09.09.2014 | 06:45 Uhr

Gelage am Ganges

Gelage am Ganges
Mit Indien geht es seit dem Regierungswechsel wieder aufwärts.

Indiens Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Analysten erwarten für das Gesamtjahr ein Wachstum von über fünf Prozent. Davon profitieren auch die Aktienfonds. Keine andere Peergroup entwickelte sich im laufenden Jahr besser.

Aktienfonds Investmentfonds BRIC Fonds-Research Volkswirtschaft

Die Spatzen pfiffen es von den Dächern. Wer ihnen zuhörte, dem winken heute attraktive Renditen: Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2013 wiesen Kapitalmarktexperten auf das Potenzials Indiens hin – und das mitten in der Krise des Landes. „Trotz allem bietet Indien attraktive Investmentchancen – vor allem Titel, die zudem eine gewisse Absicherung gegen ein schwächeres Wirtschaftswachstum bieten, beispielsweise defensive und exportorientierte Sektoren wie IT-Services und Pharma “, sagte Manish Bathia, Fondsmanager bei Schroders im August 2013. „Auch Indiens Konsumsektor hat sich im aktuellen Umfeld als relativ defensiv erwiesen.“ Der Ausblick des Fondsmanagers: „Langfristig bin ich davon überzeugt, dass die Fundamentaldaten der Region absolut intakt sind.“ Ähnlich sah das im November 2013 auch Raphaël Cecchi, Volkswirt der Credendo Group: „Indiens Wirtschaftskrise ist in erster Linie hausgemacht und auf eine schlechte Wirtschaftspolitik und das jahrelange Ausbleiben von Strukturreformen zurückzuführen.“ Wenn Ungleichgewichte korrigiert würden, könne sich das Wachstum stabilisieren, bevor es mittelfristig auf einen höheren Wachstumspfad zurückfinde.

Und genau das ist nun eingetreten: Die indische Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2014 so stark gewachsen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Die Wirtschaftsleistung konnte von April bis Juni um 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gesteigert werden – nach einem Plus von 4,6 Prozent im ersten Quartal. Analysten der Credit Suisse erwarten für das Gesamtjahr eine Wachstumsrate von 5,5 Prozent. Der Regierungswechsel im Mai 2014 zeigt Wirkung: „Der Haushaltsplan von Premierminister Narenda Modi  markiert einen klaren Bruch mit dem subventionsbasierten Ansatz der Vorgängerregierung“, erläutert Manish Shah, CEO und Fondsmanager bei Comgest India. „Die niedrige Inflation sowie das geschrumpfte Leistungsbilanzdefizit haben bereits zu einer spürbaren Erholung der indischen Rupie geführt.“ Im vergangenen Sommer stand die Währung enorm unter Druck.

Als größte Nutznießer der angekündigten Veränderungen macht Shah den Industrie- und den Infrastruktursektor aus – hier insbesondere Energietitel. In einem Land, in dem 70 Prozent der Bevölkerung keinen unterbrechungsfreien Zugang zur Stromversorgung haben und 15 Prozent überhaupt nicht an ein Stromnetz angeschlossen sind, seien diese angebotsseitigen Reformen für eine Erhöhung der teilweise schlechten Lebensqualität in Indien absolut entscheidend. Auch die Stimmung am indischen Aktienmarkt hat sich in den vergangenen zwölf Monaten aufgehellt. Der Aktienindex BSE Sensex stieg um rund 48 Prozent. Noch besser lief es für indische Aktienfonds: Die Peergroup „Aktienfonds Indien“ des FINANZEN FundAnalyzer (FVBS) konnte ihren Wert im gleichen Zeitraum um 64,2 Prozent steigern. Für das laufende Jahr steht per 31. August ein Plus von 37,8 Prozent – keine andere Peergroup kann da mithalten. Kein indischer Aktienfonds verzeichnet im laufenden Jahr eine negative Performance.

Aktienfonds Indien: 2014 ist bisher ein gutes Jahr für die Peergroup

Besonders der Amundi Equity India Infrastructure (ISIN: LU0334874871) weiß 2014 zu überzeugen: Fondsmanager Sidharth Mahapatra führt die Peergroup mit einer Wertentwicklung von 62,2 Prozent an. Auf lange Sicht bewegt sich der Fonds jedoch nur im unteren Mittelfeld. Über fünf Jahre steht ein Plus von 28,3 Prozent, bei einer Volatilität von knapp 27 Prozent und einer Sharpe Ratio von 0,16. Das Fondsvolumen von 30,6 Millionen Euro investiert Mahapatra zu 27 Prozent in Finanztitel. IT-Aktien machen 17,6 Prozent des Portfolios aus und Investitionsgüter kommen auf 12,1 Prozent. Der zuletzt starke Industriesektor rangiert mit 11,4 Prozent an vierter Stelle. Der für Comgest-Mann Shah zukunftsträchtige Energiesektor kommt auf lediglich 6,2 Prozent. Größter Einzeltitel ist mit 7,2 Prozent der Autobauer Tata. Dahinter folgen die HDFC Bank (6,4 Prozent) und Reliance Industries (6,2 Prozent).

