STRASSBURG (dpa-AFX) - EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn hat
die Lage in Spanien und Zypern als schwierig bezeichnet. Vor dem
Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments Montagabend in Straßburg sagte Rehn,
die Kommission sei zu dem Schluss gekommen, dass "Spanien und Zypern sehr
ernsten Ungleichgewichten" ausgesetzt seien, nicht zuletzt in ihren
Finanzsektoren, und dass dies dringlich angegangen werden müsse.
Rehn verwies auf die Entscheidung der Eurogruppe vom Wochenende, Spanien für
die Rettung seiner maroden Banken bis zu 100 Milliarden Euro Hilfe zu gewähren.
In dieser Summe sei ein Sicherheitsspielraum enthalten.
Der Kommissar ging auch angesichts der anstehenden Debatte im EU-Parlament
über zwei Gesetze zur Stabilisierung des Euro ("Two-Pack") auf die Lage in
Italien, Frankreich, Slowenien und Ungarn ein. Italien stehe vor ernsten
Ungleichgewichten vor allem angesichts der Verschlechterung im Exportbereich.
Frankreich wiederum weise einen beträchtlichen Verlust seiner
Wettbewerbsfähigkeit und der Exporte auf. Bei Slowenien führte Rehn die
Bankenstabilität an und beim Nicht-Euro-Land Ungarn vor allem die negative
Entwicklung internationaler Investitionen.
Mit dem "Two-Pack" sollen Staaten ähnlich wie Unternehmen vor einem Bankrott
geschützt werden, indem die Wirtschaftspolitik der EU-Länder verzahnt werden,
die Haushaltsplanung auf das Europäische Semester abgestimmt und europäischer
einheitlich gestaltet werden. Die letzten beiden Jahren seien von einer noch nie
dagewesenen Stärkung der Koordination von Wirtschafts- und Fiskalpolitiken auf
europäischer Ebene gekennzeichnet gewesen. Dies sei mit einer gewissen
Vergemeinschaftung von Risiken und einer ausdrücklichen Solidarität verbunden
gewesen, wie die Hilfspakete für Griechenland sowie die Euro-Rettungsschirme
EFSF und ESM gezeigt hätten. "Wir müssen nun die wesentlichen Schritte für eine
vollständige Wirtschaftsunion entwerfen, um die bestehende Währungsunion zu
ergänzen und zu stärken."
Allerdings gebe es für die komplizierten Probleme einer komplexen Eurozone
nicht die eine einzige Lösung. Die Schwierigkeiten könnten nicht durch
gemeinsame Anleihen - Eurobonds - überwunden werden, ohne dass nicht
gleichzeitig fiskale Nachhaltigkeit gesichert werde. Andererseits werde es nicht
gelingen, eine Stabilitätskultur in der Eurozone zu verankern, ohne die Lasten
gemeinsam zu bündeln.
Rehn zeigte sich gleichzeitig optimistisch über die Defizitsituation der
EU-Staaten. 2009 und 2010 sei der Durchschnitt bei sechs Prozent gelegen, 2011
habe es eine Reduktion auf rund vier Prozent gegeben. Für das heurige Jahr werde
ein Wert rund um drei Prozent erwartet, "eine weitere willkommene Verbesserung".
() jep/sp/jep/sp/APA/she
12.06.2012 | 09:35 Uhr
WIEN (dpa-AFX) - Österreichs Finanzministerin Maria Fekter schließt nicht
aus, dass auch Italien internationale Hilfe benötigen wird. "Es kann sein, dass
es auch da zu Hilfsunterstützungen kommen kann", sagte Fekter am späten
Montagabend im österreichischen Fernsehen. Sie bezog sich insbesondere auf die
hohen Renditen, die Rom aktuell für frisches Kapital bieten muss. Dass Italien
komplett vom europäischem Rettungsschirm aufgefangen wird, ist laut Fekter aber
wohl nicht leistbar.
12.06.2012 | 09:25 Uhr
FRANKFURT (dpa-AFX) - Bundesbank-Vizechefin Sabine Lautenschläger hat ihre
Auffassung bekräftigt, dass eine europäische Bankenunion ohne Fiskalunion nicht
funktionieren kann. "In einer Bankenunion müsste bei der Krise eines nationalen
Bankensystems im Zweifel auch das Geld der Steuerzahler der anderen Länder
eingesetzt werden", sagte Lautenschläger am Dienstag in Frankfurt. "Wer haftet,
muss aber auch ein Recht auf Kontrolle haben, gerade wenn es um potenziell sehr
große Summen wie im Fall einer Bankenkrise geht." Dies spreche für fiskalische
Durchgriffsrechte auf europäischer Ebene.
