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23.11.2017 | 13:30

Credit Suisse: Elektroautos - Neuer Schwung im Strommarkt

Im Kampf gegen den Klimawandel und die Luftverschmutzung soll in Europa der motorisierte Verkehr auf emissionsarme Antriebe umgestellt werden. Werner Richli, CEFA, Fund Manager, Credit Suisse geht der Frage nach, ob die Elektrizitätswirtschaft den steigenden Strom für die E-Mobilität überhaupt bereitstellen kann.

Im Gleichschritt mit der wirtschaftlichen Entwicklung nahm der Stromkonsum in Europa seit 1990 jährlich um 1.2% zu und erreichte im Jahr 2008 mit 2860 Terawattstunden2 einen vorläufigen Höhepunkt. Seither ist ein Trendumbruch und eine teilweise Abkoppelung von der wirtschaftlichen Aktivität erkennbar. So ist der Verbrauch im Jahr 2015 im EU-Durchschnitt bereits um -4% gegenüber 2008 auf 2‘740 Terawattstunden gesunken. Am stärksten war der Rückgang während dieser Zeit in Grossbritannien mit jährlich -1.7%, vor Spanien mit -1.3% und Italien -1%; und etwas weniger in Deutschland und Frankreich mit -0.3% und -0.4%. Im Gegensatz hierzu stieg das BIP in der EU während dieser Zeit jährlich um +0.5%. (2 Eurostat: Stromerzeugung, Stromverbrauch und Marktübersicht, Tabelle: nrg_105a)

Abbildung 1: Nettostromverbrauch in ausgewählten europäischen Ländern


(Quelle: eurostat, EU Energie in Zahlen, Statistisches Taschenbuch 2017, Credit Suisse)

Energieverbrauch in der EU ebenfalls rückläufig

Da E-Autos (Elektroautos) noch einen geringen Anteil der Neuzulassungen ausmachen, ist auch ihr Anteil am Stromverbrauch noch unbedeutend. Im Jahr 2015 machten die reinen E-Autos 0.4% aller EU-weiten Autoverkäufe aus; mittlerweile haben sie die 1% Marke gekappt. Nicht nur der Stromverbrauch, sondern auch der gesamte Energieverbrauch ist in Europa rückläufig. Es hat somit keine Verlagerung von Strom auf andere Energieträger stattgefunden, nahm doch im Zeitraum von 2008-2015 der gesamte Energiekonsum in der EU um -10% auf 1627 Millionen Tonnen Erdöläquivalente3 ab, wodurch der Anteil von Strom an der gesamten Energiebilanz von 11.1% im Jahr 1990 auf 14.5% im Jahr 2015 angestiegen ist. (3 1 Öläquivalent = 10‘000 kcal = 11.63 kWh)


Damit hat sich gemäss Eurostat-Angaben der gesamte Energieverbrauch im Jahr 2015 wieder auf das Ausgangsniveau von 1990 abgesenkt, trotz einer Bevölkerungszunahme um 33 Millionen Personen. Da sich die EU verpflichtet hat, die Treibhausgase deutlich zu reduzieren, wird der Energiesparkurs konsequent fortgesetzt4. Bis 2030 lautet das Ziel für den Verkehr, die Treibhausgasemissionen um rund 20 % unter den Stand von 2008 zu senken. Wegen der erheblichen Zunahme der Verkehrsemissionen in den letzten zwei Jahrzehnten lägen diese immer noch 8 % über dem Stand von 19905. Die grössten Einsparungen versprechen dabei die Treib- und Brennstoffe der Gruppen Verkehr und Haushalte6. (4 Verordnung (EG) Nr. 443/2009 zur Festlegung von Emissionsnormen für neue Personenkraftwagen, 23. April 2009; 5 Europäische Kommission, Weissbuch: Fahrplan zu einem einheitlichen europäischen Verkehrsraum, 28. März 2011; 6 Eurostat, Breakdown Final Energy Consumption by Sector. Im Jahr 2015 betrugen die Anteile der Verursachergruppen in % wie folgt: Verkehr (33.1%), Privathaushalte (25.4%), Industrie (25.3%), Dienstleistungsbetriebe (13.6%) sowie Landwirtschaft und Fischereiwesen (2.3%) und Übrige (0.4%).)

Autos mit Verbrennungsmotoren sind ein Auslaufmodell

Der hohe Anteil des Bereichs Verkehr von einem Drittel am Energieverbrauch hat die Automobilindustrie seit Jahren in den Mittelpunkt der Klimaschutzdebatte gestellt. Mit Erfolg konnte mittlerweile der durchschnittliche Flottenverbrauch 2016 bereits auf 118.1 Gramm Kohlendioxyd (CO2) pro gefahrenen Kilometer gesenkt werden. 2007 lag er noch bei 158.7 g/km. Ab dem Jahr 2021 soll EU-weit als Flottendurchschnitt für Neuwagen ein Grenzwert von maximal 95 g/km gelten7. Diese Vorgabe bedeutet für die Automobilindustrie eine kontinuierliche Ausrichtung der Produktpalette auf emissionsarme Fahrzeuge. Dank rekordverdächtiger Beschleunigungswerte, gestiegenen Reichweiten und weiterer Anreize (tiefere Fahrzeugsteuern, staatliche Zuschüsse, Erlaubnis zur Benutzung spezieller Fahrspuren, Gratisparkplätze) nimmt zwar die Akzeptanz für E-Autos zu, der hohe Anschaffungspreis trotz tieferer Betriebskosten gegenüber herkömmlichen Personenwagen und das lückenhafte Netz der Ladestationen sind noch klare Minuspunkte. (7 Dies entspricht einem Verbrauch von 4.1 Liter Benzin resp. 3.6 Liter Diesel auf 100 Kilometer.)

Die Wirtschaft ist gefordert, sollen doch bald Diesel- und Benzinaggregate aus diversen Innenstädten verbannt werden. So sind Dieselfahrzeuge bereits ab 2024 und Benziner ab 2030 in Paris nicht mehr erlaubt.8 Übrigens, das Elektroauto kam fünf Jahre vor dem Benziner und wurde 1881 an der Elektrizitätsmesse in Paris präsentiert9. Als Konsequenz auf das Pariser Klimaabkommen von 2015 bereitet sich Europa jetzt auf das Ende der Erstzulassungen für Benzin- und Dieselautos vor. Das Zeitalter der emissionsarmen Mobilität ist angebrochen10 respektive wiederangebrochen, nachdem es noch im Jahr 1900 in den USA mehr Elektroautos als solche mit Benzinmotor gab11. In ihrem Strategiepapier hat die EU für den Verkehrssektor folgende Massnahmen formuliert: (1) ein effizienteres Verkehrssystem, (2) emissionsarme alternative Energieträger und (3) emissionsarme/-freie Fahrzeuge10. (8 Paris verbannt Diesel- und Benzinfahrzeuge, NZZ vom Freitag 13. Oktober 2017, Seite 24; 9 Wikipedia: Erstes Dampfautomobil „la Mancelle“ von Amédée Bollée 1878; Erstes E-Auto mit Blei-Akku von Franzose Gustave Trouvé von 1881; Carl Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 von 1886; 10 Europäische Kommission, Eine europäische Strategie für emissionsarme Mobilität, 20.7.2016; 11 RWE: Die Geschichte des Elektroautos, 3. Ausgabe 2008)

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