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| 14.12.2006 10:52 |
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| Matthew Simmons ist der Prophet der Öl-Apokalypse |
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Der US-Investmentbanker Matthew Simmons erwartet einen Ölpreis von 250 Dollar pro Barrel. Er ist sicher: Die Scheichs haben weniger Öl als behauptet. |
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Simmons prophezeit der Welt einen brutalen Ölschock
Er ist ein kleiner, etwas rundlicher Mann mit Brille, schütterem Haar und kräftigem Händedruck, und er verkündet Bedrohliches. Matthew Simmons, der sich selbst ganz jovial nur als "Matt" vorstellt, ginge auch gut als Buchhalter durch.
Dabei ist er der Mann, dessen Buch "Twilight in the Desert" seit seinem Erscheinen in den USA vor zwei Jahren für große Unruhe sorgt. Soeben ist das 480 Seiten starke Werk unter dem Titel "Wenn der Wüste das Öl ausgeht" auf Deutsch erschienen.
Simmons prophezeit darin der Welt einen brutalen Ölschock, der seiner Einschätzung nach nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen wird. Denn, so seine These: Der größte Ölproduzent der Welt, Saudi-Arabien, täuscht die Öffentlichkeit über seine Ölvorräte.
Die Ölquellen des Wüstenkönigreichs flössen nicht mehr unendlich lang, und die mantrahaft wiederholten Versicherungen der Scheichs, sie könnten bei Ausfällen anderer Produzenten problemlos einspringen, sei reiner Mythos.
Saudi-Arabien hat den Höhepunkt seiner Ölförderung erreicht
Das Gegenteil sei richtig: Saudi-Arabien könne schon jetzt seine Rekordproduktion von knapp zehn Millionen Barrel Öl pro Tag nur noch mühsam aufrechterhalten. Über seine Recherchearbeit sagt Simmons: "Das waren zwei Jahre harte Arbeit, in denen ich mehr über das Ölgeschäft gelernt habe als je zuvor."
Das will was heißen, denn der Absolvent der Harvard Business School ist schon seit über 30 Jahren mit seiner eigenen Investmentfirma Simmons & Company International darauf spezialisiert, Ölfirmen bei Investments zu beraten oder ihnen bei Übernahmen zur Seite zu stehen. Für sein Enthüllungsbuch ackerte sich der 63-Jährige durch 200 technische Studien über die Ölfelder auf der arabischen Halbinsel.
Das Ergebnis: Saudi-Arabien hat den Höhepunkt (englisch: peak) seiner Ölförderung erreicht und wohl schon überschritten. Diese Peak-Öl-Theorie ist nicht neu, aber weil die OPEC-Staaten seit 25 Jahren keine Daten über ihre Fördermengen und Reserven veröffentlichen, bisher auch nicht bewiesen. Hier liefert Simmons Informationen, die nachdenklich stimmen können.
"Wir brauchen Datensicherheit"
Er beschreibt, wie mögliche Reserven plötzlich zu nachgewiesenen mutierten und wie oft Ölexperten komplett falsch lagen. Die fehlenden Daten führten zu Vermutungen und den heißen Wetten der Hedgefonds, die den Ölpreis so rapide steigen oder drastisch fallen lassen.
"Wir brauchen Datensicherheit", fordert Simmons daher. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC müsse von den Eigentümerfirmen der großen Ölfelder Produktionsdaten verlangen.
Alternativen wie die Ausbeute von Ölsand werden seiner Meinung nach überschätzt. Tatsächlich hatte Shell angekündigt, die Erhöhung seiner Förderung aus Ölsand um 100000 Barrel pro Tag koste 3,5 Milliarden Dollar. Dann stieg die Summe auf 6,4 Milliarden Dollar, jüngst nun sogar auf 11,3 Milliarden Dollar.
Simmons grub auch Anhörungen vor dem US-Senat aus dem Jahr 1973 aus, deren Thema die saudischen Ölfelder waren. Sie gingen damals unter in der Flut von Artikeln über den Watergate-Skandal.
Obwohl die Senatsanhörungen im August 1974 veröffentlicht wurden und rückblickend ähnlich brisant wie die Abhöraktionen der amerikanischen Regierung waren, blieben die Protokolle von der Öffentlichkeit unbemerkt.
"Jeden Tropfen herausmelken und so wenig wie möglich investieren"
Der Grund: Alle Medien waren auf Richard Nixon fixiert, der damals zwei Wochen später tatsächlich seinen Rücktritt erklärte. "Das ist eine Riesentragödie", seufzt Simmons, "wir hatten den Schlüssel in der Hand und hätten daraus Konsequenzen ziehen können."
