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| 22.12.2008 10:16 |
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| "An der Börse gibt es nichts geschenkt" |
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Die Finanzkrise bescherte den Anlegern auch so schon Probleme en masse. Doch jetzt kommen auch noch Betrugsfälle wie bei Madoff Securities ans Licht. Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer von FondsConsult, geht mit der Finanzbranche hart ins Gericht. |
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Vergangenen Freitag platzte das wohl größte Schneeballsystem der Finanzindustrie. Die New Yorker Madoff Securities hat mit ihrer gigantischen Betrugsmaschinerie allem Anschein nach 50 Milliarden Dollar in den Sand gesetzt. Der Trick von Firmenchef Bernard Madoff: Er finanzierte die Renditen der Altanleger mit dem frischen Geld von Neukunden. Die Geldmaschine platzte erst, als klamme Investoren Einlagen in Höhe von sieben Milliarden Dollar zurückforderten.
Auch in Europa sind Anleger betroffen, etwa mit den Primeo-Fonds, die viele Jahre lang von der Bank Austria und zuletzt von der UniCredit-Tochter Pioneer Alternative Investments verwaltet wurden. Ein weiteres Produkt ist der durch die Wiener Bank Medici angebotene Herald US AR Fund.
Unsere Analysten wurden bereits vor fünf Jahren mit Primeo konfrontiert, verbunden mit der kritischen Frage, weshalb FondsConsult derartige Produkte nicht empfehle, die konstant sechs Prozent pro Jahr nach Kosten erwirtschaften. Die Ergebnisse der quantitativen Analyse brauchen wir nicht zu kommentieren. Niedrige Volas und hohe Renditen führen hier zu Top-Bewertungen – soweit das rein Quantitative.
Uns wurde das Modell mit optionsbasierten Strategien auf den S&P 500 erklärt. Verstanden haben wir es allerdings nie, denn die Performance-Charakteristik korrespondierte nicht mit dem kommunizierten Modell. Wir kennen ähnliche Ansätze, die gute Erträge erwirtschaften, aber gerade in schwierigen Börsenphasen deutlich höheren Schwankungen unterliegen.
Wie an der Schnur gezogen
"There is no free lunch", wissen Profis. An der Börse gibt es nichts geschenkt. Doch die Primeo-Strategie entwickelte sich wie an der Schnur gezogen. Von Krise – wie bei vielen Hedgefonds in letzter Zeit zu beobachten – keine Spur. Nachdem das Modell mehr als zehn Jahre auf dem Markt war, bekamen auch wir Selbstzweifel, denn Betrug hatten wir nicht unterstellt.
Jetzt ist das Geschrei groß und eine Vielzahl institutioneller Anleger betroffen – vor allem Vermögensverwalter, die die Fonds im Glauben einer sicheren Strategie in ihre Portfolios aufgenommen haben. Doch haben sie sich alle mit dem Produkt beschäftigt, haben sie geprüft, wie die Renditen erwirtschaftet wurden? Wir unterstellen das Gegenteil! Es war vielmehr ein Nachlaufen nach guter Performance. Wie schon bei den notleidenden ABS-Produkten verließ sich einer auf den anderen.
Es sind nun einige Fragen zu klären: Wann und wo hat eine Mittelverwendungskontrolle durch die Depotbanken stattgefunden? Was haben die Wirtschaftsprüfer geprüft und testiert? Und: Haben sich die Initiatoren der betroffenen Fonds mit Madoff eingehend beschäftigt – oder trifft sie eine Mitschuld? Hier sehen wir ein riesiges Haftungsthema auf die Branche zukommen.
Wir hatten unseren Kunden wegen der Intransparenz von Engagements abgeraten und sind stolz darauf, dass in 15 Jahren keine unserer Empfehlungen toxisch geworden ist. Hierfür ist große Erfahrung nötig, die mit PCs und Optimierungen nicht zu ersetzen ist. Wir sprechen nämlich von systemischen Risiken.
Rüdiger Sälzle ist Geschäftsführer der Münchner FondsConsult und leitet dort das Fonds-Research.
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Wer macht was? Porträts der Hedgefonds-Anbieter finden Sie hier
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Die aktuelle Übersicht Welche Hedge-Dachfonds und Hedgefonds-Zertifikate die Nase vorn haben, erfahren Sie hier.
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