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| 24.07.2008 11:39 |
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China überholt die USA – beim Hüftgold. Die Folgen und die Bekämpfung der Fettleibigkeit werden zu einem globalen Riesengeschäft. |
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China wird zur "schwergewichtigsten Nation der Welt"
Den Aufstieg Chinas zur wirtschaftlichen Supermacht verfolgt man in Washington mit zunehmender Sorge. Konzerne aus dem Reich der Mitte nehmen US-Firmen mehr und mehr Marktanteile ab. Zudem konkurrieren die beiden Länder um Präsenz und Einfluss in den rohstoffreichen afrikanischen Staaten.
Nun droht China, die USA von einer weiteren, lange Zeit als uneinnehmbar geltenden Vormachtstellung zu verdrängen – doch das bereitet im Weißen Haus und im Kongress niemandem Magenschmerzen. Im Gegenteil: Man wäre froh, endlich den wenig schmeichelhaften Titel "schwergewichtigste Nation der Welt" loszuwerden.
"Sollten Präventionsmaßnahmen nicht greifen, werden 2028 in China mehr Fettleibige als in den Vereinigten Staaten leben", lautet die Prognose einer Studie des Obesity Centers an der University of North Carolina.
28 Prozent der Chinesen gelten als übergewichtig
Das Institut warnt vor den Folgen der Adipositas-Krankheit. Diabetes, Krebs und Bluthochdruck könnten signifikant ansteigen. Auch die chinesischen Behörden sind alarmiert.
Sie fürchten nicht nur einen gewaltigen Anstieg der Gesundheitskosten. Das Wirtschaftswachstum als Ganzes könnte durch die Zunahme der Dicken deutlich an Dynamik verlieren.
Der Blick auf die Zahlen zeigt, wie ernst die Lage ist: 1989 galten – gemessen am Body-Mass-Index – gerade mal 6,8 Prozent der Chinesen als übergewichtig. 2006 waren schon 27,6 Prozent des 1,3-Milliarden-Volkes zu dick.
Von Reis und Gemüse zu Hamburger und Pommes
China weise damit innerhalb der Schwellenländer eine der höchsten Steigerungsraten auf, meint Studienautor Barry Popkin. Der Ernährungsforscher hat 20 000 chinesische Haushalte nach ihren Essgewohnheiten befragt. Sein Fazit: Der wachsende Wohlstand hat die Ernährungsgewohnheiten verändert.
Während früher Reis und Gemüse auf dem Speiseplan standen, erfreuen sich heute Hamburger und Pommes wachsender Beliebtheit. Popkins Appell: Chinas Machthaber müssen die Menschen zu mehr Bewegung und gesünderer Ernährung motivieren.
Olympiade soll Jugend für Sport motivieren
Die Investmentbranche wiederum verfolgt die Ausbreitung von Adipositas beziehungsweise die Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit mit wachsendem Interesse.
Credit Suisse und SAM Sustainability Asset Management erkennen langfristig vielversprechende Anlagemöglichkeiten. Die Aktien von Pharmafirmen, Anbietern biologisch angebauter Nahrungsmittel sowie Sportartikelproduzenten sollten ihrer Meinung nach profitieren.
"Wir hoffen, dass die Olympiade im August, die East Asia Games im kommenden Jahr in Hongkong und weitere sportliche Großereignisse speziell Chinas Jugend zu Leichtathletik, Turnen und Schwimmen motiviert", sagt Rainer Baumann, Fondsmanager des Fonds SAM Healthy Living.
Das dazu nötige Equipment gibt es zum Beispiel bei China Hongxing Sports. Baumann hat den Titel im Depot hoch gewichtet. "Das Unternehmen gehört mit der Marke Erke zu Chinas führenden Herstellern und Vermarktern von Laufschuhen
und Sportbekleidung", sagt Baumann.
Er ist bei dem Unternehmen, das in China einen geschätzten Marktanteil von fünf Prozent hat, eingestiegen. Gut möglich, dass die Spiele in Peking tatsächlich Chinas Dicke dazu bringt, sich Joggingschuhe, Trainingsanzug und Hanteln zu kaufen.
