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Fonds im Fokus

06.12.2017 | 13:54

Schroders: Renteneintrittsalter steigt weltweit

Das gesetzliche Renteneintrittsalter steigt auf der ganzen Welt. Wir vergleichen den Anstieg in verschiedenen Ländern und erläutern, wie ein vorzeitiger Ruhestand weiterhin möglich ist.

Das gesetzliche Renteneintrittsalter steigt auf der ganzen Welt. In den meisten Ländern wird der Zeitpunkt, ab dem die Inanspruchnahme von Leistungen möglich sind, in den kommenden Jahrzehnten auf ein Alter von 67 Jahren angehoben.

Einige Regierungen gehen sogar noch offensiver vor. Großbritannien und Irland werden das Alter auf 68 Jahre anheben, und die britische Regierung hat darauf hingewiesen, dass weitere Anhebungen des Renteneintrittsalters unvermeidlich sein werden.

Das am weitesten verbreitete Modell in den meisten Industrieländern – Einstieg in die Berufstätigkeit mit 18 bis 21 Jahren und Eintritt in den Ruhestand zwischen 60 und 65 Jahren – erscheint nicht mehr tragbar, da die Regierungen damit zu kämpfen haben, ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen den Pensionsverpflichtungen und der angespannten Lage der Staatshaushalte herzustellen.

Warum staatliche Renten in Zukunft weniger großzügig ausfallen werden

Auch die steigende Lebenserwartung hat eine wesentliche Rolle bei dieser Entwicklung gespielt. Nach Angaben der Weltbank ist die Lebenserwartung bei der Geburt in Großbritannien in den vergangenen 30 Jahren von 75 auf 82 Jahre gestiegen.

Mit einem wachsenden demografischen Ungleichgewicht durch die geringere Anzahl von Arbeitnehmern, die auf einen Rentner kommt, stellt sich zusätzlicher Druck ein. Dies ist nicht allein auf eine längere Lebensdauer zurückzuführen: In den meisten westlichen Ländern ist ein Trend zu sinkenden Geburtenraten zu beobachten.

In der Regel liegt die Fertilitätsrate, die für die Aufrechterhaltung einer bestehenden Bevölkerung erforderlich ist, bei 2,1 Kindern pro Frau.

Den jüngsten Daten zufolge liegt der Durchschnitt in den 35 Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei 1,7. Viele Länder, darunter Deutschland, Japan und Spanien, weisen eine Fertilitätsrate von 1,5 oder darunter auf.

Das bedeutet, dass sich das Verhältnis von Arbeitnehmern zu Anspruchsberechtigten – d. h. denjenigen, die keinen wirtschaftlichen Beitrag leisten – reduziert hat und über Jahrzehnte weiter sinken wird.

Durch das Zusammenwirken dieser Faktoren sind die Pensionsverpflichtungen der Regierungen drastisch gestiegen. Parallel dazu geriet ihre Fähigkeit unter Druck, diese zu finanzieren.

Aus diesem Grund blieb den Regierungen kaum eine andere Möglichkeit, als das staatliche Rentenalter zu erhöhen. Dies wiederum hat Auswirkungen auf viele private Renten, die in der Regel das staatliche Rentenalter als Maßstab zugrundelegen.

Lesley-Ann Morgan, Head of Retirement bei Schroders, meint hierzu: „Die Lebenserwartung hat sich in allen Ländern der Welt stetig erhöht. Diese Entwicklung vollzieht sich bereits seit Jahrzehnten, doch das reguläre Renteneintrittsalter – das Alter, in dem die Menschen staatliche Unterstützung erhalten können – hat sich kaum verschoben. Ein Ruhestand mit 65 Jahren oder sogar darunter bleibt die Norm.

Vielen westlichen Nationen, in denen die Renten tendenziell am höchsten sind, droht angesichts dieser tickenden Zeitbombe nun ein böses Erwachen. Diese Systeme sind möglicherweise in einigen Ländern nicht mehr bezahlbar, wenn keine Anpassungen vorgenommen werden. Der einfachste Weg, sie erschwinglicher zu machen, besteht darin, Änderungen in Bezug auf das künftige Rentenalter vorzunehmen. Aus diesem Grund sind in diesem Zusammenhang in den vergangenen Jahren auch eine Vielzahl von Aktivitäten zu beobachten.“

Was wird Ihr gesetzliches Renteneintrittsalter sein?

