der Finanzstratege, bauten Unternehmen und Verbraucher ihre Schulden ab. Um die dadurch ausbleibende Nachfrage zu kompensieren, sähen sich die Länder gezwungen, ihre Verbindlichkeiten auszuweiten. Erst um 2014 könne die Sanierung der Staatshaushalte beginnen – dann, wenn Verbraucher und Unternehmen wieder konsumierten und investierten. "Das hält die Zinsen tiefer als vielfach angenommen", folgert Steinemann. "Ein Zinsanstiegs- und Inflationsrisiko besteht dann, wenn die Nachfrage steigt und die geschaffene Liquidität nicht angemessen durch die Zentralbanken abgeschöpft wird."

Auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat ihre Meinung, "dass die EZB die Leitzinsen bereits im laufenden Jahr anhebt", zwischenzeitlich aufgegeben: "Die Geldmarktzinsen sind entgegen unserer Erwartungen auch im März weiter zurückgegangen", schreiben die Analysten und verweisen außerdem auf die Ankündigung der EZB, die Liquiditätshilfen für Banken und Industrie erst spät in diesem Jahr abbauen zu wollen. Offensichtlich sieht die EZB die Spätfolgen der Finanzkrise für den Euro-Raum heute pessimistischer also noch zu Anfang des Jahres.

(vs)
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