Verwöhnte Kinder der Ein-Kind-Politik
Experten zweifeln jedoch, ob vermehrte Aktivitäten allein genügen, um dem Problem zu Leibe zu rücken. Christiane Petersen, Leiterin von Moby Dick, einem Hamburger Gesundheitszentrum für übergewichtige Kinder, hat China mehrmals besucht.
"Verantwortlich für das Adipositas-Problem ist in erster Linie die Ein-Kind-Politik Pekings. Das Interesse der Eltern konzentriert sich voll und ganz auf den einzigen Nachkommen." Der Sprössling werde daher verwöhnt, bisweilen regelrecht gestopft.
Schließlich soll er später für seine Erzeuger sorgen können. "Die Erkenntnis, dass sie ihren Kindern durch zu viel Essen nichts Gutes tun sondern ihnen extrem schaden, wächst in China erst ganz allmählich", erklärt die Medizinerin.
"Chinas Ober- und Mittelschicht kopiert die Verhaltensmuster der Industriestaaten"
Die Fondsmanager setzen darauf, dass der Reifungsprozess schneller vorangeht. "Chinas Ober- und Mittelschicht kopiert in vielen Dingen die Verhaltensmuster in den etablierten Industriestaaten. Das sollte auch für den Trend "Gesunde Ernährung" gelten, sagt Baumann.
Einer seiner Aktienfavoriten heißt Chaoda Modern Agriculture. Das in Hongkong gelistete Unternehmen baut in Festland-China Gemüse und Obst nach westlichen Ökostandards an.
Was den Titel zusätzlich interessant macht: Chaoda Modern zählt weltweit zu den kostengünstigsten Produzenten. Auf dem Land ist das Lohnniveau im Vergleich zu Chinas Städten beziehungsweise zu Anbauregionen in anderen Ländern deutlich
niedriger. Zugleich profitiert Chaoda von der Abwanderung vieler
chinesischer Bauern in die Metropolen.
Frei werdende Ackerflächen kann das Unternehmen so äußerst günstig erwerben. Zugleich erhöht Chaoda die Exporte in hochpreisige Märkte wie etwa Japan. Dort ist das Ernährungsbewusstsein ausgeprägter als in China.
Hoffnung auf Boom für biologische Lebensmittel
Bislang lag Baumann mit seiner Kaufentscheidung richtig. Im ersten Halbjahr 2008 steigerte Chaoda Modern Agriculture den Gewinn um über 50 Prozent, der Aktienkurs legte seit Jahresanfang um 25 Prozent zu. Der Leitindex Hang Seng gab im selben Zeitraum dagegen über 20 Prozent ab.
Nun hofft Baumann, dass die Wachstumsraten für biologische Lebensmittel in China eines Tages ähnliche Dimensionen wie in Europa und den USA erreichen. Dort werden für die nächsten drei Jahre durchschnittliche jährliche Wachstumsraten von zehn bis 13 Prozent prognostiziert.
Allerdings: Sport, gesünderes Essen und möglicherweise auch gesetzliche Maßnahmen mögen helfen, das Adipositas-Problem zu entschärfen. Um die weltweit zu beobachtende Ausbreitung der Krankheit tatsächlich in den Griff zu bekommen, ist vor allem aber die Gesundheitsbranche gefordert.
Doch die von ihr bislang entwickelten Therapien erzielen noch nicht die gewünschten Ergebnisse. Das Marktvolumen der Adipositas-Medikamente liegt daher bei nur 500 Millionen Dollar. Eine Pille, die wirklich wirkt, sollte dagegen jährliche Umsätze in Milliardenhöhe einspielen.
Medikament soll Heißhunger bekämpfen
Die geeignete Arznei zu entwickeln, das versucht das US-Unternehmern Orexigen. Vereinfacht erklärt: Der sich noch in der klinischen Testphase befindliche Wirkstoff Contrave soll die Botenstoffe im Gehirn neutralisieren, die vor allem für den immer wiederkehrenden Heißhunger auf Süßes verantwortlich sind.
