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07.03.2017 | 08:55

ETF Securities: Der Rohstoff- und Devisenmarkt unter politischen Spannungen

In der europäischen Landschaft lauern zahlreiche geopolitische Gefahren, die alle imstande sind, die Richtung der Finanzmärkte zu bestimmen

Die angekündigte Scheidung

In den nächsten Wochen werden die beiden Kammern des britischen Parlaments den Gesetzentwurf der Premierministerin May zur Einleitung des Austrittsprozesses aus der Europäischen Union verabschieden, mit anderen Worten das Brexit-Gesetz, und damit die Grundlage für die formelle Ankündigung des EU-Austritts schaffen. In den folgenden zwei Jahren, die von verbissenen Verhandlungen geprägt sein werden, werden die globalen Märkte wahrscheinlich Phasen erheblicher Unsicherheit durchlaufen, wobei insbesondere das Pfund Sterling eine hohe Volatilität aufweisen wird. Parallel zum Gesetzgebungsverfahren steigen die Spannungen in Frankreich und den Niederlanden, wo das Risiko besteht, dass die populistischen Parteien bei den anstehenden Wahlen einen Aufschwung erleben. Da die Meinungsforscher erst jüngst bei den britischen Parlamentswahlen, dem EU-Referendum und den US-Präsidentschaftswahlen falsch lagen, erscheint der Ausgang der Wahlen für europäische Anleger umso unsicherer. Das entstehende Umfeld wirkt sich auf Gold, den traditionellen sicheren Hafen, unterstützend aus. Gleichwohl könnte die Entwicklung von Gold als sicherer Anlagewert aufgrund der politischen Risiken in Großbritannien und der damit einhergehenden Währungsschwankungen für Anleger, die in Pfund Sterling rechnen, gebremst werden.

Gold vor neuerlicher Belebung

Gold konnte vom Dezembertief bei 1.123 USD/oz. um 11,3 Prozent ansteigen und damit einen erheblichen Teil seiner Verluste im vierten Quartal des Vorjahrs wieder gutmachen. Der politische Umschwung in Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland birgt für Anleger das erhebliche Extremrisiko des Zerfalls der EU und einer Stagflation in Großbritannien. Die zugrunde liegende Dynamik hat die Entwicklung des Edelmetalls im bisherigen Jahresverlauf gestützt. Sie dürfte wahrscheinlich anhalten, da Anleger zunehmend mehr Schutz suchen. Die Zuflüsse in bekannte Goldbestände, das heißt in börsengehandelte Produkte (ETPs), stiegen 2017 bereits um 3 Prozent an.

Die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahlen ist ein Schlüsselereignis, da jedes Zeichen einer Erstarkung der Populisten die Entwicklung sicherer Anlagewerte treiben kann. Unterstützung könnte der Goldpreis auch vom US-Dollar erhalten, da die Fed ihre zweite planmäßige Sitzung in diesem Jahr am 15. März abhält, am Wahltag in den Niederlanden. Aufgrund der zinsaggressiven Bemerkungen von William Dudley, des Präsidenten der New Yorker Fed, geht der Markt gegenwärtig mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit von einer Zinsanhebung aus, was unseres Erachtens zu hoch gegriffen ist. Sollte die Fed enttäuschen und ihren Worten keine Taten folgen lassen, könnte der US-Dollar fallen und dem Goldpreis Stärke verleihen.

Schwankungen des Pfund Sterling

Das Währungspaar GBP/USD handelt derzeit, nachdem es von seinem Hoch Anfang Februar von 1,27 um über 3 Prozent* gefallen ist, fast ein Fünftel unter seinem Fünfjahresdurchschnitt. Wenn die Brexit-Verhandlungen nach dem selbst gesetzten Termin im März tatsächlich beginnen, dürfte die Volatilität des Pfund Sterling gegenüber den anderen wichtigen Währungen zunehmen. Dies könnte ungewollte Schwankungen bei den ausländischen Engagements britischer Anleger zur Folge haben. Von Bedeutung ist dies insbesondere für Anleger, die in Pfund Sterling rechnen. Wenn sie sich mit Gold, das in US-Dollar notiert, gegen Marktvolatilität absichern wollen, unterliegen sie automatisch Währungsschwankungen. Im vergangenen Jahr trug der 21-prozentige Einbruch des Pfund Sterling stark zur GBP-Rendite von Gold bei, die sich insgesamt auf 30 Prozent belief. Eine weitere Abwertung ausgehend von dem überdehnten Niveau erscheint deshalb weniger wahrscheinlich.

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