29.11.2011 | 13:47
Vertrauensverlust als Gift-EZB muss aktiver werden
Um die Krise zu stabilisieren, müsste die Europäische Zentralbank in größerem Umfang Anleihen finanziell angeschlagener Staaten kaufen, und Europa müsste sich auf eine Fiskalunion hinbewegen.
Die Zinsen der peripheren Länder der Eurozone stiegen im November wieder deutlich an, jene für zweijährige italienische Staatsan Leihen sogar auf über 7, 5 Prozent. Wir erinnern uns: Das nachhaltige Zinsniveau, bei dem die italienischen Staatsschulden konstant bleiben, Liegt bei rund 3,5 Prozent. Eine besorgniserregende neue Entwicklung ist, dass sich die Krise immer deutlicher auf die Euro-Kernländer Frankreich, Österreich und Deutschland ausweitet. Frankreich muss mittlerweile gegenüber Deutschland einen Zinsaufschlag von rund 200 Basispunkten hinnehmen. Aber auch in Deutschland steigen die Zinsen langsam an. Noch ist unklar, ob das Land -der letzte verbleibende "sichere Hafen" in der Eurozone -ebenfalls infiziert wurde. Ganz ausschließen lässt sich dies nicht.
Warum spitzt sich die Situation seit einigen Monaten zu? Sind etwa die Staatsschulden oder die Haushaltsdefizite in dieser kurzen Zeit gestiegen? Der Hauptgrund Liegt darin, dass die Märkte kein Vertrauen in die Lösungsvorschläge der europäischen Entscheidungsträger haben. Diskussionen um einen Bankrott Griechenlands und einen drohenden Totalverlust auf griechischen Staatspapieren -von der Politik fast schon als unausweichlich dargestellt -bestärken die Marktteilnehmer in ihrem Pessimismus. Das ist kaum verwunderlich: Vor nicht allzu langer Zeit. bei der Einführung des Euro, hatte man schließlich versprochen, kein Land bankrottgehen zu Lassen. Entsprechend sahen die Basel-li-Vorschriften auch nicht vor, dass die Banken beim Kauf von Anleihen der Eurostaaten Eigenmittel hinterlegen müssten. Vor diesem Hintergrund mutet der sogenannte "freiwiLLige" Verzicht der Banken beim griechischen Schuldenschnitt besonders grotesk an.
Die immer offener erörterte Möglichkeit einer Pleite Griechenlands wirft die Frage auf, was wohl geschehen würde, wenn ein großes Land in Schwierigkeiten geriete. In einem solchen Falle dürften erst recht Eigentumsrechte verletzt werden. Derlei Erwägungen führen zu einem weiteren Vertrauensverlust und treiben die Zinsen in den europäischen Ländern in die Höhe.
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