16.12.2015 | 06:45 Uhr

Mischfonds: Stunde der Wahrheit

Mischfonds: Stunde der Wahrheit
Können Mischfonds halten was sie versprechen?

Mischfonds werden immer beliebter. Gleichzeitig werden Zweifel laut, ob die Fonds-Klasse, in Zeiten niedriger Zinsen und steigender Volatilität an den Aktienmärkten, halten kann was sie verspricht. FundResearch hat sich die Peergroup genauer angeschaut.

Investmentfonds Mischfonds Fonds-Research

Bereits 1950 wurde der erste Mischfonds mit dem Namen Fondra (Fonds für Renten und Aktien) von der Fondsgesellschaft ADIG (aufgegangen in Allianz Global Investors) aufgelegt. Doch es sollte noch etliche Jahre dauern, bis Anleger Mischfonds für sich entdeckten: Erst mit der Finanzkrise konnten die Fonds - die in Anleihen und Aktien investieren – in den letzten Jahren so richtig an Popularität gewinnen. Mittlerweile haben Mischfonds Rentenfonds als zweitgrößte Fondsgruppe abgelöst, so der Branchenverband BVI. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt, findet die Sauren Fonds-Service AG. „Angesichts niedriger Zinsen, die kaum noch die Fondskosten decken, scheint eine Zeitenwende gekommen“, schreiben die Autoren der Studie „Zeitwende bei Mischfonds“. Es gelte, die Rendite/Risiko-Perspektiven der Investitionen in Mischfonds zu prüfen. „Erste Hinweise auf das geänderte Marktumfeld lassen sich bereits seit April 2015 am Markt erkennen.“ Weder durch ein gelungenes Markt-Timing noch durch eine erfolgreiche Titelselektion seien Mehrwerte erzielt worden. „Die Erwartungshaltung vieler Anleger hat sich nicht erfüllt.“

Mischfonds: Aktienanlage mit geringem Risiko

Dieser Ansatz könnte jedoch zu kurz gegriffen sein. Reto Niggli, Manager des Swisscanto (LU) Portfolio Fund Balanced, betont: „Bei einem Mischfonds halte ich die langfristige Perspektive für wichtig.“ Das vergangene Jahr sei mit einem Plus von gut zehn Prozent sehr stark ausgefallen. Das aktuelle Jahr stelle mit einem Abschluss im grünen Bereich bereits ein gutes Ergebnis dar. Auch Wolfgang Juds, Geschäftsführer von Credo Vermögensmanagement, hält das Grundprinzip der Risikostreuung weiterhin für sinnvoll. Es spreche für diese Anlageklasse, betont er gegenüber „dpa“. Mischfonds bedienten ein Grundbedürfnis vieler Anleger: „Sie möchten die Vorteile und Chancen der Aktienanlage mit geringem Risiko kombinieren.“ Allerdings sollten die Anleger ihre Renditeerwartung an das aktuelle Umfeld anpassen. Kursverlusten könnten Fondsmanager nur mit Flexibilität begegnen, ergänzt Alexander Stütz, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Portfolio Concept. „Die höhere Freiheit des Fondsmanagements und das flexible Anpassen der Gewichtungen in einzelne Anlageklassen sind die Hauptargumente für Mischfonds", fügt Jan Sobotta, Leiter Sales Ausland bei Swisscanto Asset Management hinzu. 

Mischfonds im Härtetest

Im laufenden Jahr am besten schlägt sich der Crocodile Capital 1 Global Focus B (ISIN: LU0327738422). Er erreicht ein Plus von 48,7 Prozent. Alleine in den zurückliegenden sechs Monaten kommen 23 Prozent hinzu. Damit ist er zusätzlich Spitzenreiter in diesem Zeitraum. Auch 2014 konnte der Fonds ähnlich gut abschneiden – 36,7 Prozent ging es damals hoch. 2011, 2012 und 2013 schrieb der Fonds jedoch Verluste. In fünf Jahre erwirtschaftet er 74,8 Prozent.  67,7 Millionen Euro sind in den Fonds investiert, der mit einer TER von 1,3 Prozent relativ günstig ist. Mit rund 40 Prozent investiert der Fonds in Renten und zu rund 39 Prozent in Aktien. 

In den vergangenen sechs Monaten erreicht auch der NW Global Strategy A (ISIN: LU0374290822) eine Spitzenposition, im Vergleich zum Crocodile-Fonds ist er mit einem Zuwachs von rund acht Prozent aber weit abgeschlagen. Im laufenden Jahr erzielt er ein Plus von 26,5 Prozent. Seit seiner Auflegung 2008 beträgt der Wertzuwachs 42,7 Prozent. Vergleichsweise ist dieser Fonds aber teuer: 2,36 Prozent beträgt die TER. 

