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20.01.2017 | 13:24

Capital Group: Zins- und Unternehmensanleihen-Ausblick für die USA

Risiken und Unsicherheiten sorgen 2017 für einen schwächeren Ausblick für Anleihen.

• Ende 2016 stellte die Fed eine straffere Geldpolitik in Aussicht. Sie hob die Zinsenan und verwies auf die starke US-Konjunktur.

• Zwar rechnet man an den Märkten 2017 mit höherem Wachstum, doch bleibt vielesunklar – von der Fiskalpolitik bis zu den internationalen Beziehungen.

• Manche Faktoren könnten den Renditeanstieg in den USA auch bremsen, etwa dieausländische Nachfrage nach US-Anleihen.

Könnte sowohl der Wirtschaft als auch der Politik eine Wende bevorstehen? Die Fed warf diese Frage auf, als sie im Dezember die Zinsen erhöhte und für 2017 weitere Zinsschritte in Aussicht stellte. Zu Jahresbeginn sollte man sich Zeit zum Nachdenken nehmen – über die Fed, aber auch über den US-Zinsausblickinsgesamt.
Das US-Wachstum könnte in diesem Jahrzulegen: Der Konsum steigt ordentlich, und das Geschäftsklima in der Industrie, ein Frühindikator für die Konjunktur, hat sich in den letzten Monaten ebenfalls verbessert.Seit der Wahl sind die berühmten „Animal Spirits“ wieder erwacht, wie die steigenden Aktienkurse deutlich zeigen.
Wenn der neue Optimismus der Konjunktur nützt, könnten Wirtschaftswachstum und Verbraucherpreisinflation die erwarteten 2% bis 2,5% überschreiten. Die Anleihenrenditen würden steigen, die Fed würde die Geldpolitik stärker straffen.Die kurz- bis mittelfristigen US-Staatsanleihenrenditen sind schon heute so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Trotz guter Konjunkturdaten bleiben Unsicherheiten

Die Konjunkturdaten haben sich in den letzten Monaten zwar verbessert, doch bleiben Unsicherheiten. Unklar ist nicht nur die Lage der US-Wirtschaft, sondern auch die zukünftige Fiskal-, Außenhandels- und Regulierungspolitik – und die internationalen Beziehungen. Unsere zentrale These, dass wir uns in einer wechselhaften Nach-Nachkrisenzeit befinden, hat sich nicht verändert. Wir glauben, dass man sein Portfolio mit Anleihen gut diversifizieren kann.

Bis zu den US-Wahlen sind die Renditen langsam gestiegen. Seitdem hat sich der Anstieg aber beschleunigt, da man eine expansivere Fiskalpolitik, mögliche Infrastrukturinvestitionen und eine maßgebliche Deregulierung erwartet. All dies könnte das Wirtschaftswachstum durchaus fördern, liegt aber noch weitgehend im Dunkeln. Einzelheiten sind rar, und es könnte dauern, bis der Kongresszustimmt. Größer ist die präsidiale Macht bei den Themen Außenhandel und Einwanderung. Einseitige Maßnahmen können aber sowohl der Stimmung als auch dem Wachstum schaden.

Auch wenn man am Anleihenmarkt davon ausgeht, dass das US-Wirtschaftswachstum in diesem Jahr über dem Trendwachstum liegt: Zuletzt haben vor allem Überraschungen aus dem Ausland die Fed von den erwarteten Zinserhöhungen abgehalten. 2016 sorgte zunächst die Unsicherheit über die Verkäufe chinesischer Währungsreserven für Unruhe, dann das Brexit-Votum im Sommer. Die Fed zögerte ihren Zinsschritt bis Dezember hinaus. Ein Jahr zuvor, 2015, hatte sie aufgrund des schwachen Energiesektors infolge der mangelnden Einigkeit der OPEC ihre Wachstums- und Inflationsprognosen senken müssen. Auch damals wurden die Zinserhöhungen ausgesetzt. Anfang 2015 wie Anfang 2016 erwarteten die stimmberechtigten Offenmarktausschussmitglieder im Median vier Zinserhöhungen für das neue Jahr. Doch beide Male beschränkte sich die Notenbank auf einen Zinsschritt. Angesichts der zurzeit großen Unklarheit sollten wir uns auch nicht wundern, wenn die Fed die Zinsen 2017 am Ende nicht anhebt, sondern senkt. Dem Optionsmarkt zufolge beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen Ende 2017 niedriger sind als heute, immerhin ein Achtel.

Weitere Faktoren, die Anleihen nützen könnten

Es gibt aber noch weitere Faktoren, die Anleihen insgesamt stützen können:

• Die Renditedifferenz zwischen US-Anleihen und anderen Industrieländeranleihen: Ausländische Investoren sichern ihre US-Anleihen oft in ihren Heimatwährungen ab. Ende 2016 weitete sich die währungsgesicherteRenditedifferenz zwischen amerikanischen und japanischen Staatsanleihen aus. Und da die japanische Notenbank noch immer eine Zehnjahres-Staatsanleihenrendite von 0% anstrebt, könnten japanische Investoren wieder zu wichtigen Käufern amerikanischer Papiere werden.

• US-Pensionsfonds, die ihre langfristigen Verbindlichen mit US-Staatsanleihen steuern: Sie könnten den jüngsten Renditeanstieg als Einstiegssignal werten. Nach dem „Taper Tantrum“ 2013, als die Fed Pläne bekannt gab, ihre Anleihenkäufe zu verringern und allmählich weniger Geld in die Wirtschaft zu pumpen, kauften amerikanische Pensionsfonds plötzlich sehr viel mehr US-Staatsanleihen.

• Schließlich hat uns die Fed daran erinnert, dass das derzeitige Zinsniveau weniger mit den Zielen der Offenmarktausschussmitglieder als mit internationalen Faktoren wie Sparquoten, Produktivitätswachstum, Ungleichheit und Weltwirtschaft zu tun hat. All dies ändert sich nur sehr langsam, wenn überhaupt. Ende 2016 war man an den Märkten zuversichtlich. So ermutigend die Konjunkturdaten aber auch sind, so zurückhaltend bleibt unser Ausblick für die Geldpolitik. Es wäre nicht das erste Mal, dass externe Entwicklungen zu bösen Überraschungen führen. Den Renditeanstieg halten wir für eine Chance für Investoren, die laufende Erträge wollen. Er könnte sie dieses Jahr vor Überraschungenschützen.

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