20.06.2017 | 10:00 Uhr

Euro-Roundtable: Die Stärken aktiver Fonds

Euro-Roundtable: Die Stärken aktiver Fonds
Andrej Brodnik, Jupiter AM; Markus Lange, KPMG; Martin Dilg, AB Funds; Karl-Josef Schneiders, Credit Suisse AM (von links)

EURO-Roundtable in Berlin. Eigentlich heißt das Thema MIFID II. Im Gespräch führender internationaler KVGs geht es jedoch auch um die Kontroverse zwischen aktiven Fonds und ETFs. Die Moderation hat Markus Lange, Partner KPMG. FundResearch berichtet exklusiv. Teil 2.

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Foto: Andrej Brodnik, Head Continental Europe, Jupiter AM; Dr. Markus Lange, Partner KPMG; Dr. Martin Dilg, Head Wholesale Central Europe AB Funds; Karl-Josef Schneiders, CEO AM Germany, Credit Suisse (von links). Zugeschaltet sind: Werner Kolitsch, Head of Germany and Austria bei M&G sowie Uwe Diehl, Country-Head Wholesale, AXA-IM. Teil1, gestern. Lesen Sie hier: 

Teil 2:

Lange: Ich habe den Eindruck, dass es hinsichtlich des Produktangebots durchaus zu Verschiebungen kommen wird. Übernehmen Produktanbieter damit auch stärkere Verantwortung für das Thema Finanzmanagement?

Schneiders: Das ist möglich. Nehmen wir doch die eben erwähnten Korea-Fonds als Beispiel. Gibt es künftig eine Nachfrage von Kunden nach diesen Fonds? Oder läuft es nicht eher auf das Thema Finanz- und Allokationsmanagement hinaus – auch für Kundensegmente, die nicht Millionen investieren? Dies kann durchaus auch in die unterschiedlichen Assetklassen herunter gebrochen werden. Oder das Thema Depot-Advisory. Unsere Vertriebspartner werden künftig Ansätze erwarten, die für Anleger Gesamtlösungen bieten. Ich kann mir vorstellen, dass sich künftig die Strukturen auch bei den Produktanbietern stärker verändern werden. Das ist dann möglicherweise der Regulatorik geschuldet, aber auch der andauernden Niedrigzinsphase und der sich verändernden Kundennachfrage.

Kolitsch: Assetmanager sollten künftig stärker als Problemlöser in der Altersvorsorge auftreten. Die Multi-Asset-Ansätze von M&G sind für unterschiedliche Risikoprofile konstruiert. Wir gehen davon aus, dass die überwiegende Mehrheit unserer Fondspalette als „nicht komplex“ eingestuft wird. Diese sollte daher unter MiFID II für ein breites Anlegerpublikum investierbar sein. Multi-Asset wird unter MiFID II ein zentrales Thema.

Lange: Die MiFID II-Regelwerke sollten u.a. dazu beitragen, Fehlallokationen aufgrund von Provisionsanreizen zu korrigieren. Auch mit transparenteren Kostenmodellen werden Sie künftig umgehen müssen – wie stehen Sie dazu?

Dilg: Es wird für aktive Manager definitiv Druck auf die Preise geben. Mehr Transparenz bedeutet im Endeffekt tiefere Preise. Aber: Die „Geiz-Mentalität“ führt m.E. sehr leicht ebenfalls zu Fehlallokationen. Das ist der Punkt. Transparente Kosten ja. Kosten als alleiniges Kaufargument: Nein.

Brodnik: Die Frage ist doch, wird MiFID II dafür sorgen, dass Finanzberatungen und Investmentfonds für Investoren günstiger werden? Ich glaube nein. Alles hat eben seinen Preis. Wird MifiD II die Beratung nachhaltig verbessern? Ebenfalls nein.

Lange: Auf transparente Ansätze setzen u.a. auch die sog. Robo-Advisors. Die junge Generation macht den Eindruck, als würde sie keine Investmentfonds kaufen, funktionierte dies und die laufende Überwachung nicht sehr einfach via Smartphone. Hat dies Konsequenzen für Sie?

Schneiders: Ja durchaus. Natürlich stellt sich unser Haus auf unterschiedliche Anlageverhalten unterschiedlicher Anlegergruppen ein. Das ist sozusagen „part of the game“. Wir haben dazu auch Fondslösungen auf dem Markt (siehe Porträt Credit Suisse). Die Frage wird sein, ob und wie sich solche Modelle auch im Bereich Assetmanagement durchsetzen und in größerem Umfang an Einfluss gewinnen.