Im laufenden Jahr die größten Verluste schreibt der Riße Inflation Opportunities (ISIN: DE000A1JUWR). Er steht mit 37 Prozent im Minus. Seit seiner Auflegung hat er bereits 36,6 Prozent eingebüßt. Gleichzeitig gehört er mit rund 3,7 Millionen Euro zu den kleinsten Fonds. 1,4 Prozent Gebühren zahlen Investoren für den Fonds. 

Der größte Mischfonds der Peergroup ist der Carmignac Patrimoine (ISIN: FR0010135103) - 25, 4 Milliarden Euro sind in den Fonds investiert. Bisher erreicht der Fonds einen Zuwachs von 2,2 Prozent in 2015. Auch über vier Jahre können die Fondsmanager Edouard Carmignac und Rose Ouahba noch nicht wirklich überzeugen, der Fonds erhält die FondsNote 3 – sie misst das Rendite-Risiko-Verhältnis. Über 20 Jahre jedoch erzielt der Fonds eine Wertentwicklung von 435,3 Prozent - mehr als die 20-Jahre-Performance aller anderen Fonds im Vergleich. 1,78 Prozent beträgt die TER für das Schwergewicht.

Seit seiner Auflegung am erfolgreichsten präsentiert sich der Oppenheim Portfolio E (ISIN: DE0008471301). Er erwirtschaftet seit 1971 989 Prozent. Mittelfristig trägt jedoch auch er die FondsNote 3. In 2015 erzielt er einen Zuwachs von 6,6 Prozent, 0,3 Prozent in den vergangenen sechs Monaten. 44,8 Millionen Euro sind in den Fonds investiert. Die Gesamtkosten (TER) betragen 1,02 Prozent jährlich.

Die niedrigste Gebühr stellt der Südinvest (ISIN: DE0008472663) in Rechnung. 0,04 Prozent beträgt die TER. In 2015 generiert der Fonds 2,6 Prozent. Mittelfristig trägt er die FondsNote 3. In zehn Jahren steht der Fonds mit 9,5 Prozent im Minus. Aktuell beträgt das Fondsvermögen 219,8 Millionen Euro. Zu den sehr teuren Fonds gehört der Stability Core Satellite Strategie (ISIN: LU0341503620):  4,75 Prozent beträgt die TER. Bisher erzielt der Fonds ein Plus von 2,6 Prozent in 2015. Seit seiner Auflegung 2008 verliert er dennoch 3,2 Prozent. Das Fondsvermögen beläuft sich auf rund drei Millionen Euro. 

Fonds mit FondsNote 1 günstig 

Mit der FondsNote 1 bewertet wird beispielsweise der Ampega Balanced 3 (ISN: DE000A0MUQ30). 20,2 Prozent erzielt er im laufenden Jahr. Auch 2013 und 2014 schließt der Fonds sehr gut ab. Seit seiner Auflegung 2007 erzielt er eine Wertentwicklung von 108,4 Prozent. Zudem ist der Fonds mit einer TER von 0,54 Prozent sehr günstig. 62,8 Millionen Euro ist der Fonds insgesamt groß. Auch der Multi Opportunities III (ISIN: LU0198959040) trägt die Spitzennote 1. Auch hier sind die Gebühren mit  0,9 Prozent niedrig. 2015 erreicht er bisher ein Plus von 10,2 Prozent. In zehn Jahren wächst er um 102,8 Prozent. 164,8 Millionen Euro beträgt das Fondsvermögen. In der Kategorie Mischfonds Aktien und Anleihen global fällt auf: Alle Fonds, die die FondsNote 1 tragen, haben ein TER von maximal 1,7 Prozent und sind damit relativ günstig. 

Im Schnitt erzielt die gesamte Kategorie in 2015 bisher ein Plus von 6,5 Prozent. Damit müssen sie sich der Kategorie Aktienfonds International geschlagen geben- sie wächst mit 12,4 Prozent. In den vergangenen sechs Monaten verlieren Mischfonds im Schnitt zudem 3,4 Prozent, Aktienfonds dagegen nur 2,9 Prozent. In drei Jahren verlieren Mischfonds jedoch maximal 9,3 Prozent, währen Aktienfonds 13,4 Prozent im selben Zeitraum einbüßen. Die längste Verlustphase in drei Jahren dauert bei beiden sechs Monate.

Globale Mischfonds stabiler als internationale Aktienfonds

Die größten Mischfonds im Vergleich

Quelle Grafiken: FINANZEN FundAnalyzer (FVBS)

(TL) 

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Quelle: Hamburger Börse

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