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Fonds im Fokus

23.11.2015 | 16:14

Schroders: Werden sich die Zinssätze noch zu unseren Lebzeiten "neutralisieren"?

Seit nunmehr fast zehn Jahren hält die wirtschaftliche Unsicherheit die Zentralbanken der Industrieländer von Zinserhöhungen ab. Wann werden die Zinsen endlich steigen und werde ich es noch erleben, dass sich der Zins wieder den Wachstumsraten des BIP angleicht („neutralisiert“)?

Was preist der Markt ein?

Nach den aktuellen Kursen müsste die Rückkehr zu einem „neutralen“ Niveau – d. h. Gleichstand von Nominalzins und BIP-Wachstumsrate eines Landes – noch über 20 Jahre auf sich warten lassen.

Im Falle Europas und Japans werden die Zinssätze nie wieder an diesen Neutralwert herankommen, wenn man von den derzeitigen Marktpreisen ausgeht. Und in den USA und Großbritannien werden einige von uns schon in Rente oder gestorben sein, ehe wir an diesen Punkt kommen.

Der Realzins klammert die Inflation aus und spiegelt so die tatsächlichen Kosten eines Kreditnehmers (oder die Realrendite eines Anlegers). Er entspricht dem Nominalzins unter Abzug der Inflation.

In den USA und in Großbritannien liegt der Realzins aktuell bei oder um 0 %; in Europa und Japan bewegt er sich im Minusbereich. Ausgehend von der Markteinpreisung der künftigen Inflation sowie der Zinssätze, dürfte der Realzins allerdings in den kommenden zwölf Monaten überall negativ sein. Das verweist auf die Erwartung eines Inflationsanstiegs ohne Gegensteuerung durch höhere Zinssätze.

Mit anderen Worten: Die Zinssätze bleiben rund um den Globus unverändert.

Wann kommt der Zins in den neutralen Bereich?

Der Markt geht davon aus, dass sich die Lage in den USA in drei Jahren etwas verbessert, in Europa und Japan aber gleich bleibt oder sich sogar leicht verschlechtert. Auf längere Sicht gesehen sind sich die meisten Anleger einig, dass Zins und Inflation steigen. Doch die große Frage ist: Wann erreichen wir wieder neutrales Terrain?

Wie bereits angeführt, spricht man beim Zins dann von neutral, wenn der Nominalzins dem jährlichen Anstieg der Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. Geht man für Großbritannien von 3 % BIP-Wachstum aus und legt das Inflationsziel der englischen Notenbank (2 %) als durchschnittliche Inflationskomponente zugrunde, wäre der neutrale Zinssatz entsprechend 1,0 %.

Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg – daran lassen die aktuellen Marktprognosen keinen Zweifel.

Neutraler Zins noch zu meinen Lebzeiten?

Die Antwort lautet ja, wenn man zwischen 30 und 40 ist. Aber nach diesen Schätzungen hätte man immer noch genügend Zeit, Kinder in die Welt zu setzen und zu sehen, wie sie Schule und Studium abschließen und zwischendurch noch ein Jahr Auszeit nehmen, ehe die Zinssätze wieder auf neutralem Stand wären.

Angesichts geringer Arbeitslosigkeit, optimistischerer Perspektiven bei Unternehmen und Konsumenten in den USA sowie Großbritannien und positiver Konjunktur, sind die Marktprognosen viel zu pessimistisch. Hierin sind Zinssteigerungen nicht angemessen eingepreist.

Doch wenn die festgefrorene Änderungsquote nicht mit dem wirtschaftlichen Hintergrund übereinstimmt, könnte sie letztendlich auch im Widerspruch stehen zu dem Schrittmaß, mit dem die Zentralbanken letztendlich den Zins erhöhen müssen.

Anleiheinvestoren sollten sich für die Zukunft auf mehr Volatilität einstellen.

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stammen von Michael Lake und stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar.