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| 09.09.2009 07:05 |
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| Balkan vor neuem Boom |
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Viele Emerging Markets haben sich schon wieder kräftig erholt. Die Börsen in Südosteuropa sind dagegen noch günstig bewertet. Das könnte sich bald ändern, meint Joachim Waltl, Fondsmanager des Qimco Balkan Equity. |
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€uro fondsxpress: Herr Waltl, vor zwei Jahren konnte man als Anleger an Südosteuropas Börsen noch viel Geld verdienen. Im Zuge der Finanzmarktkrise ging es jedoch rasant nach unten. Der serbische Leitindex etwa notierte zeitweise rund 90 Prozent unter seinem Allzeit-Hoch. Auch in Zagreb und Banja Luka (Bosnien-Herzegowina) rauschten die Kurse rasant in die Tiefe. Wie erklären sich die starken Ausschläge nach oben und nach unten?
Joachim Waltl: In der Region war viel Geld konzentriert. Hohe Wachstumsraten, steigende Löhne, marktwirtschaftliche Reformen und die Aussicht auf einen EU-Beitritt der Länder hatten viele Anleger angelockt. Sie rechneten mit einer ähnlich starken Aufwärtsbewegung wie sie zuvor in Ungarn oder Polen zu beobachten war. Doch die südosteuropäischen Märkte waren und sind auch heute noch nicht liquide genug. Eine größere Order von institutionellen Investoren löst schon eine Kursbewegung aus. Zudem hatten sich 2007 einige Aktien sehr gut entwickelt. Es war klar, dass früher oder später eine Korrektur folgen musste.
Investoren flüchteten
? Die fiel dann aber heftiger aus als an vielen anderen Börsen der Welt.
Waltl: Das liegt daran, dass internationale Investoren, darunter auch österreichische Banken, sich nach der Lehman-Pleite in Rekordzeit aus dem Markt zurückzogen. Aus Serbien wurde innerhalb von vier Wochen eine Summe abgerufen, die rund zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts entspricht. Auch aus Kroatien und Bosnien-Herzegowina zogen sich institutionelle Investoren fluchtartig zurück. Sie benötigten Geld, um ihrerseits Positionen glatt zu stellen. Mit einer solch dramatischen Entwicklung hatte seinerzeit niemand gerechnet.
"Man konnte kaum verkaufen"
? Haben Sie als Reaktion auf den Absturz die Cash-Quote erhöht?
Waltl: Es war seinerzeit nur sehr schwer möglich, sich von
Aktienbeständen zu trennen. Einen Titel zu verkaufen, dauerte mehrere Tage. Das hat der Wertentwicklung des Fonds sehr geschadet. Es gab kaum Käufer.
Crash trotz guter Fundamentaldaten
? Es kam zum Crash, obwohl die Volkswirtschaften sich gut entwickelten, die Unternehmen in der ersten Jahreshälfte noch ordentliche Gewinne gemeldet hatten, nur gering verschuldet waren und eigentlich recht optimistisch in die Zukunft
blickten?
Waltl: Richtig. Allerdings hatten zum Beispiel viele Bauunternehmer von ihren Kunden bis dato kein Geld gesehen, sondern warteten noch auf die Bezahlung. Investoren war klar, dass sie bei einer Verschärfung im Laufe der Krise auf einen erheblichen Teil der Forderungen verzichten werden müssen.
Auch die Währungen schwächelten
? Wie hat sich der Investorenrückzug auf die jeweiligen Währungen ausgewirkt?
Waltl: Der serbische Dinar verlor im Verhältnis zum Euro innerhalb kurzer Zeit über 20 Prozent. Der kroatische Kunar ist dagegen an den Euro gekoppelt.
? Droht eine Abwertung?
Waltl: Völlig ausgeschlossen ist das nicht.
"Die Rezession scheint ihren Höhepunkt überschritten zu haben"
? Die Konjunkturprognosen für Südosteuropa sind düster. Die Wirtschaft in Serbien und Kroatien schrumpft 2009 voraussichtlich um fünf Prozent. Dagegen steigt die Arbeitslosigkeit, die Hauhaltsdefizite weiten sich aus, Firmen gehen Pleite. Warum beginnen Anleger sich trotzdem wieder für die Region zu interessieren?
Waltl: Die Rezession scheint ihren Höhepunkt überschritten zu haben. Auch sind viele Titel günstig bewertet. Das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis liegt bei 6,5. Anleger, die den Aufschwung der großen Emerging-Markets-Börsen wie Indien oder Brasilien verpasst haben, suchen nun nach Märkten, die noch Erholungspotenzial bieten. In Südosteuropa werden sie fündig. Die Aussicht, dass die Länder ein Kreditabkommen mit dem Internationalen Währungsfonds abschließen, reduziert zudem die Gefahr eines Rückschlags.
Balkan-Länder können weiter auf eine EU-Mitgliedschaft hoffen
? Engagiert sich auch die EU?
Waltl: Ja, sie leistet kräftige finanzielle Unterstützung. Auch einzelne Regierungen helfen. Athen zum Beispiel hat Belgrad 100 Millionen Euro geschenkt. Als Gegenleistung muss Serbien jedoch die Autobahn nach Griechenland fertigstellen.
? Können die Balkan-Staaten weiterhin auf eine EU-Mitgliedschaft hoffen?
Waltl: Ja, allerdings wird die Aufnahme wohl zwei bis drei Jahre später als geplant erfolgen.
? Steht der Balkan vor einem neuen Boom?
Waltl: Die Kurse können sehr schnell und sehr stark nach oben gehen. Gut möglich, dass es dann wieder schwierig wird einzusteigen, da niemand verkaufen will. Wir haben jedenfalls schon jetzt begonnen, defensive Positionen abzubauen.
Autor: Jörg Billina
Im Profil:
Joachim Waltl
startete seine Investmentkarriere 1996 bei der Grazer Capital Bank. Zuvor hatte Waltl die Handelsakademie in Graz besucht. In den USA machte er einen Abschluss als Chartered Financial Analyst. Nach Stationen bei Security Kapitalanlage und Tury Invest wechselte Waltl zur Hypo Alpe Adria nach Zagreb und managte von 2005 bis 2007 den Hypo South Eastern Opportunities. Seit Juli 2007 ist er für den von Advisory Invest aufgelegten Qimco Equity Balkan (ISIN: AT 0000A07HY5) verantwortlich.
Internet: www.advisoryinvest.at
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