14.06.2017 | 15:41 Uhr

FundForum: Es gibt Raum für Optimismus

FundForum: Es gibt Raum für Optimismus
Bild: FundForum

Europa hat eine Periode heftiger politischer Wechsel und Unbeständigkeit durchlaufen. Damit halten Ungewissheit und Populismus Einzug in der Politik. Wo vor diesem Hintergrund zukünftige Investmentchancen liegen, das haben Anlageprofis am Dienstag auf dem Internationalen FundForum in Berlin erörtert.

Marktausblick

Die Diskussion wurde eröffnet von  Mike O'Brien, CEO für Europa und den Mittleren Osten bei J.P. Morgan Asset Management, der erklärte, es sei schwer, heute in Hinblick auf das globale Wirtschaftswachstum  nicht optimistisch zu sein. Die Gefahr der Inflation sei geschrumpft, wenn auch nicht ganz: „Wir werden Inflation sehen, aber langsam und gedämpft, Wir erleben gerade einen Wachstumstrend, auch wenn es acht Jahre gedauert hat, bis wir dort hingekommen sind.

Martin Lück, Chefstratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa bei BlackRock, stimmt da überein, und fügt hinzu, dass Sorgen über eine Abschwächung der Konjunktur in China unbegründet seien – zumindest auf kurze Sicht: Die Chinesen können sich einen harten Slowdown nicht leisten sondern werden weiter einen positiven Beitrag zum globalen Wachstum liefern. 

Joseph Little, Chefstratege bei  HSBC Global Asset Management, merkte an, dass zwar die Angst vor einem Handelskrieg gewichen sei, trotzdem sei es schwierig vorherzusagen, ob die USA ihre Reflationspolitik weiter vorantreiben werden. Wir haben das Ende der Austeritätspolitik in vielen entwickelten Volkswirtschaften erlebt. Nun berichtet der IMF, dass die Regierungen in diesem Jahr wieder das Wachstum unterstützen werden.Das, so Little, sei eine ungewöhnliche Geschäftssituation, verglichen zu dem was man in den letzten Jahren erlebt habe.

Da die EZB kürzlich die Wachstumsprognosen nach oben korrigiert hatte, stimmten die Podiumsteilnehmer darin überein, dass es gute Gründe gebe, optimistisch zu sein – wenn auch mit Einschränkungen. So warnt Martin Lück, dass trotz des positiven Währungsumfelds die Eurokrise noch nicht vorbei sei. Wir befinden uns immer noch im Wartungsmodus. Ausufernde Verschuldung, die Überreste der Bankenkrise und die Wettbewerbsfähigkeit in Europa blieben noch Baustellen.  „Aber es ist ein freundliches Szenario, wenn wir es mit den letzten Jahren vergleichen“, erklärte er und ergänzt, dass nun ein guter Zeitpunkt sei, Reformen anzugehen. 

Mit Blick auf das Wahlergebnis in Frankreich könne man meinen, der Gipfel des Populismus in Europa sei überschritten, warf Mike O'Brien in die Runde. Trotzdem blieben politische Risiken, die noch nicht gelöst seien. Ich mache mir Sorgen, dass wenn Macron versagt, wir in ernsthafte Schwierigkeiten kommen. Eine zentralistische Regierung, die ihre Versprechen nicht halten kann, würde den Populismus (in Frankreich) wiedererwecken.

In Hinsicht auf den Brexit bemerkt Joseph Little, es sei zwar verführerisch, nach den Wahlen in England anzunehmen, der Ausstieg Großbritanniens könnte moderat verlaufen, ein harter Brexit sei aber noch nicht vom Tisch: Mein Gefühl sagt mir, dass wir einen harten Brexit nicht ausschließen können. Wir müssen für die Zukunft stattdessen verschiedene Szenarien durchdenken. Little fürchtet, dass nach zwölf bis 18 Monaten Verhandlung kein großer Fortschritt erreicht sein wird. 

Aus europäischer Sicht ergänzt Martin Lück, dass die verbleibenden Staaten keinen positiven Deal für Großbritannien akzeptieren würden; im Gegenteil: Ihre Position habe sich verhärtet. Die Verhandlungen würden sich hinziehen und Investoren müssten sich auf eine hohe Volatilität einstellen: Wir dürfen nicht vergessen, dass nur noch ein Jahr für Verhandlungen bleibt. Ich sehe wenig Chancen, eine Lösung in letzter Sekunde zu vermeiden.“ Das, so Lück, führe zu einer Übergangsperiode von fünf bis sechs Jahren, in der Großbritannien nahe an der EU sei – wenn auch kein Mitglied mehr.

Das Panel endete mit einer Markteinschätzung der Experten. Wir befinden uns in einem freundlichen Marktumfeld, meint Joseph Little. Die Wachstumsaussichten seien gut und daher seien Aktien den defensiven Anlagen wie Regierungsanleihen vorzuziehen. Renditechancen sieht der HSBC-Stratege in volatilen Asset-Klassen in Asien und Teilen Europas und den Emerging Markets – sowohl bei Aktien als auch bei Schuldverschreibungen in lokaler Währung.  

Für Mike O’Brien von J.P. Morgan steht Europa in Sachen Aktien an oberster Stelle, vor allem aufgrund der günstigeren Kostenstruktur europäischer Unternehmen sowie der Wachstumsaussichten und der niedrigen Inflation.

Für Martin Lück von BlackRock ist neben dem spanischen und dem deutschen Aktienmarkt auch Frankreich interessant:  Wenn Macron die Reformen glaubhaft angeht, gehört Frankreich sicher zu den am besten performenden Märkten in der zweiten Jahreshälfte.“ Das hänge jedoch auch davon ab, ob der weltweite Reflationstrend anhalte und andere Volkswirtschaften ihr Wachstum fortsetzen könnten.

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