10.12.2014 | 14:46 Uhr

Saxo Bank: Zehn provokante Thesen für 2015

Saxo Bank: Zehn provokante Thesen für 2015
Steen Jakobsen

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt der Saxo Bank, hat seine alljährlichen Thesen veröffentlicht. FundResearch stellt die Prognosen aus dem vergangenen Jahr auf den Prüfstand.

Marktausblick Volkswirtschaft

Alle Jahre wieder stellt Steen Jakobsen, Chefvolkswirt der Saxo Bank, kurz vor Weihnachten zehn Prognosen für das Folgejahr auf. Zugegeben: Sie sind provokant und Jakobsen sagt selbst, dass sie eher unwahrscheinlich seien. Dennoch stellt FundResearch sie auf den Prüfstand und stellt fest: Jakobsen hatte nicht immer Unrecht. Die provokanten Thesen für 2015 stehen hier zum Download bereit.

Thesen 2014:

EU-weite Einführung von Vermögenssteuer läutet Rückkehr zu einer Wirtschaft im Sowjetstil ein

Deflation und mangelndes Wachstum versetzen die EU-Kommission in Panik. Sie verfällt daher der Idee, eine Vermögensteuer für Ersparnisse von über 100.000 Euro bzw. US-Dollar einzuführen. Dies geschieht vorgeblich, um Ungleichheit abzubauen und ausreichende Mittel für einen „Krisenpuffer“ zu beschaffen. Das wäre der letzte Schritt in Richtung eines totalitären europäischen Staates und der Tiefpunkt für individuelle und Vermögensrechte. Dann hieße es: „Hard Assets“ wie beispielsweise Immobilien kaufen und Finanzanlagen verkaufen.

FundResearch sagt: Nein, dazu ist es zum Glück nicht gekommen. Die Inflation ist zwar niedrig, eine Deflation gibt es allerdings nicht.

Anti-europäische Allianz wird stärkste Fraktion im Europäischen Parlament

Aus den Wahlen zum Europaparlament im Mai geht eine transnationale anti-europäische Allianz als stärkste Kraft und größte Fraktion im EU-Parlament hervor. Das neu gewählte Europaparlament kürt einen EU-skeptischen Präsidenten. Zugleich gelingt es den europäischen Staats- und Regierungschefs nicht, sich auf einen Präsidenten der Europäischen Kommission zu einigen. Damit verfällt Europa wieder in politisches und wirtschaftliches Chaos.

FundResearch sagt: Nicht schlecht Herr Jakobsen. Anti-europäische Parteien verzeichneten tatsächlich starke Erfolge bei den Parlamentswahlen im Mai. Stärkste Kraft wurden sie jedoch nicht.

Die „Fat Five“ des Technologiesektors erwachen 2014 mit einem üblen Kater

Während die Aktien des amerikanischen IT-Sektors derzeit um rund 15 Prozent unter der aktuellen Bewertung des S&P 500 notieren, wird eine Handvoll von Technologieaktien mit einem massiven Aufschlag von ca. 700 Prozent über der Marktbewertung gehandelt. Diese „Fat Five“ – Amazon, Netflix, Twitter, Pandora Media und Yelp – stellen sozusagen eine neue Blase innerhalb der alten Blase dar. Zu verdanken ist das dem Run von Anlegern auf seltene Wachstumstitel im Nachgang zur Finanzkrise.

FundResearch sagt: Nein. Von einem Aufschlag von 700 Prozent kann nun wahrlich nicht die Rede sein. Jede einzelne diese Aktien musste im laufenden Jahr sogar Verluste hinnehmen.

Nachdem der Dollar auf unter 80 JPY fällt, bucht Bank of Japan Staatstitel aus

2014 erlahmt der globale Aufschwung. Die Kurse riskanter Assets purzeln und Investoren sehen sich gezwungen, Yen zu kaufen. In der Folge fällt der USD/JPY-Wechselkurs unter 80. Daher greift die Bank of Japan zu einer verzweifelten Maßnahme und bucht ihre gesamten Staatstitelbestände aus ihrer Bilanz aus. Das ist ein ebenso simpler, wie unerprobter buchhalterischer Trick, der dem Land nervenaufreibende Ungewissheit und ein potenzielles Desaster mit ungeahnten Nebenwirkungen beschert.

FundResearch sagt: Mit einem steigenden US-Dollar hat Jakobsen wohl nicht gerechnet. Aktuell kostet ein US-Dollar knapp 120 Yen.

US-Deflation: Bald auch in Ihrer Nähe!

Zwar mögen einige Indikatoren darauf hindeuten, dass die US-Wirtschaft sich erholt hat, doch der Häusermarkt bleibt schwach und die Löhne stagnieren. Für Januar steht im Kongress der zweite Akt der Tragikomödie „Wie man die US-Wirtschaft am besten sabotiert“ auf dem Programm. Die Leidtragenden sind Investitionen, Beschäftigung und Zuversicht der Verbraucher. Im Ergebnis würde die Inflation sinken, und Deflation stände wieder ganz oben auf der Tagesordnung des FOMC.

FundResearch sagt: Nein. Zwar ist die Inflation in den USA niedrig (Jahresprognose 1,4 Prozent), aber von einer Deflation kann keine Rede sein. 

