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02.01.2017 | 13:19

Danske Invest: Experte sieht 2017 Chancen bei Unternehmensanleihen

Nordische und europäische Unternehmensanleihen können im Vergleich zu Staatsanleihen eine erwartete Mehrrendite erzielen.

Im Hinblick auf die niedrigen oder negativen Zinsen auf nordische und europäische Staatsanleihen können Unternehmensanleihen eine Möglichkeit darstellen, eine höhere erwartete Rendite zu erzielen, wenn man als Anleger bereit ist, das höhere Risiko einzugehen. Aber wo liegt bei Unternehmensanleihen das größte Potenzial? Andreas Dankel, Chefportfolioberater für Danske Invest mit Fokus auf nordische und europäische Unternehmensanleihen, blickt auf das Jahr 2016 zurück und erläutert, was Anleger seiner Meinung nach von Unternehmensanleihen im kommenden Jahr erwarten können. Danske Invest hat sowohl einen Fonds mit nordischen Unternehmensanleihen als auch einen Fonds mit europäischen Hochzinsanleihen im Angebot.

1. Wie haben sich Unternehmensanleihen 2016 entwickelt?

„Der Anleihemarkt wurde von großen geopolitischen Ereignissen wie dem Brexit-Referendum in Großbritannien und der Präsidentschaftswahl in den USA geprägt. Zu Jahresbeginn erlebten wir einen Anstieg der Risikoprämien, was eine Bezeichnung für den höheren Zins ist, den man als Investor bei einer Anlage in Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen erhält. Fallende Ölpreise hatten zur Folge, dass die Kurse von energie- und rohstoffbezogenen Anleihen verhältnismäßig stark einbrachen, und trieben den Effektivzins auf Anleihen - und damit die Risikoprämie - in die Höhe. Gleichzeitig färbten die wirtschaftlichen Probleme der Deutschen Bank im Jahresverlauf auf Bankanleihen ab. Im Allgemeinen wurde das Jahr jedoch dadurch bestimmt, dass es den europäischen Unternehmen fundamental gesehen gut geht und die Schuldenlast nicht sonderlich stark gestiegen ist. Das kam dem Anleihemarkt zugute - ebenso wie die massiven Aufkäufe von Unternehmensanleihen außerhalb des Finanzsektors mit hoher Bonität (Anleihen mit Investment Grade), die die Europäische Zentralbank (EZB) getätigt hat. Das hat im Jahresverlauf für Unterstützung gesorgt."

2. Was erwarten Sie von Unternehmensanleihen im Jahr 2017?

„Wir gehen davon aus, dass 2017 erneut ein sehr volatiles Jahr werden wird - wenngleich die Schwankungen nicht so groß sein dürften wie 2016. In Europa stehen im Jahresverlauf einige bedeutende Wahlen an: in den Niederlanden, in Frankreich und nicht zuletzt in Deutschland - und das wird auch für Unsicherheit in den nordischen Ländern sorgen. Im Gegensatz dazu glauben wir aber auch, dass die großen europäischen Unternehmen mit ihren Bilanzen und Investitionen umsichtig umgehen werden, und wir erwarten, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit 2017 deshalb gering sein wird. Davon würde der Anleihemarkt profitieren. Gleichzeitig sollte sich das Wachstum in Europa insgesamt fortsetzen - und das wäre ebenfalls positiv.
Was Unternehmensanleihen mit hoher Bonität (Anleihen mit Investment Grade) anbelangt, hat die EZB bereits angekündigt, ihre Aufkäufe über das gesamte nächste Jahr fortzusetzen. Das wird den Markt unseres Erachtens ebenfalls stützen. Im Hinblick auf die risikoreicheren Hochzinsanleihen, die eine höhere erwartete Rendite abwerfen, gehen wir davon aus, dass die Zinsen weiterhin relativ niedrig sein werden, aber wir erwarten nicht, dass die EZB ihre Aufkäufe auf dieses Segment ausweiten wird.
Unserer Ansicht nach werden europäische Unternehmensanleihen insgesamt nächstes Jahr weiterhin eine interessante Anlageklasse sein, da sie im Vergleich zu Staatsanleihen nach wie vor eine erwartete Mehrrendite erzielen werden."

3. In welchen Sektoren oder Ländern sehen Sie 2017 das größte Potenzial?

„Wir sehen Chancen in allen Sektoren, aber den Bankensektor werden wir sicherlich näher ins Auge fassen. Dieser Sektor wird unserer Meinung nach 2017 interessant sein, da einige neue Richtlinien in Kraft treten und einige der schwächeren Banken in Europa eine Kapitalerhöhung angekündigt haben. Im Bankensektor sehen wir für nächstes Jahr also sowohl Chancen als auch Risiken."

4. Welche Sektoren oder Länder bergen Ihrer Meinung nach die größten Risiken?

„Wir sehen für 2017 weiterhin Risiken im Energiesektor, auf den u.a. die nordischen Länder eine ziemlich hohe Ausrichtung haben. Der Ölpreis ist zwar kräftig gestiegen, und wenn das so weitergeht, wird es u.a. für Öldienstleister einfacher, ihre Schulden zu refinanzieren. Aber es ist unserer Ansicht nach noch zu früh, um die künftige Entwicklung des Sektors vorherzusagen."

5. Was hat Sie 2016 bei Unternehmensanleihen am meisten überrascht?

„Ich hatte erwartet, dass dieses Jahr volatil sein würde, aber das Ausmaß der Volatilität hat mich überrascht. Manche europäische Unternehmensanleihen verzeichneten im Jahresverlauf extreme Kursschwankungen. Es hat uns auch überrascht, dass der Markt sowohl auf das Brexit-Referendum in Großbritannien als auch auf die Präsidentschaftswahl in den USA nach kurzfristigen Schwankungen letzten Endes relativ gelassen reagiert hat. Die Märkte haben sich überraschend schnell angepasst.
In der nordischen Region hat es mich überrascht, dass die Banken bereits Anfang Herbst ihre Schattenratings für nordische Unternehmen einstellten. In den nordischen Ländern gibt es zahlreiche Unternehmen, die keine offizielle Bonitätsbewertung von internationalen Ratingagenturen wie Moody's und Standard & Poor’s haben. Stattdessen haben die Banken ihre eigenen Ratings veröffentlicht, aber die europäische Behörde, die diese Ratings reguliert, hat die Banken wissen lassen, dass sie diese Form von Schattenratings künftig möglicherweise nicht mehr akzeptieren wird. Bisher ist nichts in Stein gemeißelt, aber es hat mich überrascht, dass die meisten Banken trotzdem die Veröffentlichung der Ratings eingestellt haben. Nordische Anleihen tendierten daraufhin etwas schwächer, aber große Ausverkäufe blieben aus. Meines Erachtens ist es aber noch zu früh für eine Schlussfolgerung, wie der Markt künftig reagieren wird, da die Ratings für die Anleger eine Art Richtschnur sind, die jetzt komplett wegfällt."

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