Brodnik: In UK sehen wir, dass – u.a. getrieben durch die Regulierung – ETFs klar auf dem Vormarsch sind. Ich wäre vorsichtig, diesen Trend für Deutschland in gleicher Form vorherzusagen.

Dilg: Manchmal sind die Argumente einfach auch zu schräg: Kürzlich gab es im TV eine Sendung, in der über ETFs diskutiert wurden. Da kam das Argument, dass das eine DAX-Investment über fünf Jahre Kosten in Höhe von 500 EUR verursache. Das andere, ein aktives, hingegen Kosten in Höhe von 2.000 EUR. Dass durch sinnvolles, aktives Management die Benchmark klar geschlagen werden kann, wurde dabei gar nicht erwähnt. Der Fokus sollte mehr auf dem individuellen Investmentziel und der Risikobereitschaft der Anleger liegen und wie diese am besten erfüllt werden können.

Kolitsch: ETFs und Robo-Advisor haben durchaus ihren Platz und können sinnvoll für bestimmte Anlegergruppen und -situationen sein. Aktiv gemanagte Fonds, die tatsächlich liefern und flexibel auf zukünftige Marktkonstellationen reagieren können, aber mindestens ebenso. Daran zweifle ich nicht.

Lange: Aber nochmals nachgefragt: Die Regulierung verursacht höhere Kosten. Können dann nicht Standardangebote wie Robo-Advisors oder ähnliche digitale Angebote, ein Ausweg sein?

Schneiders: Wenn Sie Bücher, Reisen oder Smartphones nehmen, werden diese heute primär übers Internet verkauft. Warum? Weil es in der Regel Standardprodukte sind. Eine sinnvolle, präzise und überlegte Kapitalanlage kann man nicht durch ein paar Klicks erreichen. Das wäre zu einfach und würde der Tragweite des Themas nicht gerecht. Robo-Advisors können ein Teil der Lösung sein. Mehr aber nicht.

Brodnik: Und auch nur bedingt, wenn es um Qualität gehen soll. Die Generation, die ausschließlich via Robo-Advisors in ETFs anlegt, nenne ich „lost generation“. Denn sie läuft damit der historischen Performance hinterher. Nur das kann ich per Tastendruck investierbar machen.

Dilg: Für jüngere, private Anleger mit einem längeren Anlagehorizont sind ETFs oft ungeeignet, da sie  oft nur auf die ‚past performance‘ des Index setzen. Da gibt es eben auch Kosten, im Vergleich zu Investmentfonds niedrigere, okay, aber wie soll ein Rückstand aufgeholt werden, wenn der Index gekauft wird? Und zur „lost-generation: Das Thema „Investieren“ wird z.B. in der Schule viel zu wenig aufgegriffen. Hier müssten wir mehr tun, um Menschen wirkungsvoller an langfristige Anlageformen heranzuführen.

Schneiders: Wir hatten in den vergangenen 8 Jahren Märkte, die auf der Aktien- und Bondseite nach oben liefen. Dies hat den ETFs sehr geholfen. Wenn dies einmal anders aussieht, kommt für sie die Probe aufs Exempel. Es gibt an den Märkten eben immer wieder Situationen, in denen sich aktive Investments auszeichnen. Kunden brauchen deshalb m.E. eine sehr ausgewogene Mischung zwischen aktiven und passiven Investments.

Kolitsch: Aktives Management bedeutet in der Regel ein sehr viel höheres Maß an Aufwand, was das Research betrifft und die Kosten für eigene Analysten sind ebenfalls höher als bei ETFs. Nehmen wir als Beispiel einen global anlegenden Dividendenfonds, der monatlich ausschüttet und so für bestimmte Anleger eine Gehalts-, Mieteinnahmen- oder sonstige Alternative sein kann.  Wenn die Produkte konstant für den Anleger einen Mehrwert sprich eine Outperformance liefern und wir Produkte auflegen, die in der ETF-Welt nicht nachgebaut werden können, kann die Managementgebühr gerechtfertigt sein.

Brodnik: MiFID II macht uns das Leben nicht einfacher. Damit können wir umgehen, denn gute, innovative und langfristig erfolgreiche Produkte machen für unsere Kunden Sinn und damit auch für uns. Aber leider macht die Regulierung auch die Beratung nicht besser und nachhaltiger, was eigentlich einmal die Idee war.

(DIF)

Teil 1 zum Thema MIFID II und Vertrieb, lesen Sie hier: 

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