Mit einem Plus von 55,1 Prozent rangiert der ACMBernstein India Growth (ISIN: LU0047987325) auf Rang zwei der Peergroup. Im Zeitraum von fünf Jahren erreicht er eine Wertentwicklung von 60,7 Prozent. Die Volatilität liegt bei 22,5 Prozent, die Sharpe Ratio beträgt 0,40. Die Fondsmanager Jean-François Van de Walle und Stuart Rae müssen sich jedoch mit der €uro-FondsNote 4 begnügen. Der Fonds ist zu schwankungsintensiv für eine bessere Bewertung. Das Fondsvolumen von rund 147 Millionen Euro investieren sie zu knapp 30 Prozent im Finanzsektor. Industrie-Aktien machen rund ein Viertel des Portfolios aus und zyklische Konsumgüter 11,8 Prozent. Energie-Titel sind mit 1,8 Prozent sehr niedrig gewichtet. Größte Einzeltitel sind IRB Infrastructure Developers (9,4 Prozent), Housing Development Finance (7,9 Prozent) und die Imperial Tobacco Company (7,8 Prozent).

Drittstärkster Fonds der Peergroup ist der Comgest Growth India (ISIN: IE00B03DF997). Er erreichte in den ersten acht Monaten dieses Jahres ein Plus von 53,2 Prozent. Die gleiche Wertentwicklung steht auch für den Zeitraum von fünf Jahren – bei einer Volatilität von 21,4 Prozent und einer Sharpe Ratio von 0,37. Er trägt die FondsNote 3. Comgest-CEO Shah ist Teil des Fondsmanager-Teams. „Das Portfolio ist mit über 40 Prozent Gesamtexposure in den Bereichen Infrastruktur, Stromversorgung, Industrie und Automobilzulieferung investiert“, sagt er. „Die Übergewichtung dieser Sektoren hat sich im laufenden Jahr bisher als wichtigster Performancetreiber für den Fonds erwiesen.“ Industrie-Titel machen mit glatt 21 Prozent den größten Teil des knapp 140 Millionen Euro großen Portfolios aus. Top-Holding ist der Elektronikkonzern Power Grid Corporation of India mit einem Portfolioanteil von 5,4 Prozent. Max India aus dem Gesundheitssektor kommt auf 4,9 Prozent. Jeweils 4,2 Prozent entfallen auf den Automobilkonzern Motherson Sumi Systems, den Energieriesen GAIL India und Bosch.

Ein Fonds der Peergroup trägt die FondsNote 1. Und das völlig zu Recht: Der First State Indian Subcontinent A (ISIN: GB00B1FXTF86). Im laufenden Jahr ging es bisher um 40,2 Prozent nach oben. Interessant ist der Blick auf das vergangene Jahr: 2013 war der Fonds von David Gait und Sashi Reddy Klassenprimus. Mit einem Minus von 0,2 Prozent stand er an der Spitze der Peergroup. Gleiches gilt für den Zeitraum von fünf Jahren. Die Wertentwicklung von 136,1 Prozent ist von keinem anderen Fonds zu schlagen. Mit einer Volatilität von 17,2 Prozent ist er zudem der schwankungsärmste Fonds der Kategorie. Die Sharpe Ratio von 1,04 ist entsprechend von keinem Mitbewerber zu erreichen. Die beiden Fondsmanager investieren 17,2 Prozent des fast 290 Millionen Euro großen Fondsvolumens in Verbrauchsgüter. 15,6 Prozent fließen in Finanz-Titel und 15 Prozent in Industrie-Werte. Größter Einzeltitel ist mit 6,9 Prozent der IT-Dienstleister Tech Mahindra. Der Konsumgüterhersteller Marico kommt auf 6,8 Prozent die Kotak Mahindra Bank ist zu 5,9 Prozent gewichtet.

Aktienfonds Indien: 2014 ist bisher ein gutes Jahr für die Peergroup

Quelle Grafiken: FINANZEN FundAnalyzer (FVBS)

(PD)

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