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17.11.2017 | 12:32

Capital Group: Die Globalisierung verlang einen anderen Investmentansatz

Der rasche technische Fortschritt, Freihandelsabkommen und der Aufstieg multinationaler Unternehmen in den Emerging Markets haben die Struktur der Weltwirtschaft verändert. Die Aktienportfoliomanagerin Jody Jonsson ist daher der Ansicht, dass man Portfolios nicht mehr nach Regionen aufteilen sollte.

Veränderungen und die Welt von morgen

Die Globalisierung und der offene Welthandel haben große Bedeutung für die Anlagemöglichkeiten. Unternehmen mit Hauptsitz in Europa, Japan und den USA erzielen nicht mehr zwangsläufig den Großteil ihrer Umsätze an ihrem Heimatmarkt. Früher war dies anders.

Hinzu kommt der Aufstieg von Ländern wie China, Indien und anderen Emerging Markets, ebenfalls mit großen Folgen für die Weltwirtschaft und Unternehmen in den Industrieländern.

Beispielsweise erzielen die S&P-500-Unternehmen heute etwa 37% ihrer Umsätze außerhalb der USA, und die zehn größten Unternehmen des MSCI Europe Index erwirtschaften etwa 69% des Umsatzes außerhalb Europas, nicht zuletzt wegen des schwächeren Wirtschaftswachstums in ihrer Heimatregion und der besseren Chancen im Ausland.

Wer also wissen will, wie stark sein Portfolio in die Weltwirtschaft investiert ist, sollte darauf achten, wo die Unternehmen ihre Umsätze erzielen. Dies ist wesentlich praxisnäher und aussagekräftiger, als einfach nur auf das Sitzland eines Unternehmens zu achten.

Als einzelwertorientierter Investor nutze ich dieses Konzept, um mein Anlageuniversum auszuweiten. Ich kann weltweit nach Unternehmen aus einer bestimmten Branche Ausschau halten und dann die auswählen, denen ich das stärkste Wachstum zutraue – unabhängig vom Land ihrer Börsennotierung.

Von Gütern zu Gigabytes

Früher glaubten viele Investoren, dass multinationale Unternehmen vor allem große Rohstoff- oder Schwerindustriekonzerne seien. Doch jetzt entstehen sehr schnell viele neue Unternehmen. Im 20. Jahrhundert nahm der Austausch von Gütern und Industrierohstoffen massiv zu; im 21. Jahrhundert gilt dies für die Digitalisierung von Dienstleistungen und die zunehmende Automatisierung der Industrie.

Die Wissensgesellschaft, also der digitale Handel, gewinnt an Dynamik. Dadurch entsteht eine neue Form internationaler Unternehmensriesen, die Ideenunternehmen. Denken Sie etwa an Amazon oder die Google-Mutter Alphabet. Solche Unternehmen sind kreativ, geschickt und gut vernetzt. Sie nutzen die Technologie zu ihrem Vorteil.



Durch das Internet gibt es keine echten Grenzen mehr. Die Organisation der Unternehmen und der Konsum ihrer Güter verändern sich dadurch grundlegend. Produkte können sich schnell am Markt durchsetzen, und die Vertriebskosten halten sich in Grenzen. Geliefert wird nämlich über das Smartphone oder das Tablet.

Da überrascht es nicht, dass heute ganz andere Unternehmen zu den weltweit wertvollsten zählen als noch im Jahr 2007. Heute dominieren Technologieunternehmen den Index und nicht mehr die früheren Platzhirsche aus den Branchen Öl, Finanzen und Industrie.

Die Globalisierung bleibt

Wenn die Grenzen verschwimmen, muss man weltweit investieren können – denn die Investoren wollen von der Globalisierung profitieren. Das Wachstum des FTSE Multinationals Index spiegelt den Anstieg des Welthandels seit den 1990ern wider. Die Indexunternehmen müssen über 30% ihres Umsatzes außerhalb ihrer Heimatregion erwirtschaften. 1994 waren dies 427 Firmen, heute sind es 715.
Trotz der jüngsten protektionistischen Rhetorik ist es kaum vorstellbar, dass die Globalisierung zurückgeschraubt wird. Sie ist grundlegend für das Geschäft vieler Unternehmen, für die Lieferketten und für die Produktherstellung. Ein klassisches Beispiel ist Apple. Der Konzern hat Zulieferer in 30 Ländern, und er nutzt die Internationalität zu seinem Vorteil – indem er Zulieferer auswählt, die kostengünstig Bauteile herstellen können, die die Qualitätsansprüche erfüllen.

Im Laufe der Jahre sind auch viele etablierte Unternehmen wie Unilever, Nestlé und Coca-Cola ihren Endmärkten näher gekommen. Sie haben ihr Geschäft dezentralisiert, um wesentlich lokaler zu werden. So können sie die lokalen Märkte besser verstehen und besser mit der größeren Zahl inländischer Firmen konkurrieren.


In Zukunft dürfte sich der Welthandel weiterentwickeln, durch eine zunehmende Digitalisierung und eine hohe Wahrscheinlichkeit neuer Handels-, Zoll- und Steuervorschriften in vielen Teilen der Welt.

Natürlich ist dieses Umfeld nicht für alle internationalen Unternehmen von Vorteil. Um mögliche Gewinne zu finden, benötigt man daher Fundamentalanalysen.

Ich investiere mittlerweile seit fast 30 Jahren in internationale Unternehmen. Nach meiner Erkenntnis haben die erfolgreichen unter ihnen meist innovative Geschäftsleitungen, vielfältige Umsatzquellen und stabile Finanzen. Auf diese Dinge achte ich, denn die Globalisierung erreicht eine neue Dimension.

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