Erhält Contrave tatsächlich eines Tages von der US-Gesundheitsbehörde FDA das Okay, dürfte der Aktienkurs von Orexigen nach oben gehen, meint die Credit Suisse.
Auf die Pille zu warten, kann sich für extrem Fettleibige jedoch als lebensbedrohlich erweisen. Als Alternative bietet sich ein chirurgischer Eingriff an. Die dazu notwendigen medizinischen Spezialgeräte für Fettabsaugung oder Magenverkleinerung liefern unter anderem die beiden US-Unternehmen Allergan und Covidien.
Auch sie sind nach Meinung von Credit Suisse langfristig interessant. Die Tatsache, dass viele Titel unter der aktuellen Börsenkrise leiden, sollte mutige Anleger jedoch nicht abhalten, gerade jetzt einzusteigen. Umso dicker könnten später die Renditen ausfallen.
Fettleibigkeit: Der Markt ist zwei Billionen Dollar schwer
Der rasante Anstieg von Adipositas und Diabetes strapaziert die globalen Gesundheitssysteme. Allein für die USA werden die jährlichen Kosten zur Behandlung von Fettleibigkeit und ihren Folgen derzeit auf 117 Milliarden Dollar geschätzt. Von der Notwendigkeit gegenzusteuern, sollten Unternehmen aus der Pharma- und Biotechbranche profitieren. Credit Suisse sieht Chancen etwa bei Merck, Novo Nordisk, Orexigen und Astra Zeneca. Als attraktive Sportunternehmen gelten neben Nike auch Life Times Fitness und Dick‘s Sporting Goods. Zu den interessanten Werten aus dem Nahrungsmittelbereich zählt Credit Suisse unter anderem Kellogg. Das im Zusammenhang mit Adipositas mögliche weltweite Marktvolumen könnte nach Meinung der Schweizer Investmentgesellschaft bis zum Jahr 2012 auf zwei Billionen Dollar steigen.
SAM Sustainable Healthy Living: Unbekannte Perlen im Portfolio
Fondsmanager Rainer Baumann hat sein Anlageuniversum beim SAM Sustainable Healthy Living (WKN A0M2X7) in die Bereiche Ernährung, Aktivität und Wohlbefinden sowie Gesundheitspflege unterteilt. Zu bekannten westlichen Unternehmen wie Adidas mischt er Aktien von Firmen, die dabei sind, sich in ihren Ländern als bedeutende Player zu etablieren, wie etwa der chinesische Nahrungsmittelhersteller Chaoda Modern Agriculture oder China Hongxing Sports. Voraussetzung für ein Investment ist jedoch, dass die Unternehmen den Nachhaltigkeitskriterien von SAM entsprechen.
Lacuna Adamant Asia Pacific Health: Hoffen auf Kursgenesung
Die Übernahme westlicher Lebens- und Ernährungsgewohnheiten macht Chinesen und Inder krank. Fondsmanagerin Nora Frey sieht daher für den asiatischen Healthcare-Sektor gute Chancen. Sie investiert unter anderem in Shandong Weigao oder Apollo Hospitals. In den vergangenen zwölf Monaten hat der Lacuna Adamant Asia Pacific Health (WKN A0JEKR) zwar 26 Prozent verloren. Angesichts des erwarteten Marktvolumens ist er jedoch langfristig interessant.
FIVV Aktien China Select UI: Breit aufgestellt
Chinas Mittelschicht treibt die Binnennachfrage. Der von der Münchner Vermögensverwaltung FIVV betreute FIVV Aktien China Select UI (WKN A0JELL) hat den Konsumsektor hoch gewichtet. Auf den Bereich Gesundheit entfallen vier Prozent der Mittel. Der Fonds profitiert daher von der Adipositas-Problematik. Der Rest steckt in Industrie- und Versorgerunternehmen. Durch seine breite Streuung nimmt er jedoch auch Chancen in anderen Branchen wahr.
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