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13.08.2014 | 11:36

Bellevue: Marokkos Wirtschaft erwacht zu neuem Leben

Afrika-Experte Malek Bou-Diab, reiste nach Marokko und Tunesien, von wo er weiterführende Informationen über interessante Investitionsmöglichkeiten mitbrachte.

Afrika-Experte Malek Bou-Diab, Lead Portfolio Manager des BB African Opportunities Fonds besucht den afrikanischen Kontinent regelmässig. Die jüngste Reise führte ihn nach Marokko und Tunesien, von wo er weiterführende Informationen über interessante Investitionsmöglichkeiten mitbrachte. Während seiner zweiwöchigen Reise sprach Bou-Diab mit Regierungsvertretern und Wirtschaftsexperten, um sich einen aktuellen Überblick über die beiden Länder zu verschaffen.

Probleme mit dem EU- Freihandelsabkommen
Mit einem BIP-Wachstum von rund 4% entwickelt sich Marokkos Wirtschaft erfreulich, doch gibt es auch Schattenseiten. In erster Linie beklagt das Land eine zu grosse Abhängigkeit von der EU: Die Investitionen aus Europa haben nachgelassen, die Touristenzahlen gehen zurück und die im EU-Raum arbeitenden Marokkaner schicken weniger Geld nach Hause. Auch das Freihandelsabkommen mit der EU bereitet Marokko Sorgen, da etwa spanische und portugiesische Agrar- und Baufirmen ihre Produkte offensiv im Land verkaufen. So wird in Marokko spanisches Olivenöl abgesetzt, das von der EU mit einem Euro pro Liter subventioniert wird. Marokko sucht daher seine Abhängigkeit von der EU zu reduzieren und seine Exportaktivitäten auf andere Wirtschaftsregionen auszurichten. Dafür hat es insbesondere den Handel mit seinen stark wachsenden Nachbarländern im frankophonen Westafrika intensiviert. Der marokkanische König besuchte unlängst zahlreiche Länder im westlichen Subsahara-Afrika, um mit ihnen Handelsverträge für grössere und längerfristige Investitionen abzuschliessen. Auch die Golfstaaten tätigen mittlerweile vermehrt Investitionen in Marokko und kompensieren dadurch die fehlenden EU-Investitionen. Nicht zu Unrecht wird Marokko von allen Seiten als fairer Handelspartner angesehen.

Neben Bemühungen zur Diversifikation der Handelspartner wurden weitere zentrale Strukturreformen umgesetzt: Die marokkanische Regierung hat die niedrige Inflationsrate von rund 2.5% zum Anlass genommen, die Treibstoffsubventionen in zwei Etappen deutlich zu reduzieren. Abgesehen von Diesel wird heute kein Treibstoff mehr subventioniert. Die Sparmassnahmen entlasten den Haushalt und Teile der freien Mittel fliessen jetzt in den Infrastrukturbereich, wo derzeit zahlreiche Bauprojekte, etwa im sozialen Wohnbaubereich, realisiert werden. Nach 20 Jahren vergeblicher Bemühungen scheint Marokko nun endlich ein Modell für die erfolgreiche Realisierung von Billigwohnungen gefunden zu haben. Der Bedarf an erschwinglichem Wohnraum für die breite Bevölkerung dürfte in den kommenden Jahren erstmals gedeckt werden und zur sozialen Stabilität im Land beitragen.

Sektorielle Strukturbereinigungen
Erfreulich entwickelt sich auch der Agrarbereich: Der Plan „Maroc Vert“ zielt darauf ab, mittels intelligenter Strategien und der Einführung neuer Technologien den Agrarsektor nachhaltig und erfolgreich zu reformieren. Dabei werden Produktionsineffizienzen bereinigt und die Produktion auf höherwertige Agrarprodukte strukturell neu ausgerichtet. Bis 2020 soll mit diesen Massnahmen der Mehrwert des Sektors mehr als verdoppelt werden. Auch im Industriesektor wurden über staatlich-private Joint Ventures moderne Fertigungsstätten errichtet, so zum Beispiel im Automobilbereich über die Re- Malek Bou-Diab Portfolio Manager Renault-Nissan Allianz. Das in Tanger domizilierte Werk, welches jährlich rund 400 000 Fahrzeuge herstellt, gilt zudem als weltweit erstes Automobilwerk, welches nahezu CO2-neutral produziert. Zu den jüngsten Erfolgsgeschichten zählen auch zahlreiche Neuansiedlungen von Zulieferfirmen im Flugzeugbau, die nicht nur von den neu gestalteten marokkanischen Freihandelszonen, sondern auch von den modernen Ausbildungseinrichtungen für die Luftfahrtindustrie profitieren. Auf der anderen Seite zeigt sich die Regierung aber auch gewillt, Strukturbereinigungen in nicht-kompetitiven Sektoren zuzulassen, so sind etwa aufgrund höherer Mindestlohnvorgaben in der Textilindustrie rund 250 000 Arbeitsplätze nach der Schliessung unrentabler Betriebe abgebaut worden. Diese Beispiele verdeutlichen einen mentalen Richtungswechsel, wonach sich das Land nicht mehr an alte Traditionen klammert, sondern marktwirtschaftliche Herausforderungen proaktiv angeht. Einziger Wermutstropfen: Noch immer werden rund 30% der Wirtschaft im informellen Bereich abgewickelt und damit weder offiziell erfasst noch besteuert. Diese Aktivitäten sollen künftig Schritt für Schritt in den formellen Bereich überführt werden. In zahlreichen Gesprächen mit Vertretern der Politik vermochten wir einen breiten Konsens zu weiteren Reformfortschritten in dieser Richtung auszumachen.

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