Der steigende Trend ist nahezu universell. Viele Länder haben bereits das Renteneitnrittsalter angehoben, und dies am häufigsten für Frauen.

Die folgende Tabelle zeigt das jeweilige aktuelle und geplante reguläre Rentenalter – den Zeitpunkt, an dem ein Bezug von staatlichen Rentenzahlungen möglich ist – in einer Reihe von Ländern rund um die Welt. In einigen Ländern existieren Frühverrentungsmöglichkeiten basierend auf bestimmten Kriterien, die nicht dargestellt werden; und in einigen bestehen gewisse Voraussetzungen für den regulären Eintritt in den Ruhestand. Alle derzeitigen Renteneintrittsalter, bei denen eine steigende Tendenz zu beobachten ist und die in der Jahresmitte liegen, wie 65 Jahre und sechs Monate bei Australien oder 65 Jahre und 5 Monate bei Spanien, wurden entsprechend auf- oder abgerundet.

Renteneintrittsalter rund um die Welt

Land Aktuelles Rentenalter
(m/w, sofern unterschiedlich)
Zukünftiges Rentenalter Anmerkungen
GB 65/64 68 (2037)
Deutschland 65 67 (2029)
Frankreich 62 67 (2023)
Italien 67/66 67+ (2022) Bindung an Lebenserwartung
Spanien 65 67 (2027)
Portugal 66 66 Bindung an Lebenserwartung
Luxemburg 65 65
Belgien 65 67 (2030)
Niederlande 66 67+ (2022) Bindung an Lebenserwartung
Hongkong 65 65
Japan 62 65 (2025)
Singapur 62 62 Wiederbeschäftigung möglich bis zu 67
Indonesien 56 65 Anstieg auf 57 im Jahr 2019.
Anstieg um 1 Jahr alle 3 Jahre, Ende bei 65
USA 66 67 (2027)
Kanada 65 65
Australien 66 67 (2023)
Südafrika 60 60 Bedarfsorientiert.
(Alleinstehende: Vermögenswerte in Höhe
von weniger als 1.056.000 Rand;
Einkommen in Höhe von 73.800 Rand)
Dänemark 65 67+ (2025) Bindung an Lebenserwartung
Schweden 65 65
Schweiz 65/64 65 (2020) Abstimmung über Angleichung per
Volksentscheid
Irland 66 68 (2028)
Finnland 65 65+ (2030) Bindung an Lebenserwartung
Österreich 65/60 65 (2034) Anstieg ab 2024
Norwegen 67 67 (2034)

(Quellen: Finnische Rentenanstalt, Mercer, Schroders. Jahre werden auf- bzw. abgerundet, wenn eine Änderung zur Jahresmitte gegeben ist.)

Wie in der Tabelle dargestellt, haben einige Regierungen, die das Alter an die Lebenserwartung gebunden haben, Schätzungen dahingehend vorgelegt, wie sich dies auf der Grundlage bestimmter Daten in den nächsten Jahrzehnten auf das reguläre Rentenalter auswirken wird. In der weiteren Zukunft könnte das Alter noch wesentlich höher steigen. Die finnische Rentenanstalt, die Quelle für einige der Daten, geht davon aus, dass Dänemark bis 2050 das höchste staatliche Rentenalter haben wird – mit rund 72 Jahren.

Viele Länder werden sich zu diesem Zeitpunkt aller Voraussicht nach einem Rentenalter von 70 Jahren annähern, auch wenn die Pläne derzeit noch nicht gesetzlich festgelegt sind. Deutschland plant zum Beispiel eine Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre bis 2029. Allerdings merkte die Deutsche Bundesbank im vergangenen Jahr an, dass diese Erhöhung unzureichend sein wird. Sie schlug eine weitere Erhöhung auf 69 Jahre vor.

Das britische Beispiel

Die Entwicklung in Großbritannien ist ähnlich. Mittlerweile gehen nun die letzten Rentner in den Ruhestand, die ihre staatliche Rente in einem Alter von 65 Jahren in Anspruch nehmen können. Bis 2020 wird das Rentenalter auf 66 Jahre, bis 2028 auf 67 Jahre und bis 2037 auf 68 Jahre festgesetzt. Wie in vielen anderen OECD-Ländern wird zudem das Renteneintrittsalter von Frauen, für die in der Regel noch ein niedrigeres Rentenalter gilt, vereinheitlicht.

