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04.12.2015 | 16:20

Metzler: Fragezeichen beim US-Aufschwung

Das Konsumentenvertrauen fällt, und die Sparquote steigt. Der Vermögenseffekt funktioniert offensichtlich in den USA nicht mehr.

In den USA war der Konsum bisher eine der Wachstumsstützen des Aufschwungs. Zuletzt schwächte sich jedoch das Konsumentenvertrauen merklich ab, was sich auch im Dezember fortgesetzt haben dürfte, und die Sparquote stieg sogar. Der Vermögenseffekt funktioniert offensichtlich in den USA nicht mehr. In der Vergangenheit gingein Anstieg des Finanz- und Immobilienvermögens immer mit einem Rückgang der Sparquote einher. Dieser Zusammenhang ist jedoch nicht mehr zu beobachten.

Dementsprechend dürften die Einzelhandelsumsätze (Freitag) im November gegenüber dem Vormonat stagniert und somit enttäuscht haben. Hinzu kommt eine anhaltende Wachstumsbelastung durch einen zunehmenden negativen Außenbeitrag. So sind die Lohnstückkosten im dritten Quartal um etwa 3 % zum Vorjahresquartal gestiegen, und der US-Dollar hat in den vergangenen Wochen nochmals deutlich aufgewertet.

Die US-Industrie leidet demnach unter einem heftigen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Die Erzeugerpreise (Freitag) werden zweifelsohne vor diesem Hintergrund im November nur geringfügig gestiegen sein und damit ein niedriges Inflationsniveau bei den Güterpreisen signalisieren. Trotz des schwieriger werdenden Konjunkturumfelds in den USA erwarten wir für 2016 ein Wirtschaftswachstum von mehr als 2,0 %, basierend auf einem solide wachsenden Dienstleistungssektor. Das Potenzialwachstum liegt derzeit nur bei 1,5 %. Das bedeutet, dass schon bei einem monatlichen Beschäftigungswachstum von etwa 80.000 Beschäftigten die Arbeitslosenquote stabil bleibt.

Sollte die US-Wirtschaft um mehr als 1,5 % wachsen, dürften monatlich mehr als 80.000 neue Stellen geschaffen werden und die Arbeitslosigkeit in der Tendenz weiter sinken. Dadurch könnte der Lohndruck zunehmen und infolge noch stärker steigender Lohnstückkosten früher oder später auf die Kerninflation wirken. Eine steigende Inflation würde dabei überwiegend durch Preissteigerungen im Dienstleistungssektor ermöglicht werden.

Europa: Aufschwung bestätigt

Die Konjunkturdaten, etwa zur Industrieproduktion in Deutschland (Montag), Großbritannien (Dienstag), Frankreich (Donnerstag) und Italien (Freitag), dürften aufgrund merklicher Zuwächse zeigen, dass der Aufschwung nun endlich auch in den Daten zur Realwirtschaft angekommen ist – mit klaren Anzeichen einer Beschleunigung der Wachstumsrate.

Die Bank von England (Donnerstag) steht in einem gewissen Sinne vor einem Dilemma. Der heimische Arbeitsmarkt zeigt erste Anzeichen einer Überhitzung und eines steigenden Lohndrucks. Dagegen verharrt die Inflationsrate nach wie vor auf einem sehr niedrigen Niveau. Die niedrige Inflation ist eine Folge der Aufwertung des britischen Pfunds in den vergangenen Jahren.

Noch bis 2011 heizte die kräftige Abwertung des britischen Pfunds nach 2007 die Inflation maßgeblich an. Als Folge davon stieg die Kerninflation bis auf 3,5 % im April 2011. Großbritannien ist eine kleine offene Volkswirtschaft, bei der die Währung einen starken Effekt auf die Inflationsentwicklung hat. Die Bank von England kann demnach zurzeit der Überhitzung des heimischen Arbeitsmarktes nicht entgegentreten, da eine Leitzinserhöhung die Währung stärken und damit den Abwärtsdruck auf die Inflation verstärken würde. Die Bank von England muss also eine weitere Überhitzung des Arbeitsmarktes zulassen, bis sich die Inflation wieder normalisiert hat – erst dann kann sie gegensteuern. Mit diesem Abwarten riskiert sie im Endeffekt ein Überschießen der Inflation.

China: Stabilisierung auf niedrigem Wachstumsniveau

Bei den chinesischen Exporten (Dienstag) dürften sich mit einem Anstieg zum Vormonat erste Stabilisierungstendenzen abzeichnen. Die große Befürchtung ist jedoch, dass die starke Deflation der Erzeugerpreise (Mittwoch) von wahrscheinlich -6,0 % im November langsam auf die Konsumentenpreise (Mittwoch) durchschlägt, die im November noch mit 1,4 % erwartet werden. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass die chinesische Regierung die Restrukturierung der alten Industrien vorantreibt, sodass Überkapazitäten schneller abgebaut werden.

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