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01.09.2017 | 09:45

ETF Securities: Überlegungen bei der Wahl eines Rohstoffindex

Auf die Wertentwicklung eines Rohstoffindex wirken viele Faktoren ein. Mit welchen Mittel lässt sich die Rendite leichter und effizienter steigern? Ein Beitrag von Edith Southammakosane.

Sucht man einen Rohstoffindex für eine Anlage, sollten verschiedene Faktoren in Erwägung gezogen werden. Die mit Vergangenheitswerten simulierte Wertentwicklung gibt nur einen Teil des Gesamtbilds wieder. So können etwa die Anlagekosten eines Instruments wie eines börsengehandelten Produkts (ETP), das einen Rohstoffindex nachbildet, abhängig von diversen Faktoren höchst unterschiedlich ausfallen.

Indexzusammensetzung und Indexgewichtung

Die Zusammensetzung und die Gewichtung eines Rohstoffindex bestimmen dessen Diversifizierungsgrad. Je diversifizierter der Rohstoffindex ist, desto besser schützt er vor Abwärtsrisiken, wenn er einem Multi-Asset-Portfolio hinzugefügt wird.

Die wichtigen Rohstoffindizes können sich hinsichtlich ihrer Zusammensetzung erheblich voneinander unterscheiden, wie aus der Grafik hervorgeht. Im Bloomberg Commodity Index (BCOM) sind zum Beispiel die Bereiche Landwirtschaft mit 31 Prozent und Energie mit 28 Prozent vertreten. Der S&P GSCI und der Deutsche Bank Liquid Commodities Index Optimum Yield (DBLCI-OY) weisen hingegen eine Konzentration von über 50 Prozent im Energiesektor auf.

Auch der Blick auf die einzelnen Rohstoffe ist interessant. 40 Prozent des S&P GSCI stecken allein in Rohöl (23 Prozent beziehungsweise 16 Prozent in Rohöl der Sorten WTI und Brent), während in anderen Rohstoffindizes die Gewichtung einzelner Rohstoffe höchstens 13 Prozent beträgt. Die Gewichtungen unterliegen im Laufe der Zeit geringfügigen Änderungen. Je stärker ein Index seine Bestandteile gleichgewichtet, desto höher ist sein Diversifizierungsgrad.

Modifiziert man die Zusammensetzung und Gewichtung eines Index, ändert aber nichts an der Rollmethode, so erhöht sich ab Ende Dezember 2015 gerechnet die Rendite der UBS-Indizes um 2,3 Prozent und die der Deutsche-Bank-Indizes um 0,9 Prozent (siehe oben).

Rollstrategie eines Index

Im Folgenden analysieren wir die Performance von vier Rohstoffindizes, um zu beurteilen, wie sich die „verbesserten“ Rollstrategien auf die Renditen auswirken. Die vier Indizes wurden wie der BCOM zusammengesetzt und gewichtet, verwenden aber jeweils andere Rollstrategien.

In der folgenden Grafik sind die Zusatzrenditen dargestellt, die die drei verbesserten Strategien über den BCOM hinaus erzielen. Für die erste Strategie wurde die durchschnittliche Laufzeit von 2 oder 3 Monaten auf 5 oder 6 Monate angehoben, so wie dies auch im Übergang vom BCOM zum BCOM 3 Month Forward Index (BCOMF3) geschieht. Indexanbieter bedienen sich oft dieser Strategie, um den Einfluss des Contango (negative Rollrendite) auf die Gesamtrendite des Index abzumildern. Mit dieser Strategie stieg die Rendite um 2 Prozent.

Wendet man dieses Verfahren auf den Deutsche Bank Commodity Booster Index an, so enthält die „Strategie mit der optimalen Rendite“ immer die Kontrakte mit der besten impliziten Rollrendite, die spätestens 13 Monate ab heute auslaufen. Diese Strategie konnte den BCOM um 2,5 Prozent übertreffen. Die dritte „Strategie mit konstanter Laufzeit“, die im UBS Bloomberg BCOM Constant Maturity Index zur Anwendung kommt, rollt täglich einen kleinen Teil ihres Engagements weiter, um die durchschnittliche Laufzeit konstant zu halten. Ihr gelang es, den BCOM um 2,6 Prozent zu schlagen.

Erhöht man die Komplexität der Rollmethode bei den Strategien mit optimaler Rendite und konstanter Laufzeit, so erhält man gegenüber der Strategie, die einfach nur die durchschnittliche Laufzeit im Index anhebt, lediglich eine Zusatzrendite von 0,5 Prozent beziehungsweise 0,6 Prozent.

Auswirkungen auf die Betriebskosten

Die Anzahl der Kontrakte, denen ein Index folgt, sowie die Umschlaghäufigkeit und Komplexität des Rollkalenders beeinflussen nicht nur wie gezeigt die Wertentwicklung, sondern auch die Kosten, die bei der Indexnachbildung entstehen.

Wir unterschieden im Folgenden zwischen Rohstoffindizes mit klassischer Rollmethode, zu denen der BCOM, der S&P GSCI, der Rogers International Commodity Index (RICI) und der Thomson/Reuters CRB Index (CRB) gehören, und den sogenannten verbesserten (enhanced) Rohstoffindizes, die die klassische Strategie verbessern sollen.

Die vorstehende Grafik zeigt die Anzahl der Transaktionen einzelner Indizes, das heißt, die Anzahl der Rolltermine der Komponenten pro Jahr multipliziert mit der Anzahl der Tage, die das Rollen in Anspruch nimmt. Der UBS BCOM CMCI Index benötigt die meisten Transaktionen, da er täglich einen kleinen Teil seines Engagements weiter rollt, um die durchschnittliche Laufzeit aller Bestandteile über die Zeit konstant zu halten. Die Methode eines Rohstoffindex, in den man investieren kann, muss sich nachbilden lassen. Je komplexer der Rollkalender ist, desto höher sind die Nachbildungskosten, was wiederum zu einem höheren Tracking-Error führen kann.

Auch die Liquidität der Basiskontrakte, die der Index hält, muss als ein wesentlicher Faktor in Betracht gezogen werden. Ein illiquider Kontrakt kann die tägliche Preisstellung des Rohstoffindex beeinträchtigen und Anleger daran hindern, zum gewünschten Zeitpunkt Engagements zu tätigen oder zu veräußern. Je weiter hinten sich ein Terminkontrakt auf der Kurve befindet, desto geringer ist seine Liquidität. Die Grafik zeigt, in welchem Umfang ein Anleger ein indexnachbildendes Instrument kaufen oder verkaufen kann, ohne die Kursstellung des zugrunde liegenden Terminmarkts zu beeinflussen.

Rohstoffindizes in einem Portfolio

Im Folgenden vergleichen wir ein Portfolio, das 50 Prozent globale Aktien, 40 Prozent globale Anleihen und 10 Prozent Rohstoffe umfasst, mit der Benchmark, bei der es sich um ein Standardportfolio von 60 Prozent globale Aktien und 40 Prozent globale Anleihen handelt, jeweils ab 1998 gerechnet. Obwohl ein verbesserter Rohstoffindizex in der Regel besser abschneidet als ein klassischer, steigt die Sharpe-Ratio im Schnitt nur um 3 Prozent, wenn man ihn einem gemischten Aktien- und Anleiheportfolio hinzufügt – von durchschnittlich 0,72 bei Portfolios, deren klassische Rohstoffindizes einen Anteil von 10 Prozent haben, auf durchschnittlich 0,75 bei Portfolios, in denen verbesserte Rohstoffindizes mit 10 Prozent vertreten sind.

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