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23.02.2017 | 12:51

Kames Capital: Die Schwäche der Fed spricht gegen den Anstieg der Zinsen in den USA

Die US-Notenbank Fed verfügt wohl nicht über ausreichende Mittel, um auf eine Abkühlung des BIP-Wachstums in den USA zu reagieren. Anleger sollten daher ihre Erwartungen auf Zinserhöhungen an diesem Punkt des Zyklus zügeln, meint John McNeill, Co-Manager des Kames Absolute Return Bond Global Fonds.

John McNeill´s Ansicht nach gehen Anleger grundsätzlich davon aus, dass die Zinsen in den USA angesichts der wirtschaftlichen Erholung kräftig steigen werden. Die Realität könnte dieses Mal jedoch ganz anders aussehen.

Die gegenwärtige Wachstumsphase besteht inzwischen seit 90 Monaten und ist damit die drittlängste, die je verzeichnet wurde. Angesichts dieser Reife wird der Leitzins kaum über das aktuelle Niveau von 0,75% steigen.

„Im historischen Vergleich war dies ein langer Zyklus. Das bedeutet nicht, dass er zu Ende gehen muss. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Massnahmen, die von Zentralbanken unternommen werden müssten, um einem künftigen Abschwung zu begegnen“, so McNeill.

„Die Federal Reserve dreht zwar weiter an der Zinsschraube, aber sie wird den Leitzins nicht über 2% anheben können, ohne eine spürbare wirtschaftliche Abkühlung zu bewirken. In diesem Kontext erscheint das Risiko negativer Zinsen in den USA höher als die Aussicht auf eine Normalisierung", argumentiert McNeill weiter.

In früheren Zyklen standen der US-Notenbank Federal Reserve und anderen Zentralbanken für Zinssenkungen deutlich mehr Mittel zur Verfügung. Andrew Haldane, Chefvolkswirt der Bank of England, schätzt, dass die Zinsen im Rahmen des “typischen“ geldpolitischen Lockerungszyklus in Grossbritannien, den USA, Japan und Deutschland seit 1970 um 300 bis 500 Basispunkten gesenkt wurden.

Am Beispiel der USA erläutert McNeill, dass während der grossen Finanzkrise der Leitzins der Fed dem Muster entsprechend von 5,25% auf praktisch null gefallen ist und sich das Volumen der quantitativen Lockerung auf 4,5 Billionen USD belief. Die aktuelle Situation ist eine völlig andere. Daher wären nach Einschätzung von McNeill aufgrund des historisch niedrigen Zinsniveaus vor einem zukünftigen Abschwung erneut unkonventionelle Massnahmen erforderlich.

„Die aktuelle Rendite zehnjähriger US-Treasuries liegt bei 2,4%. Wenn der aktuelle Zyklus noch drei Jahre anhält, wird dies die historisch längste Wachstumsphase sein. Ungeachtet dessen preist der Markt die Rendite zehnjähriger US-Treasuries in 3 Jahren bei ca. 3% ein. Aus diesen Gründen teilen wir nicht die allgemeine Einschätzung, dass die Renditen von Staatsanleihen deutlich steigen werden“, erklärt der Fondsmanager.

Wann die Abkühlung einsetzen wird, lässt sich zwar kaum vorhersagen, doch angesichts der Länge der aktuellen Wachstumsperiode der US-Wirtschaft sollten Anleger sich nach Meinung von McNeill eher auf niedrigere als auf deutlich höhere Anleiherenditen einstellen.

„Eher werden die Staatsanleiherenditen in Zukunft extrem niedrig sein, als dass sie deutlich nach oben gehen werden“, so McNeill.

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