12.05.2015 | 06:45 Uhr

Stiftungsfonds im Check-up

Stiftungsfonds im Check-up
Wie gut sind Stiftungsfonds wirklich?

Können Stiftungen mithilfe spezialisierter Investmentfonds der bestehenden Ertragsfalle entfliehen? Eine Antwort darauf liefert der neue Stiftungsfondsbericht aus dem Hause PC Portfolio Consulting.

Investmentfonds Stiftungen Studie

Stiftungsgründungen boomen: In Deutschland gibt es über 20.700 Stiftungen bürgerlichen Rechts mit einem Gesamtvermögen von mehr als 100 Milliarden Euro. Für soziale Zwecke, Forschung oder Bildung werden jährlich rund 17 Milliarden Euro bereitgestellt – etwa fünf Milliarden Euro stammen aus Vermögenserträgen. Noch. Mit Blick auf die Zinsentwicklung stecken viele Stiftungen in einer Ertragsfalle, der es zu entrinnen gilt. Sind Stiftungsfonds das Allheilmittel? Dieser Frage ging PC Portfolio Consulting in seinem Stiftungsfondsbericht 2015 nach. Zu einem klaren Ja oder Nein als Antwort kommen die Studienmacher allerdings nicht. Das dürfte vornehmlich der Tatsache geschuldet sein, dass die Anlageschwerpunkte der 40 analysierten Stiftungsfonds, die Ende 2014 zusammen über ein Anlagevolumen von 6,88 Milliarden Euro verfügten, heterogen sind.  Wie aus dem Bericht hervorgeht, handelt es sich überwiegend um Mischfonds, die mithilfe einer aktiven Steuerung der Aktienquote stetige Wertzuwächse anstreben. Neben zwei reinen Immobilienfonds setzen 65 Prozent der Stiftungsfonds auf eine Strategie, die mit der KIID-Klasse 3 bewertet wird, also in der Regel stärker auf schwankungsarme Anleihen setzt. 25 Prozent entsprechen einer KIID-Klassifizierung von 4, was auf eine relativ ausgewogene Mischung von Aktien und Anleihen schließen lässt. Zwei Fonds entsprechen der Kategorie 5 und sind nach Ansicht von PC aufgrund der überwiegenden Aktienquote und des damit hohen Schwankungsrisikos für Stiftungen nur bedingt geeignet. Große Unterschiede gibt es auch bei den jährlichen Gesamtkosten, die zwischen 0,51 und 3,99 Prozent liegen.  

Um nun die Leistung der Stiftungsfonds zu analysieren, hat Portfolio Consulting einen Index entwickelt, der die Performance der in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Stiftungsfonds gleichgewichtet zusammenfasst. Zudem wurde zum Vergleich ein Index aus internationalen Aktien des MSCI World und deutschen Staatsanleihen berechnet – angepasst an die Risikoausrichtung der zugrundeliegenden Fonds. Das Ergebnis: Der Stiftungsfondsindex erzielte seit Januar 2003 kumuliert eine Performance von 4,65 Prozent pro Jahr. Dieser Wert liegt deutlich über der Inflation, bleibt aber deutlich hinter der Performance des Vergleichsindex zurück (9,89 Prozent pro Jahr). „Auch im Vergleich mit den deutschen Staatsanleihen des Rexp, der über zwölf Jahre 72,49 beziehungsweise 6,04 Prozent jährlich erzielte, punktete das aktive Fondsmanagement in der Vergangenheit kaum“, schreibt Thomas Schenken, Geschäftsführer von PC Portfolio Consulting, der sich gemeinsam mit Stephan Müller für den Bericht verantwortlich zeigt.

Effektiv in Verlustphasen

Allein aus diesen Zahlen müsste man die Frage, ob Stiftungsfonds ein Allheilmittel sind, eigentlich mit Nein beantworten. Doch das würde dem Sektor nicht ganz gerecht. „Vor dem Hintergrund der sich abflachenden Zinskurve konnten Stiftungsfonds in den letzten drei Jahren insgesamt ordentlich abschneiden“, schreibt Portfolio Consulting in seinem Bericht. Im Schnitt lag die Wertentwicklung bei rund sechs Prozent pro Jahr, und das ohne größere Wertschwankungen. „Keiner der über drei Jahre analysierbaren Stiftungsfonds brachte selbst bei ungünstigstem Einstiegzeitpunkt zweistellige Verluste. Der Maximum Drawdown lag mit unter sieben Prozent in einem für Stiftungen erträglichen Rahmen“, heißt es in dem Bericht. Für den Stiftungsfondsindex sei der Wert mit knapp über zwei Prozent erheblich besser. Das zeige, dass ein breites Investment in Stiftungsfonds geeignet gewesen wäre, Verlustphasen effektiv zu begrenzen.  Auch ein genauerer Blick auf die Stiftungsfonds der KIID-Risikoklassen 3 und 4 bestätige das Bild. Die Größe der Wertschwankung nimmt erwartungsgemäß mit der Aktienquote zu, größere Verlustphasen seien jedoch auch hier die Ausnahme. Bei den Top-Fünf-Performern beider Risikoklassen war die Wertentwicklung zumindest in den vergangenen 36 Monaten ähnlich und lag durchschnittlich mit über 20 Prozent im Plus. Auch die Gruppenbesten liegen mit 26,18 beziehungsweise 27,71 Prozent dicht beieinander, können aber ihre jeweilige risikoangepasste Benchmark nicht schlagen.  

Das Fazit der Studienautoren: Eine Beimischung des richtigen oder mehrerer guter Stiftungsfonds kann daher sinnvoll sein. Per se lasse sich allerdings nicht sagen, dass Stiftungsfonds für eine Optimierung des Gesamtvermögens sorgen und individuelle Verlustschwellen zur Sicherung langfristiger Projektzusagen einhalten. „Zentral bleibt daher die Notwendigkeit, eine umfassende und langfristige Anlagestrategie als Basis für die Fondsauswahl und den richtigen Einsatz zum Gesamtportfolio zu etablieren“, heißt es in dem Bericht. 

Den vollständige Stiftungsfondsbericht 2015 können Stiftungen und Vertreter von Stiftungen kostenlos bei PC Portfolio Consulting beziehen.          

Copyright: portfolio institutionell

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