Bei diesen Anhörungen kam heraus, dass die Handvoll sogenannter Giganten- und Super-Gigantenfelder in Saudi-Arabien in unverantwortlicher Weise überstrapaziert wurden.
Fachleute wiesen schon damals darauf hin, dass ein zu starkes Hochschrauben der Förderung zu einem Druckabfall im Ölfeld und damit zu einem schnelleren Ende der möglichen Ausbeute führen werde.
Der Enthüllungsreporter Jack Anderson sagte damals unter Eid aus, er habe von Mitarbeitern der damals noch unter amerikanischer Vorherrschaft stehenden saudi-arabischen Ölgesellschaft Aramco erfahren, diese betreibe die Politik, "jeden Tropfen aus diesen Feldern herauszumelken und so wenig wie möglich dort zu investieren".
Der Gier der Manager, die wussten, dass die Verstaatlichung von Aramco geplant war, ist es laut Simmons zu verdanken, dass die Vorräte der Saudis nun schneller zur Neige gingen.
"Die Russen haben in Westsibirien das Gleiche gemacht"
Falscher Umgang mit dem schwarzen Gold ist allerdings nicht auf den Westen begrenzt: "Die Russen haben in Westsibirien gegen den Rat ihrer Fachleute das Gleiche gemacht", erzählt Simmons.
Während 1975 ein neuer Ölschacht im Schnitt noch 11000 Barrel Öl am Tag lieferte, war die Menge ein Jahrzehnt später bereits auf 3000 Barrel gesunken. Ende der 90er-Jahre förderte man nur noch 60 Barrel täglich.
Die Verdreifachung des Ölausstoßes in Westsibirien zwischen 1978 und 1988 führte danach zu einem dramatischen Einbruch: Die gesamte russische Ölproduktion sackte von 12,2 Millionen Barrel 1989 auf 7,1 Millionen Barrel sieben Jahre später ab. Ein ähnliches Schicksal prophezeit Simmons Saudi-Arabien.
"Der Ölpreis kann auf 200 oder 250 Dollar steigen"
Das ist das Beunruhigende an seinen Aussagen: Sie sind weder esoterisches Endzeitgeraune noch ein sensationsheischendes Pamphlet, das nur auf die Verkaufs-Charts abzielt.
Alles scheint sauber erarbeitet, der Autor ist ein Fachmann, der sich auf technische und physikalische Gegebenheiten beruft und manchmal fast wie ein Buchhalter Zahlen und Fakten herunterbetet. Das Ergebnis der nüchternen Bilanz aber ist gruselig.
Zwar wird der Welt nicht von heute auf morgen das Öl ausgehen. Doch wenn ein Anschlag oder politische Gründe dazu führen, dass die Nachfrage nicht mehr voll befriedigt werden kann, könnte der Schock gewaltig sein.
Denn bisher waren es immer die Saudis, die dann ihre Ölförderung um ein oder zwei Millionen Barrel pro Tag erhöht haben. Tun sie es nicht, dann, so Simmons, "kann der Ölpreis auch auf 200 oder 250 Dollar steigen".
Matthew R. Simmons: Ölprofi seit 30 Jahren
1943
Matthew R. Simmons wird in Kaysville, Utah, geboren. Nach seiner Ausbildung an der Harvard Business School eröffnet er eine Investmentfirma in Boston.
1973
Nach dem ersten Ölembargo spezialisiert sich Simmons auf Öl-Service-Firmen.
2000
Simmons arbeitet für die Energie-Task-Force von US-Vizepräsident Dick Cheney.
2006
"Wenn der Wüste das Öl ausgeht"
FinanzBuch Verlag
München
39,90 Euro
Energie-Fonds*
Fonds: Performance seit 1.1.2006 (in %)
1. Dexia Eq.L Europe Energy Sec C: 23,7
2. FORTIS Equity Energy Europe C: 14,8
3. CI Energy Stock VT: 12,9
4. CS EF Global Energy: 8,7
5. Balzac Energy Index: 7,1
6. DJ Stoxx 600 Oil & Gas EX: 5,9
7. streetTRACKS MSCI Eur.Energy: 5,1
8. Robeco Energy EUR D: 4,7
9. dit-Energiefonds: 4,4
10. ABN Energy Fund: 3,7
11. AEF Global Energy Equities: 3,5
12. Swisscanto E.F. Energy: 3,1
13. Invesco Energy A: 1,0
14. Merrill L. Wld Energy A2 USD: -1,2
15. RAPTOR Peak Oil Fund B: -1,7
16. DWS-Energiefonds: -2,0
17. Investec Gl Energy A Acc net $: -8,1
Quelle: *FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 08.12.2006.
Weitere Infos: www.simmonsco-intl.com
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