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30.06.2017 | 13:51

Metzler: Die erstaunliche Wiederbelebung Japans

Das Land der aufgehenden Sonne glänzt mit guten Wirtschaftsdaten .

Die Tankan-Umfrage (Montag) dürfte eine erneute Belebung der Stimmungslage in der japanischen Industrie und im Dienstleistungssektor zeigen. Fast unbemerkt erholten sich die Konjunkturdaten in den vergangenen Monaten, sodass das staatliche Cabinet Office im Juni zum ersten Mal seit sechs Monaten wieder eine Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung in Japan feststellte. Nach Einschätzung des Cabinet Office verleihen vor allem die steigenden Investitionsausgaben der Unternehmen dem Aufschwung eine größere Stabilität. Japan reiht sich damit in den synchronen globalen Konjunkturaufschwung ein.

Synchroner Aufschwung der Investitionsausgaben
Reale Bruttoanlageinvestitionen in % ggü. Vj.

Quelle: Thomson Reuters Datastream

Lange Zeit war der japanische Unternehmenssektor die Wachstumsbremse, die für die beiden verlorenen Dekaden verantwortlich war, da die Unternehmen über viele Jahre hinweg ihren Cashflow zum Schuldenabbau einsetzten anstatt zu investieren. Im vergangenen Jahr fiel die Unternehmensverschuldung jedoch auf den niedrigsten Stand seit Aufzeichnung der Daten 1965, sodass die Bilanzbereinigung abgeschlossen sein dürfte. Auch die privaten Haushalte reduzierten ihre Verschuldung moderat seit der Bubble-Ökonomie der 1980er-Jahre auf ein zuletzt unkritisches Niveau.

Bilanzbereinigung der Unternehmen abgeschlossen
in % des BIP

Quellen: Thomson Reuters Datastream, Berechnungen Metzler (Quartalszahlen); Stand: 31.12.2016


Die neue Herausforderung für die japanischen Unternehmen ist die zunehmende Knappheit an Arbeitskräften. Derzeit kommen auf jeden Bewerber im Durchschnitt knapp 1,5 offene Stellen – ein Wert, der sogar im großen Boom der 1980er-Jahre nie erreicht wurde.

Zunehmende Arbeitskräfteknappheit ohne Inflationsdruck

Quellen: Thomson Reuters Datastream, Berechnungen Metzler (Quartalszahlen); Stand: 15.5.2017

Die spannende Frage ist nun, wie sich die Arbeitskräfteknappheit auf die Löhne sowie auf den Einsatz von Robotern und neuen Technologien auswirkt. Trotz der Arbeitskräfteknappheit gibt es noch keinerlei Anzeichen für eine merkliche Beschleunigung des Lohnwachstums. Der Arbeitsmarkt muss wahrscheinlich aufgrund der tiefsitzenden Deflationserwartungen erst stärker überhitzen, bevor eine nachhaltigere Lohndynamik in Gang kommen kann. Deutlich steigende Löhne könnten sich dabei positiv auf die japanische Wirtschaft auswirken, da die Unternehmen dadurch zu einem beschleunigten Technologiewandel gezwungen wären und einen erhöhten Investitionsbedarf hätten. Vor dem Hintergrund der gegenwärtig noch schwachen Lohn- und Inflationsdynamik ist die Haltung der japanische Zentralbank abwartend; jegliche Diskussionen um einen Exit halten ihre Vertreter für verfrüht. Damit koppelt sich die japanische Zentralbank von allen anderen wichtigen Zentralbanken ab, die in Richtung des geldpolitischen Ausgangs drängen oder schon durchgegangen sind.

US-Arbeitsmarktbericht im Fokus
Der Arbeitsmarktbericht (Freitag) ist traditionell entscheidend für die Ausrichtung der Geldpolitik der Fed. Die Frühindikatoren signalisieren eine Verbesserung am US-Arbeitsmarkt im Juni gegenüber Mai. Der intensiv diskutierte Beginn einer Bilanzreduktion der Fed ab September würde damit immer wahrscheinlicher werden – trotz der daraus entstehenden Risiken für die Finanzmärkte. Der ISM-Index (Montag) und der ISM-Index für den Dienstleistungssektor (Donnerstag) dürften in etwa die Niveaus von Mai gehalten haben und damit ein stabiles und moderates Wachstum der US-Wirtschaft anzeigen.

EZB reagiert auf gute Konjunkturdaten
EZB-Präsident Draghi scheint langsam mehr Vertrauen in den Wirtschaftsaufschwung in der Eurozone zu gewinnen. Der damit verbundene moderate Anstieg der Inflation bedeutet nämlich, dass die realen Geldmarktzinsen in der Eurozone tendenziell fallen und die EZB trotz Wirtschaftsaufschwung immer expansiver in ihrer Ausrichtung der Geldpolitik wird. EZB-Präsident Draghi möchte daher Anpassungen an der Geldpolitik vornehmen, um den Wirkungsgrad der expansiven Geldpolitik stabil zu halten. Wahrscheinlich wird er erst bei der nächsten Pressekonferenz konkreter, ob die geplanten Maßnahmen das QE-Programm oder die Negativzinspolitik betreffen.

Die Konjunkturdaten der kommenden Woche dürften Draghi in seinem Optimismus bestätigen. Entsprechendes erwarten wir von den Einkaufsmanagerindizes (Montag und Mittwoch), vom Arbeitsmarktbericht (Montag) sowie von den deutschen Auftragseingängen (Donnerstag) und der Industrieproduktion aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien (Freitag).

Eine gute und erfolgreiche Woche wünscht

Edgar Walk
Chefvolkswirt Metzler Asset Management

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