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20.09.2017 | 12:59

Robeco: Finanzmärkte treten in ein neues Stadium ein

In unserem neuen 5-Jahres-Ausblick prognostizieren wir, dass riskantere Anlagegattungen künftig weniger Ertrag abwerfen, während die Finanzmärkte in ein neues Stadium eintreten.


(Foto: Lukas Daalder, Chief Investment Officer )


In unserer Publikation „Expected Returns 2018 - 2022" prognostizieren wir, dass Aktien aus entwickelten Ländern im Schnitt einen Ertrag von 5 % p. a. abwerfen werden. In der vorherigen Ausgabe waren wir für den Zeitraum von 2017 - 2021 noch von 6,5 % ausgegangen. Ebenfalls gesenkt haben wir unsere Erwartungen für die Börsen der Schwellenländer. Dort rechnen wir nun mit einem durchschnittlichen jährlichen Ertrag von 6,25 % (zuvor 7,25 %).

Dies spiegelt sich in einer weniger skeptischen Einschätzung von Staatsanleihen wider. So erwarten wir für die kommenden fünf Jahre, dass 10-jährige deutsche Bundesanleihen im Schnitt eine Wertentwicklung von -2,5 % p.a. erzielen. Bisher hatten wir einen stärkeren Wertrückgang von -3,5 % p.a. prognostiziert. Während Anleihen mit AAA-Bonitätsrating an relativer Attraktivität gewinnen, wird unseres Erachtens für das Segment unterhalb Investmentgrade das Gegenteil der Fall sein: so rechnen wir für Hochzinsanleihen in den kommenden fünf Jahren nur noch mit einem deutlich verringerten Ertrag von 0,25 % p. a statt bislang 1,0 % p. a.

Nicht geändert hat sich unsere Einschätzung alternativer Anlageklassen. Rohstoffe sollten in der Prognoseperiode durchschnittlich 2,75 % p.a. an Wert zulegen. Bei indirekten Immobilienanlagen erwarten wir jedoch einen leicht verringerten Ertrag von 4,25 % p. a. gegenüber zuvor 5,0 %. Für Geldmarktanlagen – die Vergleichsgröße, an der sich alle übrigen Anlageerträge messen – gehen wir von einer Rendite von 0,5 % p. a. aus.

„Betrachtet man die unterschiedlichen Trends, die nach unserer Erwartung das Finanzmarktgeschehen in den kommenden fünf Jahren bestimmen werden, scheinen die Märkte in ein neues Stadium einzutreten“, sagt Lukas Daalder, Chief Investment Officer von Robeco Investment Solutions und Mitverfasser von Expected Returns.

„Damit ist nicht gemeint, dass die Finanzmärkte nun ihre Entwicklung vollenden, sondern lediglich die nächste Phase in einer permanenten Evolution erreichen. So waren in den letzten Jahren und Jahrzehnten zahlreiche Entwicklungen zu beobachten, die nun an der Schwelle zu einem neuen Stadium stehen. Dies kann in Zukunft erhebliche Konsequenzen für die Finanzmärkte haben.“



Quelle: Robeco

Wird die Straffung der Geldpolitik nur geringe Auswirkungen haben?

Daalder ist der Ansicht, dass der entscheidende Faktor wahrscheinlich der Beginn der quantitativen Straffung der Geldpolitik durch die Notenbanken sein wird. „Die Anreizprogramme, die vor einem Jahrzehnt als Reaktion auf die globale Finanzkrise und die anschließende Rezession aufgelegt worden waren, mündeten in eine noch nie dagewesene Ära historisch niedriger (und sogar negativer) Zinsen sowie Anleihenkäufe seitens der Notenbanken in einem Volumen von 7,2 Billionen US-Dollar“, sagt er. „Die Frage ist, wie die Finanzmärkte reagieren, wenn die Notenbanken damit beginnen, diese Entwicklung umzukehren.“

„Unter dem Strich haben wir unsere Ertragserwartungen für die meisten Anlagen gesenkt und gehen von verstärkten Kursschwankungen in der Zukunft aus. Das mag negativer klingen, als es ist: tatsächlich werden die gewichteten Renditen eines gut diversifizierten Portfolios nur geringfügig nachgeben.“

Was die allgemeine Wirtschaftsentwicklung betrifft, geht unser Ausblick im Basisszenario weiterhin von einer Fortsetzung der Konjunkturerholung aus. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass die Weltwirtschaft irgendwann in den nächsten fünf Jahren eine milde Rezession durchlaufen wird. Größere Änderungen erfolgten im Hinblick auf die beiden anderen, weniger wahrscheinlichen Szenarien, nämlich einer Stagnation oder eines überraschend starken Wachstums.

„Ausgehend von der Erwartung, dass sich die Geldpolitik schrittweise normalisiert (Wahrscheinlichkeit: 60 %), ist die Wahrscheinlichkeit einer länger anhaltenden Stagnation von 30 % auf 20 % gesenkt worden“, erklärt Daalder. „Umgekehrt ist die Wahrscheinlichkeit für ein Szenario eines starken Wachstumsbooms, der von erhöhter Verschuldung getrieben wird und anschließend abrupt endet, von 10 % auf 20 % angehoben worden.“

Dieses Jahr stellen wir fünf Sonderthemen vor – gegenüber drei in der letzten Ausgabe – die sich aus dem Eintreten der Finanzmärkte in ein neues Stadium ergeben. In „Säkulare Stagnation– ein unbegründetes Szenario" legen unsere Experten dar, dass ein solches Szenario niedrigen Wachstums nach wie vor unwahrscheinlich ist. Stattdessen kehren wir schrittweise zur Normalität zurück. Dementsprechend lautet das Thema unseres zweiten Sonderbeitrags „Die Anleger nehmen Risiken nicht zu leicht" .
„Die Zukunft des Euro: Integration oder Auseinanderbrechen?" geht der Frage nach, ob die Gemeinschaftswährung, die 2017 das 18. Jahr ihres Bestehens vollendet, tatsächlich erwachsen wird. Im Hinblick auf andere Anlageklassen vertreten wir die Ansicht, dass sich Aktien und Anleihen nicht so stark unterscheiden, wie man meinen mag, und erläutern dies in „Anleihen sind von der Venus, Aktien ebenfalls." Abschließend erörtern unsere Spezialisten angesichts anhaltender Beliebtheit passiver Investments die „Fallstricke bei einer passiven Anlage in einer globalen Multi-Asset-Benchmark".

Weitere Informationen sowie den vollständigen Bericht finden Sie hier.

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