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08.08.2017 | 13:53

Capital Group: Zeit für chinesische Aktien

Vorhang auf: Chinas großer Inlandsaktienmarkt öffnet sich für ausländische Investoren. Mit der Aufnahme chinesischer A-Shares in den MSCI Emerging Markets Index ist die Integration Chinas in die internationalen Finanzmärkte einen großen Schritt vorangekommen.

Lange wurde der Markt von inländischen Privatanlegern dominiert, aber das dürfte sich ändern. Die Entscheidung von MSCI, einen kleinen Teil des Marktes in seine Emerging-Market-Indizes aufzunehmen, ist ein erster, aber wichtiger Schritt zur Integration chinesischer Inlandsaktien in die internationalen Finanzmärkte.

„Es ist ein wichtiger Schritt, doch in gewisser Weise holen die Indexanbieter nur nach, was bereits Wirklichkeit ist“, sagt Portfoliomanager Rob Lovelace, Vice Chairman der Capital Group. „VieleInvestoren, auch wir, investieren schon jetzt in ausgewählte chinesische Inlandsaktien. Als zweitgrößte Volkswirtschaft und zweitgrößter Aktienmarkt der Welt sollte China allmählich in Industrieländerindizes wie den MSCI World Index aufgenommen werden.“

China dominiert die Emerging Markets
Immer mehr stellt sich jetzt die Frage, wie sehr China das Emerging-Market- Universum dominieren soll. Schon heute entfallen durch in Hongkong und in den USA notierte Aktien 28% des MSCI Emerging Markets Index auf China. Wenn irgendwann alle Titel vom chinesischen Festland in den Index aufgenommen werden, kann der Anteil leicht auf über 40% steigen.

„In gewisser Weise erinnert mich dies daran, wie die USA in den 1980er und1990er- Jahren die internationalen Aktienindizes bestimmt haben“, so Lovelace. „Und wenn man dann noch Märkte wie Taiwan und Hongkong hinzunimmt, wird der Anteil Chinas noch größer. China unterscheidetsich heute grundlegend von anderen Emerging Markets. Meiner Ansicht nach sollte es einen Emerging Markets ex-China Index geben, damit die übrigen Schwellenländer die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen gebührt. Anderenfalls würde das Emerging-Market-Universum zu stark von China dominiert.“

Diskrepanz
Große Wirtschaftskraft, kleiner Indexanteil



Mit fast 3.000 Unternehmen ist der chinesische Aktienmarkt (nach Marktkapitalisierung) hinter den USA der zweitgrößte der Welt. Heute entfallen 3,1% des MSCI All Country World Index auf China.

Der Indexanbieter MSCI Inc. teilte am 20. Juni mit, dass 222 festlandchinesische Unternehmen in den viel beachteten MSCI Emerging Markets Index aufgenommen werden. Die Aktien werden damit für Einzelwertexperten und Indexfondsanbieter relevanter. Milliarden von Dollar dürften jetzt in den Markt fließen.

Bis zum September 2018 werden diese Large Caps aber gerade einmal 0,73% des MSCI Emerging Markets Index ausmachen. Ausgewählt wurden sie, weil man über ein spezielles Kaufprogramm in sie investieren kann. Das 2014 eingeführte System verbindet die Börse in Hongkong mit den Festlandbörsen. Langfristig könnten aber durchaus mehr festlandchinesische Aktien in den Emerging Markets Index aufgenommen werden, vor allem, wenn die chinesischen Aufsichtsbehörden strengere Corporate- Governance-Vorschriften erlassen – und damit die Standards der Industrieländer erfüllen und Investoren den Marktzugang erleichtern. Diese Punkte standen der Aufnahme Chinas in den Index lange im Wege.

