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14.03.2017 | 08:43

ODDO BHF AM: Aktuell heiter – ziehen bald Wolken auf?

Das Konjunkturumfeld präsentiert sich hinreichend freundlich und erlaubt auf Anlageseite durchaus Risikofreude. Dementsprechend sehen wir uns mit unserer Übergewichtung in Aktien und untergewichteter Duration gut aufgestellt für ein sich weiter stabilisierendes globales Wachstum und ein Abebben der vorherrschenden Deflationsangst.

Was könnte die jüngste Rally bei risikoreichen Anlagewerten aus dem Tritt bringen?

Politische Risiken in Europa: Ein Sieg Le Pens in Frankreich ist – trotz geringer Chancen – nicht völlig auszuschließen. Er würde den (ohnehin schwachen) politischen Zusammenhalt Europas untergraben und die Risikoprämien von in Euro denominierten Anlagewerten steigen lassen. Ein Sieg Macrons hingegen wäre ein Signal für ein sinkendes politisches Risiko in Europa, da sich die Staatsführungen Frankreichs und Deutschlands für die Europäische Union und die Gemeinschaftswährung stark machen würden. Bis diesbezüglich mehr Klarheit herrscht, sind wir in französischen Staatspapieren und Finanzwerten untergewichtet.

Politische Risiken in den USA: Trump hat viele Versprechungen gemacht und bislang wenige davon eingelöst. Dies gilt insbesondere für die Neuordnung des Gesundheitssystems, den Infrastrukturausbau und Steuersenkungen. Die Wirtschaft erhält jedoch Rückenwind, und den Republikanern dürfte es gelingen, Geschäftsklima und Verbrauchervertrauen zu stärken. Die Gefahr protektionistischer Maßnahmen ist weiterhin gegeben, aber Trump dürfte sich konventioneller verhalten als befürchtet. Fehlender organisatorischer und politischer Zusammenhalt ist kurzfristig ein klarer Risikofaktor.

Weltwirtschaft: Was die Reflation betrifft, so stellen sich mindestens zwei Fragen. Verfügen die Unternehmen über ausreichend Preissetzungsmacht, um ihre Margen angesichts steigender Erzeugerpreise aufrechtzuerhalten? Wird das Risiko einer spürbaren Abschwächung des privaten Konsums aufgrund steigender Inflation unterschätzt? Allerdings zeigen sich die Fundamentaldaten für die private Nachfrage weiterhin dynamisch. Die Kerninflation liegt auf recht stabilem Niveau. Die Beschleunigung der Investitionen in Produktionsanlagen nimmt langsam Fahrt auf und unterstützt das Wachstum.

Die US-Notenbank: Auf eine Straffung der US-Geldpolitik folgt häufig eine Aktienmarktkorrektur, insbesondere wenn Anleger befürchten, die Notenbank reagiere zu zaghaft. Dies könnte der Fall sein, sollten die Löhne wirklich anfangen anzuziehen. Noch ist es verfrüht für Sorgen, die geldpolitische Straffung in den USA bzw. steigende Anleiherenditen könnten das Wirtschaftswachstum dämpfen. Die Geldpolitik ist weiterhin unterstützend und die US-Notenbank wird mit gebotener Vorsicht vorgehen.

Wachstum in China: Die Märkte haben die kurzfristigen Risiken aus der Verschuldung Chinas häufig überschätzt. Gleichwohl dürften im Immobilien- und Schwerindustriebereich in den nächsten Monaten Kreditverlängerungen anstehen. Selbst wenn es keinen Wachstumseinbruch geben wird, ist doch mit gewisser Volatilität und Unsicherheit zu rechnen, wenn die wirtschaftliche Dynamik nachlässt.

Insgesamt sind wir jedoch trotz der vorgenannten Risiken weiter positiv gestimmt



Szenarios für 2017

Unsere aktuellen Überzeugungen nach Anlageklassen – Kernszenario



Unsere Anlageportfolios



Portfoliopositionierung

  • Im Vergleich zu Ende Januar haben wir unsere Aktienquote insgesamt reduziert. Dahinter standen eher technische Gründe und weniger ein Strategiewechsel. So haben wir mit Blick auf Trumps Rede zur Lage der Nation und die damit verbundenen Risiken unsere Anlagen in den Schwellenländern verkauft. Zudem war dies nach einer ordentlichen Rally die Gelegenheit, Gewinne mitzunehmen.

  • Auf Aktienseite stellen die USA weiterhin einen beachtlichen Portfolioanteil. Der US-Markt erhält aktuell kräftigen Schub auf der Gewinnseite. Auch der Finanzsektor zeigt sich hier im Vergleich zum Euroraum robuster. In globaler Sicht verzeichnen unsere Aktienportfolios weiterhin verlässliche Gewinne, insbesondere im (zyklischen) Technologie- und im (defensiven) Gesundheitssektor. In Energie- und Rohstoffwerten bleiben wir untergewichtet, da der nachlassende Erholungstrend bei den Rohstoffpreisen diesen zusetzen könnte. Eine weitere Untergewichtung besteht im Industriesektor. Hier ist bereits zu viel Wachstumsoptimismus eingepreist. Darüber hinaus geben wir sowohl in Europa als auch in den USA weiterhin Unternehmen kleiner und mittlerer Kapitalisierung den Vorzug.

  • Am Rentenmarkt sind wir noch stärker taktisch positioniert mit dem Ziel, unsere Durationsposition zu optimieren. So halten wir deutliche Long- Positionen in Hochzinsanleihen aus den USA und Europa und in auf Hartwährung lautenden Schwellenländeranleihen. Da unsere globalen volkswirtschaftlichen Analysen für höhere Renditen sprechen, vermeiden wir eine deutliche Erhöhung der Duration durch Long-Positionen in Staatsanleihen europäischer Kernländer. Stattdessen werden wir unser Kreditrisiko über Deckungseinkäufe (mittels Futures) absichern, wenn uns dies geboten scheint.

  • Über den gesamten Monatsverlauf hielten wir an der Long-Position im USD fest. Diese war jedoch im Umfang begrenzt, da die künftige Entwicklung der Währung überaus ungewiss ist. Einerseits halten viele Volkswirte und Kommentatoren den Euro gegenüber dem USD für unterbewertet und, sofern keine Partei des rechten oder linken Rands die französischen Wahlen gewinnt, könnte sich der Abstand in den nächsten Monaten verringern. Zudem scheint uns, dass die neue US-Regierung eine Abwertung des Greenback begrüßen würde. Andererseits begünstigen Carry-Trade-Strategien weiterhin den USD und könnten dies auch weiter tun, es sei denn, die EZB würde auf einen weniger unterstützenden Kurs als angenommen einschwenken.


Den vollständigen Bericht finden Sie hier als PDF.

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