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21.02.2017 | 11:15

Kames Capital: James Lynch sieht an den Festzinsmärkten zwei attraktive Alpha-Chancen

James Lynch, Co-Manager des Kames Absolute Return Bond Constrained Fund, erklärt, dass sich das Augenmerk des Investmentteams in den letzten Wochen vor allem auf zwei Alpha-Chancen richtet.

James Lynch, der den Fonds zusammen mit Euan McNeil verwaltet, erläutert, dass sich angesichts des potenziellen Anstiegs der Inflation in den USA die Möglichkeit ergeben hat, den Fokus auf inflationsgeschützte US-Schatzanleihen zu richten. Festzinsanleger in Europa können die unterschiedlichen Aussichten für Frankreich und Italien ausschöpfen.

Nachfolgend legt Lynch dar, weshalb vor allem diese beiden Möglichkeiten derzeit besonders attraktiv sind.

Short Italien vs. Long Frankreich

"Italien steht nach unserer Einschätzung kurz- und langfristig vor großen Schwierigkeiten. Und die Fundamentaldaten in Italien scheinen sich auf kurze Sicht einzutrüben. Das jüngste Referendum wurde abgeschmettert, was die Durchführung dringend benötigter Reformen für das Land erschwert. Das wiederum bedeutet, dass Anleger, die dem italienischen Staat Geld leihen, eine höhere Rendite fordern werden und die Verschuldung weiterwächst.

Zudem könnte die Bonität des Landes von den Ratingagenturen herabgestuft werden. Wenn italienische Anleihen im Finanzsystem als Sicherheit verwendet werden, müsste der Sicherungsnehmer italienischer Anleihen folglich einen höheren Abschlag anwenden.

Ganz anders ist die Situation in Frankreich. Die politischen Probleme dort werden entweder gravierend sein oder verschwinden, je nachdem, wer zum Staatspräsidenten gewählt wird. Ein Wahlsieg von Emmanuel Macron oder François Fillon wird im Ausland als Fortsetzung des Status quo ausgelegt werden, während die Möglichkeit von Reformen sich zumindest gegenüber anderen europäischen Anleihemärkten positiv auf französische Anleihen auswirken würde.

Ein Sieg von Marine Le Pen ist hingegen auf jeder Ebene ein großes Risiko für den Status quo, angefangen von der Einwanderungs- und Verteidigungs- bis hin zur Außen- und Wirtschaftspolitik. Am meisten beschäftigt die Märkte jedoch ihr Wille, in Frankreich den Euro abzuschaffen.

Sollte dieses Szenario eintreten, könnten die durch den Brexit kürzlich verursachten Turbulenzen dagegen völlig harmlos erscheinen. Außerdem könnte es die Angst der Anleger vor einem vollständigen Zusammenbruch der EU schüren.

Sollte der Markt eine höhere Wahrscheinlichkeit eines derartigen Ausgangs einpreisen, dürfte dies für Italien aufgrund der aktuellen Schwäche weitaus schlimmer sein als für Frankreich. Die Schuldendynamik in Italien ist weitaus schlechter als in Frankreich. Im Falle eines Zusammenbruchs der EU würde der Markt nach den schwächsten Gliedern im System suchen, also den Peripheriestaaten und damit auch Italien, die und sich darauf konzentrieren.

Unabhängig davon, welches Szenario eintritt, halten wir es daher für wahrscheinlicher, dass Frankreich Italien übertreffen kann. Im Mittelpunkt steht für uns dabei das 10-jährige Marktsegment.“

Long bei inflationsindexierten Anleihen des US-Schatzamtes (TIPS) aufgrund von Breakeven-Erwartungen

"TIPS sind direkt an das Ausmaß des Inflationsanstiegs oder -rückgangs in den USA gekoppelt. Je stärker die Inflation steigt, desto wertvoller werden TIPS. Bei nominalen US-Schatzanleihen ist der Ertrag demgegenüber fest und kann von der Inflation aufgezehrt werden.

Das Problem bei nominalen Schatzanleihen sind Inflation und Wachstum. Wir erwarten, dass die aktuelle Inflationsrate in den USA in den nächsten Monaten steigen wird. Obwohl wir nicht wissen wie stark, scheint eine Inflationsrate von 2,5% plausibel.

Daher haben wir vor Kurzem eine 5-jährige inflationsgeschützte Anleihe Long gegenüber 5-jährigen US-Treasuries Short bei einem Breakeven von 1,98% gekauft. Wenn die Inflation über fünf Jahre exakt 1,98% beträgt, erreichen wir den Breakeven. Wenn der Markt jedoch zu einem bestimmten Zeitpunkt höhere Inflationserwartungen einpreist, können wir auf der Basis von diesem Spread Geld verdienen.

Selbst wenn man die volatilsten Inflationselemente beiseitelässt und sich nur auf die Kernzahlen konzentriert, ergibt sich eine Inflationsrate von 2,2%. Und selbst das liegt über der aktuellen Breakeven-Rate von fünfjährigen Anleihen.

Selbstverständlich könnte sich herausstellen, dass Trump mit seiner Politik die Inflation noch anheizt, wenn er die Infrastrukturausgaben erhöht oder Importzölle einführt. Am Markt sind diese Risiken bislang nicht eingepreist. Daher könnten die Inflationserwartungen noch mehr steigen, falls diese politischen Maßnahmen umgesetzt werden.“

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