Mit der Aufnahme von A-Shares in den Index könnte der Markt weiter liberalisiert werden
Seit Jahren bremsen mangelnde Marktliquidität, intransparente Unternehmensführung sowie aufsichtsrechtliche und kulturelle Barrieren Anlagen in China.
Letztlich ist der chinesische Aktienmarkt die Summe seiner Teile: Technologie- unternehmen wie Tencent und Alibaba sind multinationale Konzerne, die sich an Branchenriesen wie Google und Facebook messen. Es gibt aber auch mittelgroße, weitgehend private Unternehmen – und schließlich die staatlichen Mischkonzerne, die den Löwenanteil des A-Share-Marktes ausmachen.

Mit der Aufnahme in den Index dürfte der chinesische Markt genau unter die Lupe genommen werden
„2002 begannen wir, chinesische A-Shares zu analysieren – und seit 2009 investieren wir in sie“, erinnert sich Lisa Martinez, Assistant Vice President der Capital Group. Sie gehört zu einem Team, das die operativen Probleme beim Eintritt in einen neuen Markt analysiert. „Aufgrund der Unsicherheit über die Besteuerung von Kursgewinnen haben wir erst 2006 bei den Aufsichtsbehörden den Markteintritt beantragt. Damalswar das sehr mühsam. Ich finde, dass sich aufsichtsrechtlich eine Menge zum Besseren verändert hat.“

Der chinesische Aktienmarkt ist der zweitgrößte hinter den USA
Die größten Aktienmärkte der Welt nach Marktkapitalisierung, Billionen USD



Es gibt Grund zur Hoffnung, dass die Deregulierung mit der Aufnahme von A-Shares in den Index Fortschritte macht. Wenn mehr internationales Kapital in chinesische Inlandsaktien fließt, könnten Aufsichtsbehörden und Unternehmen eher bereit sein, die in den Industrieländern üblichen Standards für Börsen und börsennotierte Unternehmen zu erfüllen.

MSCI schätzt, dass die erste Welle festlandchinesischer Aktien etwa 17 Milliarden US-Dollar ausländisches Kapital ins Land spült. In zehn Jahren könnten A-Shares nach Schätzungen einiger Broker für Mittelzuflüsse von 400 bis 500 Milliarden US-Dollar sorgen.

„Mit der wachsenden Zahl internationaler Investoren dürfte sich die Corporate Governance in China langfristig verbessern. Mit der Aufnahme von A-Shares in die MSCI-Indizes dürften das Handelsvolumen steigen und sich die Markttransparenz verbessern“, meint unser Portfoliomanager Steve Watson.

Ein echter Markt für Einzelwertexperten
„Der chinesische A-Share-Markt ist zwei- geteilt“, meint Shaw Wagener, Portfolio- manager bei der Capital Group. Wagener analysiert China seit 25 Jahren vor Ort.
„Bei vielen Unternehmen, die wir besucht haben, kann die Qualität der Geschäftsleitung nicht mit der Qualität der Unternehmen selbst Schritt halten. Doch jedes Mal, wenn ich nach China komme, sehe ich, dass sich der Abstand verringert hat. Der Markt hat eine Menge zu bieten. Es gibt Qualitätsunternehmen aus einer Vielzahl von Branchen. Insbesondere im Technologiesektor habe ich viele börsennotierte Unternehmen besucht, die international wettbewerbsfähige Produkte herstellen“, sagt Wagener.
„Mit der Eröffnung unserer Pekinger Niederlassung 2009 haben wir unser Vor-Ort-Research ausgebaut. In der Niederlassung arbeiten sieben Branchen- experten mit unterschiedlichen Erfahrungen und Ausbildungen“, sagt Susan Dietz-Henderson, Direktorin China bei der Capital Group.

„In Zukunft wird das Team noch tiefere Analysen erstellen, um sich ein genaues Bild vom investierbaren A-Share-Universum zu machen. Zunächst werden wir das Universum reduzieren und Firmen ausschließen, die unsere Anlagekriterien nicht erfüllen“, so Dietz- Henderson. „Wenn sich der Vorhang jetzt öffnet und wir Unternehmen systematisch analysieren, wird dies für unseren Entscheidungsprozess von enormem Nutzen sein.“

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