2013-04-12 16:32

„Ich würde den Maastricht-Vertrag erneut unterschreiben“

Dr. Theo Waigel sprach beim Roundtable von €uro Advisor Services über den Euro, die Krise und mögliche Auswege. Volkswirt Dr. Martin Hüfner leitete im Anschluss eine Diskussionsrunde mit Experten und warf die Frage auf, ob die Halbzeit der Eurokrise erreicht sei.

Mit Dr. Theo Waigel, Bundesfinanzminister a.D. und ehemaliger Vorsitzender der CSU, konnte €uro Advisor Services einen prominenten Redner für den „€uro-Roundtable in der Münchner BMW Welt gewinnen. Ausführlich erzählte er über die Anfänge des Euro und strafte Kritiker Lügen, die behaupten, die gemeinsame Währung sei der Preis der Wiedervereinigung: „Ich war dabei, die Historiker nicht.“ Den Vertrag von Maastricht hält Waigel nach wie vor für richtig und wichtig. „Ich würde ihn jederzeit wieder unterschreiben“, sagt er. „Allerdings würde ich die Stabilitätskriterien verschärfen.“ Launig plauderte Waigel auch aus dem Nähkästchen, erzählte von Gesprächen mit europäischen Finanzministern und Wirtschaftsführern.

Dr. Theo Waigel erzählt dem gespannten Publikum aus seiner Zeit als Finanzminister

Das Vertrauen der Menschen in Europa und die Motivation, es weiter zu gestalten, könne heute nicht mehr mit denselben pathetischen Argumenten gewonnen werden, wie es vor 30 Jahren möglich war. „Aber nur die ökonomischen Vorteile hervorzuheben, reicht auch nicht mehr“ weiß Waigel. Insbesondere die junge Generation Europas müsse jetzt ins Boot geholt werden, denn sie gestalte die Zukunft des Kontinents. An ihr vorbei könne kein neues Vertrauen gewonnen und die Krise nicht beendet werden.

Star-Redner Waigel: "Die junge Generation Europas muss mit ins Boot geholt werden."

Volkswirte diskutieren über Eurokrise

Im Anschluss an die Rede Waigels für mehr Europa, moderierte Volkswirt Dr. Martin Hüfner eine Diskussionsrunde mit ausgewählten Experten über den Euro. Hartwig Kos von Barings, Reinhold Knaus von BNP Paribas, Léon Cornelissen von Robeco und Gerit Heinz von UBS nahmen zum Thema „Halbzeit in der Eurokrise?“ Stellung. Es entstand eine muntere Diskussion, die unterschiedliche Ansichten zu Tage brachte. Während Cornelissen der Zukunft der Gemeinschaftswährung eher skeptisch gegenübersteht, glaubt Knaus, dass die Halbzeit in der Krise erreicht sei. Für Kos befindet sich Europa im dritten Akt einer dreiteiligen Operette. Der erste Akt war die Einführung der Währung, der zweite Akt der Krisenbeginn und der dritte Akt nun die Beendigung der Krise. „Ich fürchte, der dritte Akt wird am längsten dauern“, sagt Kos.

Gerit Heinz, Léon Cornelissen, Dr. Martin Hüfner, Reinhold Knaus und Hartwig Kos (von links)

UBS-Mann Gerit Heinz glaubt, dass Italien im Gegensatz zu den anderen „Krisenstaaten“ einen theoretischen Vorteil auf der Exportseite aus einem Euroaustritt ziehen könnte, da es eine starke Wirtschaft und exportfähige Güter habe und damit von einer Abwertung profitieren könne. „Und im Gegensatz zur hohen Staatsverschuldung sind die privaten Haushalte kaum verschuldet.“ Mit Blick auf die unterschiedliche Lohnstückkostenentwicklung der Euro-Länder fügte er hinzu: „Die Arbeitskosten in Italien sind von ihren relativ hohen Niveaus noch nicht spürbar heruntergekommen“. Länder wie die Niederlande oder Deutschland hätten hier einen Vorteil, mit Blick auf die Preise ihrer im globalen Wettbewerb stehenden Export-Unternehmen.

Beim anschließenden Flying Buffet nutzten die Gäste die Gelegenheit, mit den Experten Meinungen auszutauschen. Aufgrund des überaus positiven Feedback plant €uro Advisor Services im Herbst dieses Jahres eventuell einen zweiten Round-Table zu veranstalten.

Intensiver Meinungsaustausch unter Experten

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