Quantitative Lockerung erfasst sogar Hypothekenanleihen

Durch die quantitative Lockerung in den USA sind die Zinskosten gesunken und die Preise für riskante Assets in die Höhe geschnellt. Dadurch ist der trügerische Eindruck entstanden, die Wirtschaft erhole sich. Es gibt immer noch massive Probleme, vor allem am Häusermarkt, der künstlich gestützt wird. Daher wird der FOMC die dritte Runde seiner quantitativen Lockerung 2014 auf den Hypothekenanleihemarkt ausweiten. Anstatt mit dem Tapering zu beginnen, wird die Fed ihr nunmehr völlig auf Mortgage Bonds ausgerichtetes Ankaufprogramm auf ein Volumen von über 100 Milliarden US-Dollar pro Monat hochschrauben.

FundResearch sagt: Korrekt Herr Jakobsen! Im Zuge des Quantative Easing wurden auch Hypothekenanleihen gekauft. Aber die US-Wirtschaft wächst wieder und im kommenden Jahr soll dann mit dem Tapering begonnen werden.

Brent Crude fällt infolge von Ölschwemme auf 80 Dollar/Barrel

Durch die zunehmende Ölförderung mit neuen Methoden und dem wachsenden Fördervolumen Saudi-Arabiens entsteht ein Überangebot am Markt. Erstmals seit vielen Jahren bauen Hedgefonds umfassende Short-Positionen auf. Im Ergebnis fällt der Preis für Brent Crude auf 80 Dollar pro Barrel. Sobald die Ölproduzenten ihren Output jedoch drosseln, wird der Ölpreis wieder in die Höhe schnellen. Letztlich wird die Branche realisieren müssen, dass hohe Preise durchaus nicht selbstverständlich sind.

FundResearch sagt: Chapeau! Es ging sogar noch tiefer. Brent Crude steht derzeit bei nur 66 US-Dollar. Die Sorte WTI kostet rund 63 US-Dollar.

Deutschland in der Rezession

Der anhaltende Aufwärtstrend in Deutschland wird 2014 enden und die Konsensprognosen widerlegen. Nach Jahren übertriebener Sparsamkeit in Deutschland wenden sich jetzt sogar die USA gegen Europas größte Volkswirtschaft. Es ist durchaus möglich, dass man gemeinsam mit anderen großen Volkswirtschaften einen koordinierten Plan ausarbeitet, um den übermäßigen Handelsüberschuss zu verringern. Hinzu kommen sinkende Energiepreise in den USA, die deutsche Firmen dazu veranlassen, ihre Produktion gen Westen zu verlagern. Weitere Faktoren sind sinkende Wettbewerbsfähigkeit infolge steigender Reallöhne, mögliche Forderungen der SPD, des Juniorpartners in der Großen Koalition, zur Verbesserung der Situation einkommensschwacher Schichten in Deutschland und zunehmende Konzentration auf die Binnennachfrage in China im Anschluss an das Dritte Plenum der KP.

FundResearch sagt: Nicht ganz. Deutschland ist nochmal an der Rezession vorbeigeschrammt. Aber es war tatsächlich knapp. Der deutsche Handelsüberschuss besteht noch immer und die tatsächlich sinkenden Energiepreise werden dies nur bestärken.

Aufgrund der französischen Misere purzelt der CAC 40 um 40 Prozent

Der Aufwärtstrend bei den Aktienkursen findet ein jähes Ende und die Kurse gehen in den freien Fall. Grund: Es setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass das Einzige, was den Markt treibt, die Hoffnung ist, es finde sich bestimmt jemand, der eine überbewertete Aktie zu einem noch höheren Kurs kauft. Gleichzeitig vertieft sich die Misere in Frankreich infolge der Misswirtschaft der Regierung Hollande. Die Häuserpreise, die sich nach der Krise nie richtig erholt haben, rutschen ins Bodenlose. Das belastet Konsum und Zuversicht. Zum Jahresende bricht der CAC 40 Index gegenüber seinem Höchststand von 2013 um über 40 Prozent ein, als sich die Anleger scharenweise vom Markt verabschieden.

FundResearch sagt: Nein. Frankreich war 2014 zwar der „kranke Mann“ Europas. Der Leitindex CAC40 ist aber leicht gestiegen.

„Fragile Five“ fallen um 25 Prozent gegenüber dem Dollar

In den USA führt der erwartete allmähliche Ausstieg aus der QE (Tapering) infolge steigender Zinsen zu höheren Grenzkosten für Kapital. In der Folge sinkt der Risikoappetit bei weiten Teilen der globalen Anlegerschaft. Davon sind insbesondere Länder mit wachsenden Leistungsbilanzdefiziten betroffen, die ihre Währung schließlich – vor allem gegenüber dem US-Dollar – abwerten müssen. Bei diesen sogenannten Fragile Five handelt es sich um Brasilien, Indien, Südafrika, Indonesien und die Türkei.

FundResearch sagt: Tendenziell ja. Während die indische Rupie im Vergleich zum US-Dollar aktuell in etwa auf dem gleichen Stand befindet wie zu Jahresbeginn, werteten die übrigen Währungen tatsächlich ab. Allerdings keine 25 Prozent. Der brasilianische Real fiel stieg von 0,42 auf 0,38 Dollar, der südafrikanische Rand von 0,095 auf  0,087 US-Dollar, die indonesische Rupiah von  0,00082 auf 0,00080 US-Dollar und die türkische Lira von 0,46 auf 0,44 US-Dollar. Aber das Jahr ist ja auch noch nicht zu Ende.

Die Thesen für 2015 ausführlich im englischen Original

(PD)

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Quelle: Hamburger Börse

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