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28.01.2009 11:16
Die Renaissance der Klassiker
Von Dr. Thomas Steinemann, Chefstratege bei Vontobel Asset Management
Nebst Aktien wiesen 2008 alle Anlageklassen, mit Ausnahme von Bargeld und Staatsobligationen, eine Minus-Performance auf. Diese ungewöhnlich hohe Korrelation der Anlageklassen ist das Ergebnis eines äusserst seltenen Ereignisses: einer Entwicklung in Richtung deflationäre Rezession. In "normalen" Rezessionen erzielen Immobilien oder Rohwaren nämlich oftmals überdurchschnittliche Renditen.


Daraus ergeben sich für 2009 folgende drei zentralen Konsequenzen:

1. Comeback der Aktie bis Jahresende 2009
In unserem Hauptszenario gehen wir davon aus, dass sich die Situation an den Finanzmärkten, trotz eines scharfen konjunkturellen Einbruchs in der ersten Jahreshälfte, allmählich wieder beruhigt. Systemische Risiken, wie wir sie im Herbst erleben mussten, stellen für das Finanzsystem vorerst keine Bedrohung mehr dar. Dies dürfte sich unter anderem in rückläufigen Geldmarkt- und Kreditspreads äussern. Eine grosse Herausforderung für die Aktienmärkte wird der anhaltende Abbau der Verschuldung (auch "Deleveraging" genannt) des privaten Sektors sowie einzelner Banken und Hedge Funds sein. Belastend dürften sich zudem die rückläufigen Unternehmensgewinne auswirken. Die Vontobel-Gruppe erwartet deshalb zunächst weiterhin volatile Aktienmärkte und startet das Jahr mit einer untergewichteten Aktienquote. Die Märkte sind angesichts der schwachen Gewinn-Entwicklung knapp fair bewertet. Dennoch dürfte das Aufwärtspotential aus einer Bewertungssicht zurzeit noch limitiert sein. Die Aktienmärkte versprechen in diesem Jahr aber insgesamt eine ansprechende Performance, da die getroffenen Massnahmen der Zentralbanken sowie die fiskalischen Konjunkturpakete an den Finanzmärkten ihre Wirkung nachhaltig zu entfalten vermögen. Entsprechend dürften Staatsanleihen zunächst noch ihre Rolle als sichere Häfen beibehalten. Im Jahresverlauf dürften sie im Zuge eines steigenden Risikoappetits allerdings zunehmend an Bedeutung verlieren.

Wie könnte der Zeitpunkt einer Trendwende zum Besseren charakterisiert sein?

Im Wissen um die Tatsache, dass kaum ein Prognostiker den Zeitpunkt exakt vorherzusagen vermag, weisen die folgenden Indikatoren auf eine Trendwende hin: die Häuserpreise stabilisieren sich, die Geld- und Kreditspreads verringern sich, Finanzaktien outperformen und die Investoren erwarten wieder höhere Gewinne.

2. Renaissance der Unternehmens- und Wandelanleihen
Unternehmensanleihen gehörten im vergangenen Jahr im direkten Vergleich mit Staatsanleihen zu den Verlierern. Die Differenz von sicheren Staatsanleihen zu Unternehmensanleihen guter Schuldnerqualität weitete sich auf ein Rekordniveau von rund sechs Prozent aus. Seit der grossen Depression der dreissiger Jahre wurden solche Werte nicht mehrt erreicht. Kehrt im Verlauf des Jahres das Investorenvertrauen zurück – und davon gehen wir aus – eröffnen sich hier attraktive Renditechancen. Ähnliches gilt für Wandelanleihen, die ebenfalls überdurchschnittlich an Wert eingebüsst haben und zurzeit deutlich unterbewertet sind, denn die in der Wandelanleihe enthaltene Optionskomponente (d.h. das Anrecht auf Bezug der zugrundeliegenden Aktien) ist teilweise kostenlos zu haben. Daraus resultiert insgesamt für die Kategorie Wandelanleihen ein sehr attraktives Rendite-/Risiko-Verhältnis.

3. Investments in Infrastruktur sind die Gewinner in 2009
Der Umfang der globalen Konjunkturpakete wächst beinahe täglich. So plant der künftige US-Präsident ein weiteres Stimulierungsprogramm im Umfang von 800 Mrd. US Dollar und die deutsche Kanzlerin hat soeben weitere 50 Mrd. Euro bereitgestellt. Der grösste Teil dieser Ausgaben soll in Infrastrukturprojekte fliessen. In den USA werden rund 50 Prozent aller Konjunkturstimulierungsausgaben in Infrastrukturprojekte investiert, in China rund 60 Prozent und in Spanien gar 70 Prozent. Besonders die Bereiche Energie und Transport sollen berücksichtigt werden. Im Energiebereich geht es in erster Linie um die Förderung alternativer Energien, im Bereich Transport unter anderem um Investitionen in Eisenbahn- und Strassenbauprojekte. Firmen, die in Infrastrukturbereichen tätig sind, dürften deshalb 2009 zu den Gewinnern gehören.


Vontobel-Gruppe
Die Vontobel-Gruppe ist eine international ausgerichtete Schweizer Privatbank, deren Grundstein bereits 1924 in Zürich gelegt wurde. Vontobel ist auf die Vermögensverwaltung für Privatkunden und institutionelle Anleger sowie das Investment Banking spezialisiert. Der Gruppe waren per Ende Juni 2008 Vermögen in Höhe von CHF 113 Mrd. anvertraut. Weltweit erbringen rund 1'300 Mitarbeitende erstklassige und massgeschneiderte Dienstleistungen für international ausgerichtete Kunden. Die Namenaktien der Vontobel Holding AG sind an der SWX Swiss Exchange kotiert. Die Familien Vontobel und die gemeinnützige Vontobel-Stiftung besitzen die Aktien- und Stimmenmehrheit.
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