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Fonds im Fokus

02.06.2017 | 11:26

AXA: Das Pfund dürfte nach den Wahlen in Großbritannien schwächeln

Die Ankündigung vorgezogener Neuwahlen in Großbritannien durch Theresa May war überraschend – in Bezug auf das Wahlergebnis erwartet David Page, Ökonom bei AXA Investment Managers, dagegen keine großen Überraschungen. Dennoch könnte es nach der Wahl am 8. Juni zu Bewegung an den Finanzmärkten kommen.

„Die regierenden Konservativen dürften ihre Mehrheit deutlich ausbauen“, kommentiert Page. „Eine starke Marktreaktion ist aber unwahrscheinlich. Wir rechnen mit einer erneuten Pfundschwäche in den folgenden Monaten, da wir die derzeitigen Brexit-Erwartungen für zu optimistisch halten. Britische Staatsanleihen dürften von einer größeren Mehrheit der Konservativen profitieren.“ Dennoch könne es innenpolitisch durchaus zu Überraschungen kommen. Page hat vor allem drei Risiken für sein Basisszenario eines deutlichen Wahlsieges der Konservativen identifiziert:

1. Die politischen Ziele der Konservativen

Der jüngste Meinungswechsel bei der Finanzierung der Altenpflege führte den Slogan von der „starken und stabilen Regierung“ Page zufolge ad absurdum. Folgerichtig ließ er den Vorsprung der Tories in den Meinungsumfragen beträchtlich schrumpfen.

2. Die überraschende Stabilität von Labour

Zwar wurde das Labour-Wahlprogramm als „so weit links waren wir seit den 1970er-Jahren nicht mehr“ bezeichnet, doch hat das der Partei offenbar nicht geschadet: Sie hat seit der Veröffentlichung in den Umfragen weiter aufgeholt.

3. Die EU-freundlichen Liberaldemokraten

Die liberaldemokratische Partei konnte sich zuletzt von ihrem Tief des Jahres 2015 erholen. „Sie könnte EU-freundliche Mitte-Links-Wähler und damit zusätzliche Sitze gewinnen“, erläutert Page.

Trotz dieser Unwägbarkeiten schätzt der Ökonom allerdings die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Konservativen ihre Mehrheit auf mindestens 40 Sitze ausbauen, auf 70 Prozent. Dieses Basisszenario wäre Page zufolge günstig für britische Staatsanleihen. „In unserem Hauptszenario gehen wir von mehr politischer Flexibilität und Willen aus, das Haushaltsdefizit nachhaltig anzugehen“, erklärt Page. „Renditen und Spreads dürften dadurch niedrig bleiben, trotz des Risikos einiger überraschender Entwicklungen.“

Zugleich sinke auch das Risiko eines chaotischen Brexits. „Der geringere Einfluss der Brexit-Hardliner in der neuen Regierung und der größere zeitliche Abstand zwischen Brexit und den nächsten Wahlen machen eine Übergangsvereinbarung wahrscheinlicher“, so Page weiter. „Das rechtfertigt auch einen Teil der jüngsten Pfundstärke.“ Dennoch hält der Ökonom den Höhenflug der Währung seit der Bekanntgabe der vorgezogenen Neuwahlen insgesamt für übertrieben: „Zwar halten wir einen chaotischen Brexit jetzt für unwahrscheinlicher, doch besteht das Risiko nach wie vor. Des Weiteren rechnen wir mit schwierigen Verhandlungen und erwarten daher für die kommenden Monate ein schwächeres Pfund. Dazu dürfte auch die wirtschaftliche Entwicklung beitragen.“

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