Der Anstieg des Rentenalters könnte jedoch vorgezogen werden. Die Regierung hat eine politische Maßnahme angekündigt, die darauf abzielt, den britischen Bürgern zu ermöglichen, 33,3 Prozent ihres Erwerbslebens im Ruhestand zu verbringen. Unter dieser Prämisse verstehen sich die bislang skizzierten Anstiege des Rentenalters und die Vorziehung der Erhöhung des Rentenalters auf 68 Jahre schon ab 2037 bis 2046, die im vergangenen Monat angekündigt wurde.

Doch die britische Regierung könnte sogar noch weiter gehen. Ein Bericht des britischen Ministeriums für Arbeit und Renten (Department for Work and Pensions) aus diesem Jahr sprach von einem „32-Prozent-Szenario“. Im Rahmen dieses Szenarios könnte das staatliche Rentenalter bereits im Jahr 2054 bei 70 Jahren liegen. Mit anderen Worten würden alle, die heute unter 30 Jahre alt sind, bis zu einem Alter von 70 Jahren erwerbstätig sein.

Doch selbst diese Schätzungen könnten zu konservativ sein.

Es wird erwartet, dass die Kosten für die Finanzierung der britischen staatlichen Rente in den nächsten 50 Jahren steigen werden, was zum Teil auf der höheren Lebenserwartung beruht. Schätzungen zufolge wird einer von drei der heute Geborenen seinen hundertsten Geburtstag erleben.

Das Office for Budget Responsibility geht davon aus, dass die Kosten für die staatliche Rente von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den Jahren 2021–22 auf 7,1 Prozent des BIP in den Jahren 2066–67 ansteigen werden. Die britische Regierung ist bereits hoch verschuldet, und die Höhe der Schulden entspricht 90 Prozent des BIP.

Es lässt sich daher absehen, dass diese Faktoren einen wesentlich schnelleren Anstieg des staatlichen Rentenalters erzwingen oder aber Druck auf die Regierung ausüben werden, die Höhe der Rentenzahlungen weniger großzügig ausfallen zu lassen.

Es sollte zudem darauf hingewiesen werden, dass auch das „private Rentenalter“ – das Alter, ab dem auf eigene Altersvorsorgerücklagen zugegriffen werden kann – in Großbritannien voraussichtlich steigen wird. Derzeit ist es auf 55 Jahre festgesetzt, doch es gibt Pläne, es zehn Jahre unterhalb des steigenden gesetzlichen Rentenalters anzusetzen, was bedeuten würde, dass es sich bis 2057 auf 58 Jahre erhöhen würde.

Neben dem steigenden Renteneintrittsalter besteht eine weitere Frage darin, ob die regelmäßigen Beitragszahlungen in Zukunft unzureichend sein werden. Großbritannien verfügt bereits über eine der niedrigsten staatlichen Renten in Europa, die auf eine maximale Summe von 159,55 Pfund pro Woche bzw. 8.297 Pfund pro Jahr beschränkt ist.

Auch anderweitige Zusagen könnten ausgehöhlt werden. So könnte das Versprechen, die Renten in Großbritannien unabhängig von der Inflation jährlich um mindestens 2,5 Prozent zu erhöhen, ebenfalls zurückgezogen werden.

Anfang dieses Jahres schlug Mark Pearson von der OECD Großbritannien vor, weniger hohe staatliche Renten für Besserverdienende in Erwägung zu ziehen. „Werden Sie angesichts dieses Drucks von den Menschen im erwerbsfähigen Alter fordern, mehr zu bezahlen, oder dass die Menschen länger arbeiten müssen, bevor sie ihre Rente beantragen können?“ äußerte er in einem Gespräch mit der „Financial Times“.

„Ein anderer Weg, eine angemessene Rente zu gewährleisten, wäre die Beschäftigung mit der Frage, ob eine Rente nur an diejenigen ausgezahlt werden sollte, die sie wirklich benötigen, um die „Tyrannei der Zahlen“ abzuschwächen. Geringere [Rentenzahlungen] für Spitzenverdiener würden Ressourcen freisetzen, die zur Erhöhung der allgemeinen Leistungen verwendet werden könnten.“

Pensionspläne weltweit

Diese Entwicklung ist auf der ganzen Welt zu beobachten, und in vielen Fällen sind die Zahlen noch wesentlich niederschmetternder.

