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17.10.2017 | 13:01

Danske Invest: Aktien nehmen Fahrt auf

Seit der Finanzkrise haben die Zentralbanken Billionen von Dollar in die entwickelten Volkswirtschaften gepumpt. Jetzt aber scheinen die Patienten endlich auf eigenen Füßen zu stehen. Vor diesem Hintergrund ist Tine Choi, Chefstrategin der Danske Bank, zu europäischen und US-amerikanischen Aktien positiv gestimmt.

Nach einer langen und instabilen Phase im Nachgang der Finanzkrise hat die Weltwirtschaft endlich wieder festen Boden gewonnen. Das globale Wachstum hat sich seit Anfang 2016 beschleunigt und im ersten Halbjahr 2017 beeindruckende 3,4 Prozent erreicht. Damit wurden die langfristigen Erwartungen um fast einen kompletten Prozentpunkt übertroffen. An den Arbeitsmärkten geht es aufwärts, der private Konsum ist robust und die Unternehmensinvestitionen steigen. Kurz gesagt: Wir befinden uns jetzt in einer Phase der Erholung, in der das Wachstum auf eigenen Füßen zu stehen scheint und nicht länger von der Beatmungsmaschine der Zentralbanken abhängig ist.

Deshalb gehen wir davon aus, dass der globale Aufschwung bis in 2018 andauern wird, wenn auch mit einer geringeren Dynamik als dieses Jahr. Ein globaler Aufschwung in Kombination mit einer niedrigen Inflation bedeutet, dass sich die Wirtschaft in einem sogenannten „Goldlöckchen-Szenario“ befindet – ein für Anleger ideales Umfeld.

„Goldlöckchen“ sorgt bei Anlegern für Optimismus

Robuste Unternehmensgewinne und ein freundliches gesamtwirtschaftliches Klima erhöhen die relative Attraktivität von Aktien gegenüber Anleihen. Daher haben wir Aktien um 10 Prozent übergewichtet und Anleihen im gleichen Umfang untergewichtet. Wir erwarten, dass globale Aktien in den nächsten zwölf Monaten in Lokalwährung eine Rendite von 8 bis 12 Prozent erzielen werden. Natürlich können Wechselkursschwankungen das Ergebnis in unterschiedlichen europäischen Währungen beeinträchtigen.

Der Weg bis zu diesem Punkt war allerdings beschwerlich und manchmal nervenaufreibend. Die Weltwirtschaft hat fast acht Jahre der Erholung benötigt bis das Wachstum ein Selbstläufer wurde. Acht Jahre mit großer Unsicherheit und der fortwährenden Befürchtung, dass das Wachstum in die falsche Richtung kippen könnte. Und acht Jahre, in denen die Weltwirtschaft am Tropf hing und von massiven geldpolitischen Stimulus-Paketen unterstützt wurde, die nach der Finanzkrise und der europäischen Schuldenkrise von den großen Zentralbanken geschnürt wurden. Aber glücklicherweise können wir jetzt den Schluss ziehen, dass diese Rechnung aufgegangen ist.

Startschuss für das Rennen in Richtung Null

Die Finanzkrise setzte die Politiker schachmatt, denn die sehr umfangreichen Rettungspakete hatten enorme Haushaltsdefizite und steigende Staatsschulden zur Folge. Nachdem der Sturm überstanden war, gab es nur geringen fiskalischen Spielraum für Steuersenkungen oder Infrastrukturinvestitionen. Also bekamen die Zentralbanken den Auftrag, die Beschleunigung der Wirtschaft zu unterstützen.

Das Rennen in Richtung Null kam in Mode. Die Zentralbanken senkten die Leitzinsen, um billiges Geld bereitzustellen und Verbraucher und Unternehmen dazu zu ermutigen, mehr Kredite aufzunehmen und damit die Wirtschaft anzukurbeln. Obwohl das ein klassisches geldpolitisches Manöver war, blieb der Effekt nur minimal. Deshalb betraten einige der weltgrößten Notenbanken fiskalisches Neuland und starteten das größte geldpolitische Experiment in der Geschichte.

Das Ziel war Reflation, oder in anderen Worten: die Ankurbelung einer dem Untergang geweihten Wirtschaft. Die Mittel der Wahl waren (und sind) negative Zinsen und massive Ankäufe von Wertpapieren durch die Notenbanken, die die entwickelten Volkswirtschaften mit Geld fluteten, um Wachstum und Inflation anzuheizen. Quantitative Lockerung („Quantitative Easing“, QE) war plötzlich in aller Munde.

Kann die Wirtschaft ohne Unterstützung auskommen?

Die angewandte Geldpolitik des QE hatte weitreichende Folgen. Die niedrigen Zinsen und Renditen haben die relative Attraktivität von Risikoanlagen wie Aktien gegenüber niedrig rentierlichen Staatsanleihen gesteigert. Insofern haben die Zentralbanken dazu beigetragen, Anleger in Aktien zu drängen, da steigende Aktienkurse für Kapitalzuwächse sorgten. Dies wiederum begünstigte optimistischere Zukunftsaussichten, was die Bereitschaft der Konsumenten, Geld auszugeben, zusätzlich stimulierte.

Und nun, acht Jahre später, genießen wir die echten ökonomischen Vorteile in Form einer sich selbsttragenden Wirtschaft – wenn auch mit dem Vorbehalt, dass das geldpolitische Experiment der Zentralbanken noch keineswegs vorüber ist. Auf eine quantitative Lockerung folgt die quantitative Straffung, die eines der großen Themen in diesem Herbst sein wird.

Nichtsdestotrotz ist die Operation gut verlaufen, der Patient hat sein Krankenbett verlassen und jetzt ist es an der Zeit zu sehen, ob er ohne Krücken gehen kann. Angeführt von der US-amerikanischen Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank haben die Notenbank im Laufe des Jahres 2017 zunehmend davor gewarnt, dass sich der Zeitpunkt für eine Drosselung der massiven Stimulus-Pakete und die Reduzierung ihrer enormen Wertpapierbestände nähert.

Ausblick: Was kommt nach dem QE?

Die große Frage ist nun, wie die Finanzmärkte auf die quantitative Straffung der Zentralbanken reagieren werden. Wir sehen vor allem zwei Herausforderungen: Erstens müssen andere Nachfrager einspringen und das Steuer von den Zentralbanken übernehmen. Denn ohne andere Käufer werden die Anleihenkurse fallen und die Renditen steigen, es sei denn, das Angebot an Anleihen geht zur gleichen Zeit zurück. Für letzteres ist die Wahrscheinlichkeit aber gering, da die meisten entwickelten Volkswirtschaften ein Defizit haben und sich Geld zu Finanzierungszwecken leihen müssen. Zweitens wird die Liquidität abnehmen. Das Geld, das die Fed nicht wieder anlegt, wird aus dem Wirtschaftskreislauf verschwinden, was tendenziell die Fähigkeit der Banken zur Kreditvergabe begrenzen dürfte.

Abgesehen von diesen beiden Herausforderungen gehen wir davon aus, dass die anstehende Straffung behutsam, erwartungsgemäß und gut angekündigt verlaufen wird. Von daher erwarten wir keine dramatischen Auswirkungen auf die Zinsen oder die Wirtschaft. Diese Entwicklung bleibt spannend, ändert aber nichts an unserer grundlegenden Ansicht, dass die Weltwirtschaft auf gutem Kurs ist und weiterhin passable Renditen an den Finanzmärkten gewährleisten wird.

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