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06.04.2018 | 08:56

NN IP: Das asiatische Anleiheuniversum erblüht

Asiatische Länder haben großes Interesse am Green-Bond-Markt. Joyce Tan, Portfolio Specialist bei NN Investment Partners, geht davon aus, dass das Emissionsvolumen von Green Bonds weiter zunehmen wird. Zwei Faktoren spielen dabei ihrer Meinung nach eine entscheidende Rolle.

Joyce Tan, Portfolio Specialist bei NN Investment Partners:

China der weltgrößte Verursacher von Treibhausgasen. Bereits 2013 sagte China der Luftverschmutzung jedoch den Kampf an. Konkret bedeutet das eine landesweite Begrenzung der Kohlenutzung, verschärfte Kontrollen von Stahl- und Aluminiumhütten und das Verbot von Kohle zum Heizen in Privathaushalten. Diese massiven Maßnahmen haben schon Wirkung gezeigt: Laut Greenpeace ist die Konzentration des gefährlichen Feinstaubs der Partikelgröße PM 2,5 zwischen 2013 und 2017 im Durchschnitt um 33 Prozent gesunken. Aber damit nicht genug. Zu Beginn dieses Jahres hat China die Einfuhr von Plastikmüll aus anderen Ländern untersagt. Das ist ein bedeutender Schritt, gilt China doch als der weltgrößte Importeur von Kunststoffmüll.

Mit dem zunehmenden Engagement von Regierungen und der Privatwirtschaft für Nachhaltigkeit erlebt auch der Rentenmarkt eine rapide Zunahme der Emission von Green Bonds. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um normale Anleihen, allerdings mit dem Unterschied, dass sie für umweltfreundliche Investitionen genutzt werden.

2017 war China schon der zweitgrößte Emittent von Green Bonds weltweit und übertraf damit traditionelle Vorreiter wie Frankreich. Nur die USA emittieren ein größeres Volumen. Nach Angaben der Climate Bonds Initiative legte China vergangenes Jahr Green Bonds im Wert von 37,1 Milliarden US-Dollar auf, sowohl in Form von Onshore- als auch Offshore-Anleihen. Zum Vergleich: Noch 2015 belief sich das Volumen auf nur eine Milliarde US-Dollar.

Überdies gehen Chinas Unternehmen am jungen Green-Bond-Markt allmählich von inländischen Geldquellen und Interbankausleihungen zu Emissionen über, die auf US-Dollar oder Euro lauten.

Auch andere asiatische Länder haben großes Interesse an dem Green-Bond-Markt. Diesen Februar gab Indonesien als erstes asiatisches Land grüne Staatsanleihen aus, und zwar in Form einer fünfjährigen Emission in Höhe von 1,25 Milliarden US-Dollar. Zudem sammelten die indischen Stromgesellschaften Azure Power und Greenko, beides Erzeuger sauberer Energie, im vergangenen Jahr insgesamt 1,5 Milliarden US-Dollar aus dem Verkauf von in US-Dollar denominierten Green Bonds ein.

Das Emissionsvolumen von Green Bonds dürfte sowohl weltweit als auch in Asien weiter zunehmen. 2017 belief sich das weltweite Angebot an neu aufgelegten Green Bonds auf 155 Milliarden US-Dollar. Dieses Jahr wird es voraussichtlich auf über 250 Milliarden USD steigen. Green Bonds machen mittlerweile 1,6 Prozent des 900 Milliarden US-Dollar schweren asiatischen Marktes für Hartwährungsanleihen aus – vor nur fünf Jahren lag dieser Anteil noch bei 0 Prozent.

Der wichtigste Faktor für die Entwicklung des asiatischen Green Bond Markts ist die nachhaltige Unterstützung durch die Regierungen. So hat z.B. Präsident Xi Jinping im Oktober abermals grüne Finanzierungen befürwortet, und Indien hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 Strom in Höhe von 175 Gigawatt durch Sonnen- und Windenergie zu gewinnen. China möchte zudem die Führungsrolle in Sachen Umwelt von den USA zu übernehmen, vor allem nach Präsident Trumps Rückzug aus dem Pariser Übereinkommen zum Klimaschutz.

Ein weiterer Faktor, der die Emissionstätigkeit bei Green Bonds in Asien möglicherweise noch weiter ankurbeln könnte, ist die Initiative neue Seidenstraße (One Belt, One Road), bei der es um Infrastrukturinvestitionen in Asien, Afrika und Europa, in Milliarden-Dollar-Höhe, geht. Da China sich zunehmend auf grünes Investieren konzentriert, liegt es nahe, dass einige dieser Projekte ökologisch nachhaltig sein werden. Im September legte die Industrial and Commercial Bank of China ihre erste grüne Anleihe in Höhe von 2,1 Milliarden US-Dollar auf, um umweltschonende Projekte im Rahmen der One Belt, One Road Initiative zu finanzieren. Dank staatlicher Unterstützung und der wachsenden Nachfrage nach Infrastrukturinvestitionen dürften noch weitere Projekte dieser Art folgen. Im Ergebnis wird dies in den nächsten Jahren zur Weiterentwicklung und stärkeren Diversifizierung des asiatischen Anleihemarktes in US-Dollar führen.

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