20.04.2017 | 16:20 Uhr

Schwellenländer: Aktive Fonds schlagen Indizes

Schwellenländer: Aktive Fonds schlagen Indizes
Fondsmanager können gezielt nach Outperformern fischen - Foto: pixabay.com

Schwellenländer stellen Investoren vor besondere Herausforderungen. Indexfonds sind deshalb nicht immer die erste Wahl. Aktive Fondsmanager können hier ihre Vorteile ausspielen.

Asset Management Investmentfonds Anlagestrategie Asset-Allocation

Schwellenländer sind ein komplexes Thema. Das liegt schon allein daran, dass sich unter diesem Begriff viele Länder mit sehr unterschiedlichen Ausgangslagen und Entwicklungsstufen verbergen. Gemeinsam ist ihnen in der Regel eine hohe wirtschaftliche Dynamik, heterogene und volatile Märkte – und manchmal auch eine geringe Liquidität an den jeweiligen Börsen. Selbst eindeutig identifizierbare Wirtschaftstrends gehen oft einher mit geradezu erratischen Kursentwicklungen einzelner Aktien an den lokalen Finanzmärkten. Schwellenländer sind deshalb für Anleger ein anspruchsvolles Terrain. Aber auch passive Investmentlösungen können aus ähnlichen Gründen nicht immer überzeugen. Schließlich dominieren oft nur wenige Aktien eines Schwellenlandes den jeweiligen Standard-Index. Indexprodukte blenden aussichtsreiche Unternehmen aus der zweiten Reihe damit fast immer automatisch aus.

Stock Picking ist der Trumpf der Fondsmanager

So ist es kein Zufall, dass die Emerging Markets als Domäne aktiver Fondsmanager gelten. Hier können sie ihre Vorteile gegenüber passiven Investmentstrategien ausspielen – so zumindest eine häufig artikulierte Meinung. Das Analysehaus Scope hat diese These überprüft und die Performance und Volatilität der aktiv gemanagten Schwellenländer-Fonds, die zu mindestens 90% in Aktien der Schwellenländer investieren, mit dem Referenz-Index MSCI Emerging Markets verglichen. Dieser breite Index deckt 23 Länder und 832 Aktien ab und hat in den vergangenen fünf Jahren eine Performance von 4,9 Prozent per annum gezeigt. Die Volatilität lag in diesem Zeitraum bei 13,5 Prozent.

Das beeindruckende Ergebnis der Untersuchung: Mehr als ein Drittel der aktiven Fonds schlägt den Vergleichsindex. Das kann mehrere Gründe haben. Fakt ist: Während der MSCI Emerging Markets – und damit passive Investmentansätze – eine starre Länderallokation aufweisen, können aktive Fonds die Gewichtung der einzelnen Schwellenländer im Portfolio variieren. „Damit sind sie zumindest grundsätzlich in der Lage, in ihrer Investmentstrategie die unterschiedlichen ökonomischen Entwicklungen in den Schwellenländern zu reflektieren und somit für Anleger eine Outperformance zu erzielen“, erklärt Scope in seiner Studie. Immerhin 36 Prozent  der aktiv gemanagten Fonds nutzen diesen Vorteil und können den Vergleichsindex MSCI Emerging Markets tatsächlich auf Fünf-Jahres-Sicht schlagen. Zum Vergleich: In anderen Vergleichsgruppen schaffen es aktive Fonds in deutlich geringerer Anzahl den Vergleichsindex zu schlagen. Von den 258 aktiven Fonds der Peergroup „Aktien Nordamerika“ lassen gerade einmal vier Prozent den MSCI USA auf Fünf-Jahressicht hinter sich. Auch in der Peergroup „Aktien Deutschland“ zeigen nur 25% der aktiven Fonds eine Outperformance gegenüber dem MSCI Germany.

Hälfte der aktiven Fonds mit geringerer Volatilität als der Index

Die Entscheidung für oder gegen einen aktiven Fonds basiert in der Regel nicht nur auf Performance-, sondern vor allem auch auf Risiko-Aspekten. Das heißt, ein aktiver Investmentfonds kann sein Geld auch dann wert sein, wenn er keine Outperformance gegenüber dem Vergleichsindex erzielt, dafür aber weniger Volatilität generiert. Auch hier zeigen die aktiven Emerging-Market-Fonds laut Scope überzeugende Ergebnisse: Auf Drei-Jahressicht weisen 48 Prozent der Fonds eine geringere Volatilität als der MSCI Emerging Markets auf. Auf Fünf-Jahressicht sind es sogar 49 Prozent. Zum Vergleich: In der Peergroup „Aktien Nordamerika“ weisen auf Fünf-Jahressicht nur zwölf Prozent der Fonds eine geringere Volatilität als der Vergleichsindex auf. Für „Aktien Deutschland“ sind es 55 Prozent.

Hohe Performance und geringe Volatilität

Die aus Anlegersicht attraktivsten Fonds sind jene, die sowohl eine Outperformance erzielen als auch geringere Volatilität als der Vergleichsindex aufweisen. Aus der Peergroup „Aktien Emerging Markets“ gelingt dies auf Fünf-Jahressicht immerhin 33 Fonds. Das sind immerhin 15 Prozent der aktiven Fonds dieser Peergroup. 

Fazit: Mehr als ein Drittel der aktiv gemanagten Emerging-Market-Fonds schlägt auf Fünf-Jahressicht den Vergleichsindex in Bezug auf Performance, jeder zweite Fonds zeigt geringere Volatilität und 15 Prozent der Fonds schaffen beides. Dies zeigt, dass vor allem im Vergleich mit Peergroups wie „Aktien Nordamerika“ zahlreiche aktive Schwellenländer-Fonds einen Mehrwert bieten. Dennoch gibt es Raum für Verbesserungen. Denn: Zwei Drittel der aktiven Fonds erreichen die Performance des MSCI Emerging Markets nicht.

Die komplette Scope-Studie als PDF-Dokument.

(MvA)

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