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30.11.2017 | 08:10

ETF Securities: Safe Haven Gold?

Kann Gold in einem Umfeld steigender Inflation und Zinsen ein sicherer Hafen sein?

Das Geld sitzt weniger locker
Die Bank of England hat am 2. November 2017 zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder die Zinsen angehoben. Auf der anderen Seite des Atlantik hat die Fed schon vor fast zwei Jahren den Weg der geldpolitischen Straffung eingeschlagen, und vor Kurzem hat sogar die EZB das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe halbiert. Angesichts dieser Entwicklungen scheint es, als würde die Phase der quantitativen Lockerung, die auf dem Höhepunkt der globalenFinanzkrise 2008 einsetzte und immer wieder verlängert wurde, zu Ende gehen.

Wie sollten Anleger auf die geldpolitische Wende reagieren? Risikowerte, insbesondere Anleihen und Aktien, wirken in Bezug auf nahezu jede erdenkliche Kennzahl überteuert. Wie können sich nun Anleger absichern und wo finden sie Werte mit begrenztem Abwärts- oder sogar Aufwärtspotenzial?

Alles was glänzt: Gold
Eine mögliche Lösung „strahlt“ uns geradezu an. In Zeiten, in denen Zinsen und Inflation Schritt für Schritt anstiegen, erwies sich Gold in der Regel als zuverlässiger Begleiter, da es dann häufig als probates Mittel zur Wertaufbewahrung eingesetzt wurde. Laut ETF Securities wird der Goldpreis von den folgenden Schlüsselfaktoren bestimmt: US-Dollar, Inflation in den USA, Nominalverzinsung zehnjähriger US-Staatsanleihen und Stimmung bei Gold (gemessen anhand der spekulativen Engagements auf dem Terminmarkt). Eine zu schnelle Straffung seitens der Notenbanken stellt unter Umständen ein Risiko dar.

In welcher Art Umfeld bewegen wir uns demnach und welche Faktoren dürften für die Entwicklung von Gold an dieser Stelle wesentlich sein? Falls wir am Anfang einer Phase stehen, in der die Notenbanken für längere Zeit die Zinsen anheben, zeigt uns der Blick in die Geschichte, dass es Gold durchaus gut ergehen könnte. Aus dem folgenden Diagramm geht hervor, dass die Zinsen und der Goldpreis positiv korrelierten, als die Fed 2004 zum letzten Mal die Geldpolitik zu straffen begann.

Inflation vergolden
Während die Fed und andere Notenbanken Maßnahmen ergreifen,um die Inflation abzuwenden, verfolgen sie behutsam einen graduellen Ansatz. So können sie die Inflation zwar unter Kontrolle halten, aber erledigt ist sie damit nicht. Der allmähliche Anstieg der Inflation könnte den Goldpreis in die Höhe treiben, insbesondere wenn der Markt den Eindruck gewinnt, dass die Fed der Entwicklung hinterher hinkt. Sicherlich ist es auch möglich, dass die Inflation nachlässt und Gold etwas von seinem Glanz verliert.

Das Researchteam von ETF Securities progostiziert, dass die US-Inflation, die im September noch bei 2,2 Prozent (Verbraucherpreisinflation) lag, bis Mitte nächsten Jahres rund 2,5 Prozent erreichen wird. Aus diesem Grund wird der Goldpreis der Prognose zufolge auf dem aktuellen Niveau zumindest unterstützt. Wenn sich die Zinserhöhungen in Grenzen halten, bleiben die Realzinsen wahrscheinlich länger negativ. Die Folge ist eine schleichende Inflation (zumindest in den USA, wo die Arbeitskräfte knapp werden und sich das BIP erholt). Dies dürfte den Rückgang des Goldpreises begrenzen.

Gold and Verbraucherpreisinflation


Quelle: Bloomberg, ETF Securities. Stand: 11. Oktober 2017 (Schlusskurse).

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Darüber hinaus gibt es einen weiteren Schlüsselfaktor, der für einen steigenden Goldpreis sorgt: die Anlegerstimmung. Das spekulative Engagement ist über den langfristigen Durchschnitt gestiegen, obgleich es den Stand nach dem Brexit noch lange nicht wieder erreicht hat. Weitere Faktoren, die eine eher risikoaverse Haltung und somit einen möglichen Anstieg des Goldpreises begünstigen, sind die Unsicherheit auf den Märkten und die zunehmenden geopolitischen Sorgen, zum Beispiel in Bezug auf Nordkorea. Der US-Dollar, der im Zuge der Straffung der geldpolitischen Bedingungen aufwertet, könnte den Anstieg bremsen, da er mit dem Goldpreis üblicherweise invers korreliert. Andererseits ist die Aufwertung des US-Dollar keineswegs sicher, da die Bank of England und die EZB ebenfalls den Weg zu einer strafferen Geldpolitik eingeschlagen haben.

Gold im Portfolio
In solchen Zeiten kann Gold in den Portfolios der Anleger durchaus eine Funktion haben. Wenn die Inflation steigt und die reale Kaufkraft schwindet, gehört Gold in der Regel zu den wenigen Vermögenswerten, die sie halten können. Gold, das mit den Aktienmärkten negativ korreliert, kann also innerhalb eines Portfolios diversifizierend wirken und, wenn andere Titel im Wert fallen, die Performance abfedern. Außerdem stellt es eine Liquiditätsreserve dar.

In den vergangenen zehn Jahren verlor der FTSE 100 in den zehn schlechtesten Monaten durchschnittlich 8,2 Prozent, während der Goldpreis in lokaler Währung im Schnitt um 3,8 Prozent zulegte (Quelle: Bloomberg, ETF Securities. Stand: Februar 2017).

In solchen Phasen sind Anleger in der Regel bemüht, hohe Verluste zu vermeiden. Entscheidend ist ein effektiver Kapitalschutz, da sich mit einem höheren Nominalwert stärker vom nächsten Aufschwung profitieren lässt. Interessierten Anlegern sollte allerdings bewusst sein, dass die Volatilität der Aktienmärkte auch den Goldpreis beeinträchtigen kann.

Ausblick für Gold
Obwohl der Goldpreis seit der ersten Zinsanhebung der Fed im Dezember 2015 moderat zugelegt hat, ist er im aktuellen Zyklus von den Hochs des Jahres 2011 noch weit entfernt. Wir können zwar keine kurz bevorstehende Explosion der Goldnachfrage vorhersagen, aber es zahlt sich im Investmentgeschäft aus, der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Da die Zinsen steigen, sollten versierte Anleger Möglichkeiten prüfen, die sie vor einer Spitze der Wertpapiermärkte schützen. Bei langfristigen Anlageportfolios ist eine Goldallokation durchaus eine Überlegung wert.

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