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06.10.2015 | 11:32

Pictet: "Geringere Renditen werden Investoren zwingen, höheres Risiko zu akzeptieren"

So der Chefstratege bei Pictet Wealth Management, Christophe Donay. Für die nächsten zehn Jahre rechnet er im langjährigen Vergleich auf Basis der gegenwärtigen Trends mit eher niedrigen Erträgen aus den wichtigsten Anlagekategorien. Ein Innovationsschock könnte das jedoch radikal ändern.

In dieser Ausgabe von Horizonte erläutern wir unsere aktuellen Berechnungen der Erträge, die wir in den kommenden zehn Jahren bei grossen Anklagekategorien erwarten. Der von uns dabei angewandten, einzigartigen Methode liegt unsere Erkenntnis zugrunde, dass die Erträge auf lange Sicht vornehmlich vom realen BIP-Wachstum und der Inflation bestimmt werden.

Unter Annahme einer allmählichen Normalisierung des Wirtschaftswachstums erscheinen die erwarteten Erträge bei nahezu allen Anlagekategorien im langjährigen Vergleich enttäuschend. Für US-Aktien etwaprognostizieren wir Erträge von im Schnitt nominal 6,0% p.a. in den nächsten zehn Jahren, während der Durchschnitt der Jahre 1871-2015 bei 8,9% liegt. Anleger stehen damit vor der Herausforderung, angesichts einer auf lange Sicht zu erwartenden Normalisierung der Zinsen auch künftig noch akzeptable Erträge zu generieren: Die Zeiten der risikolosen Gewinne sind vorbei.

Hinter den niedrigeren erwarteten Erträgen verbirgt sich nicht zuletzt auch ein verhaltener Ausblick für das Wirtschaftswachstum. Einige Ökonomen sagen für die Industrieländer gar eine Phase mit „säkularer Stagnation“ voraus. Eine Sichtweise, der wir uns nicht anschliessen. Unter anderem deshalb, weil sie bei ihrer Analyse den zyklischen Faktoren nicht die Bedeutung zumessen, die ihnen als Wachstumsbremse nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 zukommt. In unserem Sekundärszenario gehenwir daher von einer allmählichen Normalisierung des Wirtschaftswachstums aus. Darüber hinaus sehen wir jedoch vermehrt Anzeichen für einen radikalen Innovationsschock, der die Produktivität und damit das Wirtschaftswachstum beflügeln könnte. Das ist unser Basisszenario.

Gegenwärtig baut sich gerade im Silicon Valley eine Innovationswelle auf, die schon bald eine umwälzende Transformation in der gesamten Wirtschaft in Gang setzen könnte. Das Internet der Dinge ist hierfür das beste Beispiel. Was aber bedeutet das für Anleger? Bei einem radikalen Innovationsschock erhielten die erwarteten Erträge spürbaren Rückenwind, allen voran im Bereich der Aktien. Die Renditen von US-Aktien würden auf 10,3% klettern. Darüber hinaus könnten Anleger ihre Anlagestrategien an derS-Kurve des Innovationszyklus ausrichten.

Wir sehen hier durchaus Parallelen zu den 1990er Jahren. Damals liess das Aufkommen neuer Computer- und Kommunikationstechnologien das reale BIP-Wachstum in den USA auf 3,5% und damit weit über die langjährigeGleichgewichtswachstumsrate des Landes von 2,5% hinaus hochschnellen. Tatsächlich könnten wir uns bereits mitten in der Anfangsphase des Innovationszyklus befinden, vergleichbar mit den Jahren 1990-95. In einem solchen Umfeld könnten sich gezielte Anlagen in Unternehmen, die stark in den aktuellen Innovationen engagiert sind, lohnen.

Auch in der Beschleunigungsphase könnte ein solcher Ansatz sinnvoll sein. Denken wir nur an die Jahre 1996-2000. Mit zunehmendem Wettbewerb steht den „Innovatoren der ersten Stunde“ jedoch eine brutale natürliche Darwin‘sche Auslese bevor. Hierzu ein Beispiel aus den 1990er Jahren mit zwei börsennotiertenUnternehmen: Amazon und Sycamore (Ausrüstungen für Glasfasernetzwerke). Amazons Erfolgsgeschichte ist bestens bekannt. Sycamores Marktkapitalisierung belief sich Ende der 1990er Jahre auf 20 Mrd. USD. Sein Quartalsgewinn indes summierte sich auf gerade einmal 14 Mio. USD. Anders als Amazon verschwand das Unternehmen nach dem Technologiecrash sang- und klanglos von der Bildfläche. In der Beschleunigungsphase könnte auch eine Anlage in technologielastige Indizes wie dem NasdaqErfolg versprechen.

In der Reifephase markieren die Aktienindizes nicht selten Übertreibungsniveaus oder bilden sogar Blasen aus. Damit steigt die Gefahr eines Crashs oder zumindest einer drastischen Korrektur wie 2001-2002, als die Dotcom- Blase platzte. Defensivere Strategien könnten in dieser Phase eine Umschichtung aus innovationssensitiven Aktien in Substanzwerte beinhalten.

Wann genau es zu einem Innovationsschock kommen wird, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Uns ermutigt jedoch der Umstand, dass in der Wirtschaftsgeschichte tendenziell auf negative Schocks positive folgten. Wir glauben daher, dass Innovationen das Wirtschaftswachstum erneut auf eine höhereStufe heben werden.

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