12.06.2012 | 08:57 Uhr
BERLIN (dpa-AFX) - SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hält eine
Entscheidung über den europäischen Fiskalpakt noch vor der parlamentarischen
Sommerpause für möglich - so wie es von der schwarz-gelben Koalition angestrebt
wird. "Ich sehe jetzt keinen Selbstzweck darin, die Abstimmung darüber in den
Herbst zu verschieben", sagte er am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin".
12.06.2012 | 08:17 Uhr
LONDON (dpa-AFX) - EU-Kommissions-Präsident Jose Manuel Barroso rührt weiter
die Werbetrommel für eine sogenannte Bankenunion in Europa. "Ich denke, wir
haben jetzt die Bedingungen, dies voranzutreiben", sagte er der "Financial
Times" (Dienstagausgabe). In den Staaten der Europäischen Union sei das
Bewusstsein für eine stärker Integration gestiegen. Barroso möchte bald den
nächsten Schritt tun und die größten Banken der 27 EU-Staaten schon im kommenden
Jahr unter die Aufsicht einer europaweiten Aufsichtsbehörde stellen. Bisher
obliegt die Aufsicht der Banken den einzelnen Staaten. Die Pläne des Portugiesen
stoßen vor allem in Deutschland und Großbritannien auf starken Widerstand.
12.06.2012 | 05:29 Uhr
BERLIN (dpa-AFX) - Im Streit um die Zustimmung zum EU-Fiskalpakt lässt eine
Einigung noch auf sich warten. Eine Verhandlungsrunde von Koalition und
Opposition in Berlin brachte am Montagabend kein konkretes Ergebnis. Die
Vertreter beider Seiten gingen nach einem rund zweistündigen Gespräch mit
Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) ohne erkennbare Annäherung auseinander.
12.06.2012 | 05:23 Uhr
OSTFILDERN (dpa-AFX) - Die Südwest-Industrie mahnt ein klares Konzept und
mehr Transparenz bei der Energiewende an. "Es fehlt eine Grobplanung: Was
brauchen wir und was ist der realistische Zeitrahmen", sagte Präsident
Hans-Eberhard Koch vom Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie (LVI)
in Ostfildern bei Stuttgart der Nachrichtenagentur dpa. Das gelte für Bund und
Land. Die Befürchtungen der Firmen würden zunehmen, dass es bei der Umstellung
auf erneuerbare Energien "sehr große Probleme" geben könnte.
11.06.2012 | 22:32 Uhr
BERLIN (dpa-AFX) - Die Verhandlungsrunde von Koalition und Opposition über
den EU-Fiskalpakt ist beendet. Die Vertreter von SPD und Grünen verließen am
Montagabend nach einem rund zweistündigen Gespräch mit Kanzleramtsminister
Ronald Pofalla (CDU) das Kanzleramt wieder. Die Experten von Union und FDP
blieben noch zu internen Beratungen zusammen. Am Mittwoch will sich Kanzlerin
Angela Merkel (CDU) mit den Spitzen von Regierung und Opposition zu erneuten
Verhandlungen treffen.
11.06.2012 | 22:24 Uhr
DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Der Verkauf des letzten funktionsfähigen Teils der
WestLB an die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) steht laut einem
Pressebericht auf der Kippe. Grund dafür seien die in der vergangenen Woche
aufgetauchten neuen Risiken, berichtet das "Handelsblatt" (Dienstag) unter
Berufung auf Finanzkreise. Ein Helaba-Sprecher bestätigte am Montagabend, dass
die Bank das strittige Derivatepaket mit einem Verlustpotenzial von 300
Millionen Euro "definitiv nicht" übernehmen werde. Der Zeitung zufolge soll
Helaba-Vorstandschef Hans-Dieter Brenner sogar damit gedroht haben, die
Übernahme platzen zu lassen. Bis Mittwoch soll eine Entscheidung fallen.
11.06.2012 | 19:50 Uhr
FRANKFURT (dpa-AFX) - Trotz der Einigung auf Milliarden-Hilfen für Spaniens
kriselnde Banken bleiben die Märkte skeptisch. Die Börsen reagierten am Montag
nur vorübergehend mit teils kräftigen Kursgewinnen. Die Erleichterung am
Anleihemarkt, der als Krisenindikator gilt, war jedoch nur von kurzer Dauer.