Die Ausgangsposition für einige Länder umfasst noch größere Schulden. Die USA haben einen Schuldenstand im Verhältnis zum BIP von 106 Prozent, in Italien liegt dieser bei 133 Prozent und in Japan gar bei rund 250 Prozent.

Japan ist wohl die größte tickende Zeitbombe von allen, wobei sich nicht unmittelbar eine Möglichkeit abzeichnet, um die Situation zu entschärfen. Rund 30 Prozent der Menschen in Japan sind 65 Jahre alt oder älter, was einem weitaus höheren Anteil als in jedem anderen großen Land entspricht. Dieser Anteil wird rapide wachsen, da das Land weltweit die höchste Lebenserwartung, eine der niedrigsten Geburtenraten und vernachlässigbare Zuwanderungszahlen hat.

Sparen für eine andere Zukunft

Um einen angenehmen Ruhestand zu erzielen, wäre es für den Einzelnen ratsam, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen – sich eigene Rücklagen zu schaffen und weniger abhängig von staatlicher Unterstützung zu werden. Studien wie die Schroders Global Investor Study deuten darauf hin, dass diese Entwicklung bereits im Gange ist.

Wenn die Regierungen beginnen, ihre Rentenzahlungen zu verringern, dann verschiebt sich die Last, die Unterversorgung zu kompensieren, auf den Einzelnen.

Der Schlüssel liegt darin, so schnell wie möglich Anlagen zu tätigen, und das in möglichst großem Umfang. Beträge, die unbedeutend erscheinen, können dank des sogenannten „Zinseszinseffekts“, also der Verzinsung der Zinsen auf eine Anlage, auf lange Sicht zu erheblichen Ersparnissen anwachsen.

Berechnungen auf der Grundlage einer Anlage in Höhe von 10.000 Euro in unterschiedlichem Alter bei einer vorausgesetzten annualisierten Wachstumsrate von 6 Prozent nach Abzug von Gebühren unterstreichen diesen Punkt:

Wenn Sie im Alter von 25 Jahren 10.000 Euro investieren, dann erreicht ihre Altersrücklage bis zum Alter von 65 Jahren einen Wert von 102.850 Euro.

Investieren Sie ab einem Alter von 30 Jahren 10.000 Euro, würde diese Summe auf 76.860 Euro anwachsen.

Wenn Sie bis zum Alter von 40 Jahren warten, bis Sie mit dem Sparen beginnen, würde sich lediglich eine Summe von 42.910 Euro erzielen lassen.

Die Sparsysteme variieren weltweit, obwohl steuerliche Anreize für die private Altersvorsorge häufig zur Verfügung stehen.

Lesley-Ann Morgan von Schroders erklärt:

„Das Rentensystem jedes Landes ist einzigartig und stellt seine eigenen, spezifischen Herausforderungen an den Einzelnen.

Allerdings gleichen sich die grundlegenden Prinzipien, für die Zeit nach dem Eintritt in den Ruhestand zu sparen und dafür zu sorgen, dass diese Rücklagen ein Leben lang reichen, ungeachtet dieser Unterschiede.

Der Erfolg hängt davon ab, wie viel Sie beitragen und wann, und von der Rendite, die Sie erzielen.

Im Ruhestand bedeutet die zusätzliche Komplexität durch die unbekannte Lebenserwartung, dass eine sorgfältige Planung erforderlich ist, um sicherzustellen, dass diese Rücklagen sowohl angemessen sind als auch so lange wie möglich hinreichen.

Was das steigende staatliche Rentenalter angeht, so ist es ein Aspekt eines größeren Trends: Die Unterstützung seitens der Regierungen für Rentner wird in Zukunft weniger hoch ausfallen.

Menschen müssen selbst für einen größeren Anteil ihres eigenen Renteneinkommens sorgen. Das bedeutet, dass sie so viel sparen sollten, wie sie können, und das so früh wie möglich. Wenn Sie versuchen, dies auf effizienteste Weise unter Nutzung etwaiger Steuervergünstigungen für die private Altersvorsorge zu realisieren, dann erhöhen Sie damit die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihre Rentenziele erreichen werden.“

Die hierin geäußerten Ansichten und Meinungen stellen nicht notwendigerweise die in anderen Mitteilungen, Strategien oder Fonds von Schroders oder anderen Marktteilnehmern ausgedrückten oder aufgeführten Ansichten dar. Der Beitrag wurde am 05.12.17 auch auf schroders.com veröffentlicht.