05.09.2014 | 11:34 Uhr

Shiller: „Blase am Aktienmarkt“

Shiller: „Blase am Aktienmarkt“
Robert Shiller

Nobelpreisträger Robert Shiller hält den US-Aktienmarkt für überbewertet. Allianz-Experte: Nicht zwangsläufig eine Korrektur fällig.

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Gestern senkte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent. Für Sparer und Anleiheinvestoren sind es keine guten Zeiten. Und jetzt wird auch noch der Aktienmarkt – die letzte Bastion für attraktive Renditen – in Frage gestellt. Niemand geringerer als Wirtschafts-Nobelpreisträger und Professor der renommierten Universität Yale, Robert Shiller, sagte Ende August in einem Interview mit dem Schweizer Portal „Finanz und Wirtschaft“: „Der US-Aktienmarkt ist klar überbewertet.“ 

Grundlage dieser Aussage ist das von ihm entwickelte „Cyclically Adjusted Price-Earnings“ (CAPE) – besser bekannt als „Shiller-KGV“. Dabei bezieht Shiller, und das ist der Unterschied zum herkömmlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis, die Kurse auf den rollierenden Durchschnitt der Unternehmensgewinne von zehn Jahren. Dadurch werde das CAPE um zyklische Schwankungen geglättet und gebe ein besseres Abbild der Bewertungssituation. Sein Ergebnis: Der US-Aktienmarkt weise erste Anzeichen für eine Blase auf. Die Voraussetzungen dafür definiert Shiller ebenfalls: „Die Kurse müssen steigen, die steigenden Kurse müssen breite Aufmerksamkeit auf sich ziehen und es muss der Glaube an ein neues Zeitalter vorhanden sein.“ Die ersten beiden Punkte seien erfüllt. „Das häufigste Argument für ein neues Zeitalter ist der Glaube an dauerhaft niedrige Zinsen“, führt er aus.

Hans-Jörg Naumer, Global Head of Capital Marktes & Thematic Research bei Allianz Global Investors, kann dem nicht zustimmen: „Hohe Bewertungen, wie im Falle der USA, müssen nicht zwangsläufig bedeuten, dass der Markt in absehbarer Zeit auf eine stärkere Korrektur zusteuert.“ Die Historie zeige vielmehr, dass Aktienmärkte hohe Bewertungen eine ganze Zeit lang aushalten könnten. „Verglichen mit der langfristigen Historie ab 1870 liegt das CAPE circa eine Standardabweichung über dem langfristigen Durchschnitt“, meint der Allianz-Experte. „Zum Vergleich: Während es heute mit etwa 26 notiert, erreichte es seinen höchsten Stand im Jahr 2000 mit einem Shiller-KGV von 46. Kein Vergleich also mit dem damaligen Umfeld.“ 

Die globalen Aktienmärkte hält Naumer für sehr heterogen. „Im Vergleich ist der US-Markt der teuerste Markt“, sagt er. „Einige Aktienmärkte der aufstrebenden Staaten liegen ebenfalls über ihrem langfristigen Shiller-KGV, allerdings sind die Abweichungen vom historischen Durchschnitt weniger deutlich.“ Der deutsche Aktienmarkt sei mit dem jüngsten Kursrutsch wieder in die Zone der fairen Bewertung gerutscht. Die anderen europäischen Märkte hält er sogar für noch attraktiver. „So sollten Anleger tendenziell auf eine Fortsetzung der Aufwärtsspirale setzen, nicht zuletzt da diese fundamental gestützt ist“, rät Naumer. Die Rendite-Bastion „Aktienmarkt“ ist also noch nicht gefallen. 

(PD)

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