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11.08.2017 | 07:59

Swisscanto: Rigorose Schuldnerselektion ist entscheidend

Roland Hausheer ist als Senior Portfolio Manager auf Hochzinsanleihen spezialisiert und beispielsweise mitverantwortlich für den Swisscanto (LU) Bond Fund Secured High Yield und den Swisscanto (LU) Bond Fund Short Term Global High Yield. Er stellte sich drei kritischen Fragen zu seinem Fachgebiet.

(Foto: Roland Hausheer, Senior Portfolio Manager High Yield, Swisscanto Invest)

Besteht die Gefahr, dass sich bei den tiefen Zinsen mehr und mehr schlechte High Yield-Emittenten am Markt finanzieren?

Roland Hausheer: Grundsätzlich sind die tiefen Zinsen natürlich für alle High Yield-Unternehmen ein Vorteil, den sie zu nutzen wissen. Das zeigt die rege Refinanzierungsaktivität während der vergangenen Jahre. Rund 65 Prozent der Neuemissionen sind Refinanzierungen bestehender Schulden. Das vorrangige Ziel der Unternehmen ist es, die Zinskosten zu senken und gleichzeitig die Laufzeit zu verlängern. Beides ist natürlich aus der Perspektive des Schuldners sinnvoll. Aus meiner Perspektive - also aus der Sicht des Portfolio Managers und Gläubigers - stellt diese Entwicklung eine Herausforderung dar, da die Erträge der High Yield-Instrumente aufgrund der tieferen Kuponzahlungen erodieren. Uns hilft in dieser Situation, dass wir globale High Yield-Strategien verwalten und so auf Hochzinsanleihen außerhalb Europas ausweichen können, die ein attraktiveres Zinsniveau aufweisen.

Ist zu befürchten, dass bei der nächsten Krise die High-Yield-Performancevorsprünge der letzten Jahre wieder verloren gehen?

Roland Hausheer: Vieles deutet darauf hin, dass wir in Zukunft mit höheren Zinsen - oder besser ausgedrückt - mit einem normalisierten Zinsniveau leben müssen, weil die Zentralbanken den Abschied von der ultraexpansiven Geldpolitik der jüngeren Vergangenheit planen beziehungsweise bereits in Angriff genommen haben. Solange dies im Einklang mit einem expandierenden Wirtschaftsumfeld geschieht, besteht für High Yield-Unternehmen keine Gefahr. Kritisch wird es, wenn das Wachstum ausbleibt. In einer Rezession würden die Ausfallraten von High Yield-Unternehmen sprunghaft ansteigen. Eine rigorose Schuldnerselektion und eine vernünftige Diversifikation sind entscheidend, um solche negativen Marktphasen unbeschadet durchzustehen. Eine Rezession bedeutet aber auch immer eine Chance: Einerseits wird das System quasi von den schlechten Unternehmen gereinigt. Und es bieten sich Gelegenheiten, zu attraktiven Konditionen in gute, gesunde Unternehmen zu investieren. Die Erholung im High Yield-Markt setzt am Ende einer Rezession jeweils recht schnell ein. Die in der Krise erlittenen Verluste können dann schnell überkompensiert werden.

2016 hat gezeigt, dass High Yield stark im Sog des Energiesektors steht. Ist das nicht problematisch?

Roland Hausheer: Der Energiesektor ist mit einem Anteil von 14 Prozent am globalen High Yield-Universum der mit Abstand größte Industriesektor und damit rund ein Drittel größer als der zweitgrößte High Yield-Sektor. Somit beeinflusst der Energiesektor die Entwicklung des High Yield-Markts tatsächlich ganz entscheidend. Die US-Energieunternehmen haben seit dem Ölpreis-Crash im Jahr 2014 jedoch erstaunliche Effizienzsteigerungen erzielt und ihre Break-Even-Kosten von $80 auf circa $45 pro Barrel gesenkt. Als Folge davon reagieren ihre High Yield-Anleihen heute deutlich weniger empfindlich auf tiefere Ölpreise. Um das hohe Gewicht des Energiesektors am globalen High Yield-Universum einzuschränken, verwenden wir in unseren Fonds eine "Customized Benchmark", die europäischen High Yield-Unternehmen zulasten von US-Unternehmen ein größeres Gewicht einräumt. Der Energiesektor beträgt in unserem Universum zehn Prozent - gegenüber 14 Prozent im globalen High Yield-Index. Damit gewährleisten wir eine ausgewogenere Zusammensetzung der Industriesektoren und die Durchschlagskraft des Energiesektors auf die Fondsperformance wird gebremst.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hausheer.

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